Bensheim

Naturschutz Unterstützung für dringend notwendige Pflegemaßnahmen gesucht

Förderverein Tongruben vor unlösbarer Aufgabe

Archivartikel

Bensheim.Ziel des Fördervereins Tongruben seit seiner Gründung vor 20 Jahren ist es, das im Jahr 1977 per Verordnung unter Naturschutz gestellte „Tongrubengelände von Bensheim und Heppenheim“, zu erhalten und weiter zu optimieren. So wurden unter anderem mit einer großen Maßnahme auch ehemalige Tongruben weiter vertieft, so dass sich dort wieder einige Flachgewässer bilden konnten, die für seltene Vogel- und für Amphibienarten lebensnotwendig sind.

Wichtig für das Naturschutzgebiet (NSG) ist es vor allem, die Sukzession der Pflanzen (Bäume und Büsche) zu steuern. Aufkommendes Weidengestrüpp muss so weit zurückgedrängt werden, dass dort wieder offene, von der Sonne beschienene Flächen (auch Flachgewässer) entstehen, teilweise mit Schilf bestanden. Vor über 30 Jahren hatte der Naturschutzbund (Nabu) Bensheim jene Aufgabe übernommen, die durch die Obere Naturschutzbehörde hätte erfüllt werden müssen.

Der Nachwuchs fehlt

Ab dem Gründungsjahr des Fördervereins Tongruben (1998) übernahm diese Aufgabe – neben dem Nabu-Stadtverband Bensheim-Zwingenberg – vor allem der Förderverein für das NSG Tongruben.

Aufgrund der Altersstruktur und des fehlenden Nachwuchses sind die Vereine personell leider nicht mehr in der Lage, diese notwendigen Pflegemaßnahmen durchzuführen. Die Naturschützer sind auf fremde Hilfe angewiesen.

Damals wurde noch unter der Regie des Nabu-Stadtverbandes – mit Unterstützung des THW Bensheim und von Bensheimer Schulkindern – eine größere Entbuschungs- und Baumfällaktion im Naturschutzgebiet durchgeführt. Da die Sukzession der Pflanzen immer weiter fortschreitet und zuvor noch besonnte Flächen immer wieder zuwachsen, werden die lebensnotwendigen Biotope für seltene Vogel- und Amphibienarten immer stärker verringert, teilweise sogar ganz vernichtet.

Biotope sind gefährdet

Seit diesem ersten Großeinsatz sind nunmehr schon über 30 Jahre vergangen und es müsste in diesem Gebiet dringend eine weitere größere Entbuschungs-Aktion durchgeführt werden. Da der Förderverein die Arbeiten aber alleine nicht durchführen kann, ist er auf technische Hilfe angewiesen.

Deswegen hat sich der Vorstand des Fördervereins Tongruben schon im Spätsommer des letzten Jahres an eine örtliche Organisation mit der Bitte um Durchführung dieser dringend notwendigen Pflegemaßnahmen gewandt, da diese über die dafür notwendigen Gerätschaften (Motorsägen und Seilwinden), die erforderliche Man-Power und die entsprechenden Fahrzeuge verfügt. Sehr erfreut war der Vorstand des Fördervereins Tongruben, als er im Spätsommer des vergangenen Jahres spontan die entsprechende Zusage des Vorsitzenden des Bensheimer Vereins erhielt. Daraufhin wurden die notwendigen Vorbereitungen für den Großeinsatz getroffen. So wurden unter anderem drei Geländebesichtigungen durchgeführt.

Pflegemaßnahmen in einem Naturschutzgebiet dürfen nur im Winterhalbjahr, und zwar bis zum 1. März durchgeführt werden. Zwecks Festlegung der Einzelheiten und des Termins wandte sich der Vorstand des Fördervereins Tongruben an den Vorstand des Bensheimer Vereins. Zu seiner großen Enttäuschung machte der Verein allerdings einen Rückzieher und zog seine bereits gegebene Zusage leider zurück. Dies ist für den Förderverein Tongruben nicht nachvollziehbar.

Nun steht der Förderverein vor einem großen Problem. Einerseits übernimmt die Obere Naturschutzbehörde diese eigentlich ihr obliegende Aufgabe leider nicht, andererseits ist der Förderverein ohne von außen kommende Unterstützung dazu nicht in der Lage. Wenn keine andere Möglichkeit gefunden wird, müssen die unbedingt nötigen Pflegearbeiten im NSG unterbleiben.

„Damit beginnt der Prozess der Zerstörung der dortigen Lebensräume für seltene Vogel- und Amphibienarten, die der Förderverein eigentlich erhalten möchte“, heißt es in der Mitteilung des Fördervereins. Und weiter: „Wir stehen vor einer unlösbaren Aufgabe und einer Katastrophe.“ Sollte sich keine Hilfe finden, so wäre das wertvolle Feucht- und Naturschutzgebiet Tongrubengelände der allmählichen Vernichtung preisgegeben. Der Förderverein könnte seine satzungsgemäßen Aufgaben nicht mehr in ausreichendem Maße erfüllen und müsste dann notfalls aufgelöst werden. red

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