Bensheim

Musiktage Bensheim-Beaune-Chor und Organist Thibaut Duret mit Widor und Vierne in der Kirche Sankt Georg

Französische Klangdelikatessen

BENSHEIM.Zwei Partnerstädte in besonderer musikalischer Harmonie: Wie schon 2015 trafen sich der Kammerchor Sankt Georg und das Ensemble vocal de Bourgogne aus Beaune anlässlich der Bensheimer Musiktage zu einem wahrhaft erlesenen Programm mit hierzulande selten aufgeführten Spezialitäten des französischen Sakralrepertoires.

Hauptwerke waren die eher wenig bekannten Messen der beiden bedeutenden Orgelmeister Charles-Marie Widor (1844-1937) und Louis Vierne (1870-1937); dazu kamen als ideale instrumentale Ergänzungen drei Sätze aus Widors fünfter Orgelsinfonie. Per Leinwand konnte das Publikum die Darbietungen des auf der Empore effektvoll um den Organisten gruppierten Städtechors mit über 100 Vokalisten gut verfolgen.

An Sankt Georg stand eine von Widor und Vierne zusätzlich zur großen Orgel geforderte kleinere zweite Orgel im Altarraum leider nicht zur Verfügung. Doch Thibaut Durets souverän ausgefeilter Vortrag ließ den scheinbaren Besetzungsmangel praktisch kaum fühlbar werden. Die sinfonisch ambitionierte Fülle des Orgelparts beider Messen war bei dem erfahrenen jungen Organisten in allerbesten Händen.

Präzise und passioniert

Manuel Simonnets superb kraft- und schwungvolles Dirigat sorgte dafür, dass sich Widors 1878 entstandene fis-moll-Messe opus 36 trotz ihrer nur viertelstündigen Spieldauer als veritables Meisterwerk mitteilte. Sein Beauner Vokalensemble und der für exponierte Baritonstellen zuständige Choeur de chambre Imagô folgten ihm in staunenswert ausgewogenem Zusammenwirken mit den Bensheimer Gastgebern so präzise und passioniert, dass keine wesentlichen Wünsche offen blieben - eine Klasseleistung. Vor allem "Kyrie", "Gloria" und "Agnus Dei" gerieten zu suggestiven Höhepunkten der Wiedergabe.

Louis Vierne verzichtet in seiner 1899 komponierten "Messe solennelle" cis-moll opus 16 ebenfalls auf eine Vertonung des "Credo", bietet aber im Vergleich zu seinem Lehrer Widor noch sinfonischere Dimensionen und insbesondere ein individuelleres harmonisches Farbenspektrum.

Simonnet, Duret und dem phänomenal sicher singenden Bensheim-Beaune-Chor gelang ein Vierne-Plädoyer von mitreißend feuriger Expressivität und verblüffender klanglicher Plastizität. Gerade dieses kaum schöner umzusetzende Prachtstück französischer Kirchenmusik - herausragend delikat "Benedictus" und "Agnus Dei" - dürfte vielen Konzertbesuchern lange in Erinnerung bleiben.

Widors Orgelmusik war mit den beiden feinsinnigen Kopfsätzen und dem furiosen Toccatenfinale der f-moll-Sonate opus 42/1 von 1879 denkbar attraktiv vertreten. Schade nur, dass sich just an Viernes 147. Geburtstag im - mit rund einer Stunde nicht eben zu langen - Programm kein Platz mehr fand für Kostproben aus dessen Orgelschaffen.

Verdiente Ovationen

Das sollte der makellos gewandte Organist bei einem der kommenden Bensheim-Beaune-Konzerte unbedingt nachholen. Am Ende gab es in der gut gefüllten Stadtkirche Sankt Georg verdiente Ovationen für die höchst motivierte Chorgemeinschaft wie für die vorbildlichen Protagonisten Thibaut Duret, Manuel Simonnet und Gregor Knop.

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