Bensheim

BUND-Ortsverband Vortrag über die Wildkatze – „echte Ureinwohnerin“ / Auch der Bebauungsplan Riedwiese ist Thema bei Hauptversammlung

Flinker Räuber auf der Roten Liste

Archivartikel

Bensheim.Die BUND-Ortsgruppe Bensheim will eine neue Projektgruppe zum Thema Stadt-Bäume, Innenstadtgrün und lebendige Vorgärten ins Leben rufen. „Die zunehmende Innenverdichtung hat negative Folgen für Grünstrukturen und Lebensqualität“, heißt es in der Pressemitteilung der Naturschützer.

Innenstadt soll grüner werden

Insofern erachtet es der Ortsverband Bensheim für notwendig, neue Wege und Maßnahmen zur Begrünung der Innenstadtbereiche zu erschließen. Beispielsweise sollte konsequent – vor allem im Kernstadtbereich – nach Möglichkeiten gesucht werden, wo einzelne Baum- und Großstrauchpflanzungen durchgeführt werden können. Aus Sicht der Ortsgruppe gibt es einige geeignete Bereiche, in denen standortgerechte Solitärbäume in verschiedenen Wuchsformen, – großkronig, pyramidal oder kugelförmig – gepflanzt werden könnten.

Während des BUND-Ortsverbands Bensheim berichtete Vorsitzender Andreas Rossa über die Aktivitäten im vergangenen Jahr. Neben den regelmäßigen Aktionen wie Amphibienschutz und Streuobstwiesenschutz gehörten auch mehrere Infostände und Veranstaltungen zum Jahresprogramm. So zum Beispiel die Teilnahme am Bensheimer Weihnachtsmarkt. In den Künstlerbuden wurde das Thema Papier-Upcycling präsentiert. Dabei zeigten die Aktiven des BUND unter Anleitung des zweiten Vorsitzenden Volker Massoth, wie z.B. aus alten Schmuckblättern von Monatskalendern neue Geschenkverpackungen hergestellt werden können.

Mit einer Gedenkminute ehrten die Mitglieder den im Jahr 2017 verstorbenen, langjährig im Vorstand aktiven, Bertram Blaich. Ebenso wurde an das langjährige Vereinsmitglied Hille Krämer erinnert.

Laura Perschel wurde als neue Beisitzerin in den Vorstand nachgewählt. Außerdem stellte Schatzmeister Günter Lissner den Kassenbericht vor, KassenprüferinBirgit Rinke legte den entsprechenden Prüfbericht vor. Schließlich wurde der gesamten Vorstand einstimmig von der Versammlung entlastet.

Ein weiterer Diskussionspunkt bei der Hauptversammlung des BUND war der Bebauungsplan Riedwiese. Dieser wird vom Ortsverband in Bezug auf die Ausweisung eines Industrie- bwz. Gewerbe-Gebietes und der eventuellen Ansiedlung einer Baustoffrecycling-Anlage einhellig abgelehnt. Eine Baustoffaufbereitungs-Anlage gehört nach Ansicht des BUND in ein Industriegebiet jenseits jeglicher Wohn- und Schulbereiche. Es sei mit erheblichen Lärm-, Staub- und Geruchsbelästigungen für die Umgebung zu rechnen. „Diese Belastungen kommen dann zu den bereits bestehenden, durch die Autobahn hervorgerufenen Lärmemissionen, hinzu“, heißt es weiter. „Blankobeschlüsse“ zum Betrieb einer solchen Anlage seitens Verwaltung und Politik seien nicht akzeptabel.

Der Jahreshauptversammlung unmittelbar vorangegangen war eine Vortragsveranstaltung der BUND-Ortsgruppe Bensheim zum Thema: „Wildkatze“. Zu Gast war Susanne Schneider, Wildkatzenexpertin vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Hessen. In ihrem Vortrag wurden den Zuhörern viele interessante Details zur Wildkatze nahegebracht. Als „echte Ureinwohnerin“ ist sie schon seit vielen zehntausend Jahren in Europa zu Hause. Doch ihre Bestände wurden weit zurückgedrängt. In Hessen hat sie ihre Verbreitungsschwerpunkte in den naturnahen Laub- und Mischwäldern des Spessarts, der Rhön, des hessischen Berglands und im Taunus. „Die Wildkatze steht wie kaum ein anderes Tier für die letzte Wildnis in Deutschland. So scheu und zurückgezogen wie sie lebt, bekommen sie selbst Jäger und Förster nur äußerst selten zu Gesicht“, so Susanne Schneider.

Das wichtigste Erkennungsmerkmal der Wildkatze ist ihr verwaschenes, grau-braunes Fell und der buschige Schwanz mit zwei bis drei schwarzen Ringen und stumpfem Ende. Tagsüber ruht sie in ihren Verstecken, nachts wird sie zum flinken Räuber. Sie lebt vor allem von Mäusen und streift dabei durch ihr bis zu 30 Quadratkilometer großes Revier.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Wildkatze fast ausgestorben, noch immer steht sie auf der Roten Liste. Ihr Bestand wird deutschlandweit auf etwa 5000 bis 7000 Tiere geschätzt. Straßen, wachsende Siedlungen und Ackerflächen beschneiden ihren Lebensraum und sind deswegen heute ihre größten Gefahren. In den letzten Jahren zeigte sich aber auch eine erfreuliche Entwicklung.

Lebensräume sind getrennt

„Der BUND konnte wieder neue Bestände nachweisen, wie etwa im Krofdorfer Forst im Landkreis Gießen und in Teilen des Vogelsbergs“, so Schneider. Doch noch immer sind geeignete Lebensräume in Hessen – wie etwa südlich des Mains – von der Wildkatze noch nicht wieder erobert. Es fehlen die Verbindungen, die „grünen Korridore“. Das langfristige Ziel des „Rettungsnetzes für die Wildkatze“ ist deshalb ein Netz aus Wäldern von 20 000 Kilometern Länge über ganz Deutschland. red

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel