Bensheim

Feuerwehr Besondere Übung für die Einsatzkräfte in einem Bensheimer Sportstudio

Fitnesstraining mit Atemschutzgeräten

Bensheim.Das Bild mutete ungewöhnlich an: In voller Montur, aber ohne jegliche Eile marschierten etliche Feuerwehrmänner vor wenigen Tagen in den Abendstunden durch die Räume des "Private Sportsclubs", ein Fitnessstudio in Bensheim. Im Gepäck hatten die Einsatzkräfte Atemschutzgeräte. An den Fitnessgeräten im Raum trainierten zeitgleich Frauen und Männer, kurze Blicke von diesen auf das Szenario, weiter ging es im Ringen mit dem eigenen Körper um Fitness und Wohlbefinden. Die Wehrmänner waren nicht im Einsatz, kein Brand, keine technische Hilfeleistung. Bei ihnen stand "Atemschutzübung unter erschwerten Bedingungen" auf dem Plan.

Nun sind Übungen mit Atemschutzgeräten, Maske eng vorm Gesicht, schwere Druckluftflasche auf dem Rücken, per se schon kräftezehrend, ganz zu schweigen von den Einsätzen. Diesmal aber sollte es eine besondere Variante geben, Anforderung extrem: Fitnesstraining in Einsatzkleidung inklusive Ausrüstung. Eine Premiere für die Feuerwehr Bensheim. Elf Mann, darunter der stellvertretende Wehrführer Jürgen Ritz, hatten sich dafür gemeldet. Allesamt waren sie gespannt, was sie erwarten würde.

Es ging hart zur Sache

Begrüßt wurden sie von BA-Student Paul Wartha, der einen Sportstudiengang mit Fokus auf dem Fitnessbereich absolviert und Coach im "Private Sportsclub" ist. Der lockere Ton, der eingangs herrschte, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es gleich hart zur Sache gehen würde.

In Absprache mit Jürgen Ritz hatte Paul einen anspruchsvollen Parcours für die Träger der Atemschutzgeräte entwickelt. Zirkeltraining war angesagt - ein Wechsel zwischen verschiedenen Übungen und ein ebenso steter Wechsel von Anstrengung und kurzem Erholen. Zuvor gab es eine Einführung an den Trainingsstationen, zudem gemeinsames Aufwärmen. All das im Freien auf einem großzügigen Balkon in luftiger Höhe und bei fast durchgehend starkem Regen.

Der Regen dürfte für die Feuerwehrmänner wohl eines der geringeren Probleme bei der Übung gewesen sein. Auch davor schützt die Einsatzkleidung. Allerdings unterscheidet diese sich von funktionaler Sportkleidung wie ein Bagger von einem Formel-1-Auto. Und dann war da ja noch der schwere Atemschutz. Also noch mehr Gewicht, noch schwieriger die Bewegungen, und zunehmend wurde im Verlauf des Trainings die Luft in den Flaschen weniger. Nach knapp einer halben Stunde waren vermehrt schrille Pieptöne zu hören, Warnsignale, dass die Luft nun wirklich knapp wird: im Einsatz Zeichen zum Rückzug, hier Mahnung zum baldigen Aufhören.

Zuvor aber hatten die Feuerwehrleute ihre Kondition unter Beweis gestellt die eigenen Körper bei sogenannten TRX-Übungen in Schlingen gestemmt, in der Horizontalen auf Halbkugeln um Balance gerungen, schwere Seile in stete Schwingungen versetzt, schnellen Schritts etliche Kilo geschleppt. Übung reihte sich an Übung, Herausforderung an Herausforderung. Grenzen sollten ausgelotet werden - und sie wurden ausgelotet. Der Wechsel der Luftzufuhr zwischen Flasche und Maske von einem auf den anderen - trainiert wurde im Duo - war ebenfalls Teil der Übung. Und ganz am Schluss, als der Schweiß manchem auf der Stirn stand, wurde noch kräftig gerechnet.

Als das Programm absolviert war, Helme, Masken, Druckluftflaschen abgelegt werden konnten, zogen die Wehrmänner Bilanz des Erlebten. "Es hat Spaß gemacht", war aus ihren Reihen zu hören, ebenso das Eingeständnis: "Es war eine Herausforderung." Und: "Es war ein völlig neues Bild von Zirkeltraining."

"Jeder hat viel Luft gebraucht", resümierte Jürgen Ritz, aber das Programm sei "sehr gut" gewesen. Der stellvertretende Wehrführer gab zudem zu Protokoll: "Der eine oder andere ist an die Grenzen geführt worden."

Ritz und Coach Paul Wartha kennen sich. In einem Gespräch waren sie auf die Idee zu dem speziellen Training für Einsatzkräfte mit Atemschutz gekommen. Brandbekämpfung, Menschenrettung, Gefahrgutbergung stehen sonst auf dem Übungsprogramm. Diesmal also Kondition, Fitness im Speziellen. Eine Bereicherung. Fortsetzungen sind denkbar. Am Ende des Premierenabends zeigte Paul Wartha Respekt vor der Leistung der Einsatzkräfte: "Sie sind gut in Schuss. Man merkt die Routine." Mit einem Augenzwinkern folgten die Worte: "Auch bei denen, die mehr auf den Rippen haben." Was es bedeutet, in Einsatzkleidung und mit Atemschutzgeräten unterwegs zu sein, weiß der Trainer sehr genau. Er ist beim Technischen Hilfswerk (THW) aktiv, wenn erforderlich selbst mit Atemschutz.

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