Bensheim

Museum Zum Finale der „Courtesy“-Ausstellungen werden Werke des Künstlers Bernd Berner gezeigt / Trotz Corona hervorragende Besucherbilanz

„Flächenräume“ als krönender Abschluss

Archivartikel

Bensheim.Es ist der Abschluss einer außergewöhnlichen Reihe: Seit Beginn der Corona-Krise gab es im Museum Bensheim anstelle des eigentlich geplanten Programms eine Folge von Kollaborationen mit namhaften Galerien, die mit ihren Künstlern in den Wechselausstellungsräumen des Museums zu Gast waren – und, so resümiert Museumsleiter Christoph Breitwieser, die Besucherbilanz in neue Höhen trieben, obwohl seit Monaten keine Schulklassen mehr kamen und auch nicht zu Vernissagen eingeladen werden konnte.

Mit den „Flächenräumen“ von Bernd Berner erhalten die „Courtesy“-Ausstellungen nun einen krönenden Abschluss. Kuratiert wurde die Ausstellung von Kay Kromeier, Geschäftsführer der Stuttgarter Galerie Schlichtenmaier, in Zusammenarbeit mit VAN HAM Art Estate, die den Nachlass des Künstlers betreut.

Seit Donnerstag ist die Ausstellung zu sehen, und wie es sich wegen der Unmöglichkeit von großen Eröffnungsveranstaltungen im Museum inzwischen etabliert hat, kamen am ersten Öffnungstag über den Nachmittag verteilt Besucher und nahmen die Möglichkeit wahr, mit Vertretern der Galerie und von VAN HAM Art Estate ebenso ins Gespräch zu kommen wie mit dem aus Frankfurt angereisten Enkel des Künstlers Henri Berner.

Galerist Kay Kromeier zeigte sich begeistert von den schönen Räumlichkeiten im Untergeschoss des Bensheimer Museums – und erfreut über die Ausstellungseröffnung, die für ihn die erste seit Beginn der Corona-Krise war. Kromeier machte auf die emotionalen Farbsinnlichkeiten in den Bildern aufmerksam.

Der vom Künstler selbst festgestellten „Tendenz zur Stille“ stellte er ein gleichzeitiges Vibrieren entgegen, Töne, die dem Gewebe der Pinselstriche bei aller Ruhe doch geradezu symphonisch entstiegen.

Unter den Besuchern am Eröffnungstag war unter anderen Gabriele Mundt. Die Vorsitzende der Gruppe Kunst im Fürstenlager war von 1979 bis 1983 Schülerin von Bernd Berner an der Pforzheimer Fachhochschule für Gestaltung, wo der Künstler eine Professur innehatte. Sie erinnert sich an einen ruhigen Mann, der als Lehrer die Fähigkeiten seiner Studenten optimal förderte.

Ruhig und zurückhaltend

Ruhe und Zurückhaltung prägen auch die in Bensheim ausgestellten Bilder des 1930 in Hamburg geborenen Künstlers (gestorben 2002 in Stuttgart), die mit einer Zeitspanne von etwa drei Jahrzehnten seit den späten 1950er Jahren die wesentlichen Werkphasen umfassen.

Ein Verdienst der Ausstellung ist die Präsentation einer Gruppe von Arbeiten aus dem Nachlass, die in Zusammenhang mit der Gruppe SYN entstanden sind und bislang eher unbekannt waren. SYN hatte Berner 1965 mit vier weiteren Künstlern auf der Suche nach einer ganzheitlichen Kunst gegründet. Die Gruppe bestand bis 1970.

Berners Werke dieser Zeit erscheinen wie ein Widerhall von zeitgenössischen Strömungen von Op-Art bis Hard-Edge-Painting. In der Bensheimer Ausstellung wird das Ringen des Künstlers um die ihm gemäße Ausdrucksform nachvollziehbar.

Prägend für den gelernten Lithografen, der sich die Malerei autodidaktisch angeeignet hatte, war die Freundschaft mit dem die westdeutsche Kunst der Nachkriegszeit wesentlich beeinflussenden Willi Baumeister. Nach der informellen Malerei verhafteten Anfängen legte Berner alles Subjektive und Gestische ab.

Neben den von der Mitgliedschaft in der Gruppe SYN gekennzeichneten, stark von scharfen Umrisslinien geometrischer und organischer Formen bestimmten Bildern arbeitete Berner an der Auflösung der begrenzenden Linie und gab der Farbe ihren eigenen Raum.

„Flächenräume“ betitelte er seine Bilder und benannte damit das eigentlich Unvereinbare: In der Regel wird die flächige Malerei als Gegensatz des Räumlichen aufgefasst. Berners Flächen jedoch entwickeln eine räumliche Dynamik, die den Betrachter in das Bild hineinzuziehen scheint. Zugleich verfügt das Gewebe aus kleinen, dicht an dicht und in vielen Schichten gesetzten Strukturen auf der häufig ungrundierten Leinwand über eine sehr subtile materielle Räumlichkeit.

Die monochromen oder mit einer beschränkten Palette geschaffenen Farbfelder Berners unterscheiden sich darin ganz wesentlich von auf den ersten Blick vielleicht ähnlich wirkenden Arbeiten Mark Rothkos oder Gotthard Graubners. Spannend für den Betrachter ist die Beharrlichkeit mit der Bernd Berner die Bedingungen seiner Malerei auslotet, etwa indem er dem Organisationsprinzip des Kreises treu bleibt, um es immer wieder aufs Neue in Frage zu stellen.

Werke von Bernd Berner befinden sich in vielen privaten und öffentlichen Kunstsammlungen, unter anderem in der Sammlung der Villa Romana, der Sammlung der Bundesrepublik Deutschland und der Nationalgalerie in Berlin, der Staatsgalerie Stuttgart, dem Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig, der Kunsthalle Karlsruhe und der Kunsthalle Mannheim.

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