Bensheim

Rundgang Bei der Behindertenhilfe Bergstraße leisten viele jungen Menschen ein soziales Jahr / Anerkennung wichtig

Freiwilligendienst mit Bonus honorieren

Bensheim.Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes besuchten vor kurzem die Werkstatt der Behindertenhilfe Bergstraße (bhb) in Bensheim-Auerbach. Hintergrund war eine Aufforderung der Landesarbeitsgemeinschaft Freiwilligendienste, junge Menschen für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) zu motivieren.

Als einer der größten Arbeitgeber der Region beschäftigt die bhb insgesamt 40 bis 50 Menschen im Freiwilligendienst. Eine Zahl, die die Gäste zunächst erstaunte. Mit dabei waren auch SPD-Landtagsabgeordnete Karin Hartmann sowie SPD-Landtagskandidat Marius Schmidt.

Nachdem die bhb-Geschäftsführung die Gäste begrüßt hatte, führte Martina Heß, Abteilungsleitung der Bensheimer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigung, die Besuchergruppe durch die Arbeitsbereiche am Standort Auerbach. Die Beschäftigten sind in der Werkstatt, je nach Fähigkeit und Interesse, in den verschiedensten Handwerksbereichen eingesetzt. Egal ob in der Schlosserei, in der Schreinerei, in der Montagegruppe, der Küche, der Kreativgruppe im IdeenReich oder bei den Gärtnern – jeder findet hier seinen Platz, um wertschöpfende Arbeit zu leisten und somit Teilhabe am Arbeitsleben zu erfahren. Die FSJl’er und BFD’ler begleiten die Beschäftigten hierbei und unterstützen die Gruppenleiter bei ihrer alltäglichen Arbeit.

Nach der Führung konnten die Gäste die jungen Menschen im Freiwilligendienst im persönlichen Gespräch zu ihren eigenen Erfahrungen, Motivationen und Verbesserungsvorschlägen befragen. Die jungen Frauen berichteten ganz offen von gegebenen Hürden und individuellen Schwierigkeiten beim Weg zum FSJ. Selbstbewusst wiesen sie auf wichtige Punkte hin und zeigten den ein oder anderen nützlichen Verbesserungsvorschlag auf.

Mangelnder Motivation oder fehlender Attraktivität der Freiwilligeneinsätze könne man beispielsweise durch Bonus-Systeme entgegenwirken, lautete ein Vorschlag. So könnten in Zukunft beispielsweise FSJ-Absolventen Vorteile bei der Vergabe von Studienplätzen haben oder bevorzugt eines der begehrten Interrail-Tickets erhalten (diese werden derzeit aufgrund der hohen Nachfrage verlost).

Aufgrund des niedrigen Gehalts im Vergleich zu denjenigen, die sich direkt für den Einstieg ins Arbeitsleben entscheiden, erleben FSJ’ler oft finanzielle Engpässe, die man durch gewisse Boni abmildern könnte. Darüber hinaus wurde im Gespräch festgestellt, dass sich immer weniger junge Männer bewerben und sich hauptsächlich junge Frauen für ein Soziales Jahr entscheiden. Abschließend war sich die Gruppe einig, dass sich die Anerkennungskultur generell ändern müsse, damit denjenigen, die sich freiwillig für die Gesellschaft engagieren, keine Nachteile entstehen und man Wege findet, junge Menschen für ein praktisches Jahr zu motivieren.

Alle waren sich am Ende des Rundgangs einig: Die vielfältigen sozialen Kompetenzen, die man am Ende des Jahres erlangt hat, rechtfertigen es allemal. red

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