Bensheim

Kommunalpolitik Kritik an Bestrebungen der Koalition für die Innenstadt

FWG gegen Nahversorger in der Innenstadt

Archivartikel

Bensheim.Auf Betreiben der Bürger für Bensheim (BfB) ist im Koalitionsvertrag zwischen CDU,GLB und BfB vereinbart worden, die Ansiedlung eines Nahversorgers für die Innenstadt anzustreben.

Nach den jüngsten Pressemitteilungen der BfB sei ein „Nahversorger sehr wichtig und von entscheidender Bedeutung für die Bewohner der Innenstadt“ (BA vom 21. Und 26. Januar 2019) und die Ansiedlung solle nun mit Nachdruck realisiert werden. Dieses schon mehrfach vorgetragene, „wohltönende Anliegen“ der BfB müsse man nach Meinung der Freie Wählergemeinschaft (FWG) genaueren hinterfragen.

Bei Betrachtung der Ist-Situation bezüglich der Bewohnerstruktur in der Innenstadt und der Angebote für den täglichen Bedarf stelle man fest: Laut Demografiedaten der Stadt wohnen in der Innenstadt nahezu 3000 Menschen. Das Durchschnittsalter der Bewohner ist mit 40 Jahre deutlich niedriger als allgemein angenommen. Die meisten Anwohner sind zwischen 1 8 und 27 Jahren, danach folgen diejenigen zwischen 27 und 40.

Diese Altersgruppen decken laut FWG ihren täglichen Einkaufsbedarf in der Regel in Verbindung mit ihrer Berufstätigkeit, die für die meisten von ihnen außerhalb der Innenstadt angesiedelt sei. An Geschäften für den täglichen Bedarf gebe es unter anderem sechs Bäcker, zwei Metzgereien, einen Lebensmittelladen im Neumarkt-Center, zwei Obst- und Gemüsegeschäfte, ein Spezialgeschäft für Käse und Wein, den Wochenmarkt, ein Reformhaus, zwei Drogeriemärkte und zwei Apotheken. Zusätzlich gebe es am Bahnhof, einen Discounter als Vollsortimenter.

Auch der Weg zu den großen Geschäften auf dem Güterbahnhofsgelände sei nicht weit und fußläufig gut zu erreichen. „Wozu wird bei dieser Fülle an Angeboten ein weiterer Nahversorger benötigt und welche Produkte soll er im Sortiment führen, die nicht schon angeboten werden? Dazu schweigt sich die Koalition aus“, schreibt die FWG.

Nach den Gesprächen der FWG mit Anwohnern und Geschäftsleuten habe ein weiterer Nahversorger – entgegen der Aussage der BfB – keine „entscheidende Bedeutung für die Bewohner der Innenstadt“.

„Kein zwingender Bedarf“

Aus Sicht der FWG, so Peter Leisemann, Vorsitzender der Freien Wählergemeinschaft und Ortsbeirat in Auerbach, sowie Rolf Tiemann, Stadtverordneter der FWG, gibt es somit keinen absolut zwingenden Bedarf für einen weiteren Nahversorger. „Eine zusätzliche Konkurrenz mit bereits mehrfach angebotenen Produkten führt schnell zu einem Verdrängungswettbewerb mit der Gefahr weiterer Leerstände in der Innenstadt“, meint das Duo.

Die Bensheimer FWG sieht diese Bestrebungen der Koalition als „nicht durchdachte, wohlklingende und vordergründige Luftnummer“ an. Die Stadt sollte sich ihrer Meinung nach tunlichst auf „sinnvollere Belebungsstrategien“ konzentrieren. red

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