Bensheim

Kunstfreunde Bensheim Carion-Quintett mit originell inszenierter Bläsermusik im Parktheater / Musiker spielen auswendig und im Stehen

Fünf einfallsreiche Virtuosen

Bensheim.Mit dem in Skandinavien und Lettland beheimateten Carion-Quintett präsentierten die Kunstfreunde beim sechsten Saisonkonzert eine der unkonventionellsten Kammermusikformationen im Parktheater. Markenzeichen des 2002 gegründeten Ensembles ist das auswendige Spiel im Stehen, das durch quasi-choreografische Interaktionen zwischen den Instrumentalisten zusätzliche musikdarstellerische Dimensionen gewinnt. Die aktuelle Carion-Besetzung mit den beiden dänischen Gründungsmitgliedern David M. A. P. Palmquist (Horn) und Niels Anders Vedsten Larsen (Fagott), den 2008 hinzugekommenen Letten Egils Upatnieks (Oboe) und Egils Sefers (Klarinette) sowie der 2012 eingestiegenen ungarischen Flötistin Dóra Seres scheint nach den Bensheimer Konzerteindrücken ein echter Glücksfall.

Maßstäbe gesetzt

Bemerkenswert individuelle Schwerpunkte verrät auch das Carion-Repertoire, in dem man etwa die einschlägigen Standardwerke wenig bekannter Romantiker von Reicha bis Taffanel vergeblich sucht (Ausnahme natürlich: das grandiose Quintett opus 43 des Dänen Carl Nielsen). Stattdessen finden sich hier vor allem Originalwerke der klassischen wie zeitgenössischen Moderne und Arrangements von Stücken bekannter Komponisten aus der Feder des nicht nur auf seinem Instrument bravourös gewandten Hornisten. Das Bensheimer Programm belegte beispielhaft, wie gut diese besondere Carion-Mixtur funktioniert.

Zur idealen Visitenkarte der fünf Musiker geriet eingangs György Ligetis berühmter Bagatellen-Zyklus von 1953, der durch die verblüffend illustrativen Performance-Elemente vielgestaltiger und beredter wirkte denn je – ein geradezu szenisch intensiviertes Hörerlebnis, das in seiner feurigen Virtuosität und Expressivität („Béla Bartók in memoriam“-Satz!) allemal interpretatorische Maßstäbe setzte.

Höchste Ansprüche erfüllte auch David Palmquists kongeniale Quintettversion von Mozarts großer Wiener Es-Dur-Serenade KV 375 (1781). Die eminent klangsensible Machart dieses Arrangements und erst recht die wunderbar facettenreiche Wiedergabe (mit dem „Adagio“ als lyrischem Herzstück) dürften wohl selbst Fans der originalen Oktettfassung milde gestimmt haben. Zum klassischen Stil des Werkes passte die jetzt eher sparsam dosierte, dabei freilich erneut sehr kommunikative Gestik der Musiker perfekt. Vitaler kann man Mozart kaum spielen.

Zwei Highlights der modernen Quintettliteratur folgten nach der Pause mit dem magisch schillernden Naturpoem „Musik für wegziehende Vögel“ (1977) des Letten Peteris Vasks und der frech verspielten Suite „Kleine Kammermusik“ opus 24/2 (1922) von Paul Hindemith. Dieses neoklassizistische Juwel bekam genau jenen knackigen Biss, der schon bei Ligeti so fasziniert hatte. Palmquists Bearbeitung der in charakteristischem „Pulcinella“-Geist gehaltenen zweiten Strawinsky-Orchestersuite (1921) bildete das launigst choreografierte Programmfinale. Für den lebhaften Beifall ihres Publikums im sehr gut besuchten Parktheater revanchierten sich die fünf Carion-Virtuosen mit Eduardo di Capuas „O sole mio“ und Mozarts erster Papageno-Arie in jeweils unverwechselbar eigenen Versionen.

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