Bensheim

Liebfrauenschule Bischof Kohlgraf besuchte das Bensheimer Mädchengymnasium und den Realschulzweig

Gemeinschaft soll die Einzelnen stärken

Bensheim.Welche Aufgaben hat ein Bischof? Diese Frage beantwortete der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf so: „Vor Ort nicht über, sondern mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.“ So stand auch die Begegnung mit den Menschen an einem „normalen“ Schultag im Mittelpunkt seines Besuches.

Die LFS, ein Gymnasium mit Realschulzweig, ist eine katholische Privatschule in Trägerschaft des Bistums Mainz. Dieser Tag begann mit einem festlichen Schulgottesdienst in Sankt Georg – voll besetzt mit jungen Mädchen. Zur Begrüßung machte die Schulleiterin, Sabine Nellessen-Kohl, bewusst „dass das Bild, das beim Blick vom Chorraum ins Kirchenschiff entsteht, Zeugnis davon abgibt, dass Kirche lebt, sehr lebendig und auch sehr jung ist“.

„Ich“ steht zu sehr im Vordergrund

In der Tradition der Maria-Ward-Schwestern, die sich vor allem um die Mädchenbildung verdient gemacht haben, ist die Schule bis heute eine Mädchenschule. In seiner Predigt kritisierte Kohlgraf, dass in der heutigen Zeit das „Ich“ allzu sehr im Vordergrund stehe. Er forderte dazu auf, die heute übliche Reihenfolge „ich – du – er, sie, es“ umzudrehen in die Reihenfolge: die Gemeinschaft trägt uns und bewegt uns dazu, den anderen im Blick zu haben, um dadurch den einzelnen zu stärken. Hier würde die sonst übliche Sichtweise geradezu umgekehrt. Solidarisches Denken und Handeln stehe im Mittelpunkt.

Neben Gesprächen mit der Schulleitung und der Schulseelsorge stand die Begegnung mit Schülerinnen der Oberstufe in der Mitte des Tages. Der von Kohlgraf geäußerten Einladung, wirklich die sie bewegenden Themen anzusprechen, folgte denn eine lange Liste von Fragen zur Stellung der Frau und Fragen der Sexualität in der Katholischen Kirche, zur Eucharistiegemeinschaft und Ökumene, der Verantwortung von Kirche in politischen Konflikten und Problemen der Umweltethik. Der Mut der Schülerinnen, auch Brisantes anzusprechen, wurde durch große Offenheit und Gesprächsbereitschaft belohnt.

Zur Lage von Mädchen und jungen Frauen erklärte er: Er selbst sei neun Jahre als Schulpfarrer, davon vier Jahre in Köln an einer großen Mädchenschule mit 1700 Schülerinnen tätig gewesen. Dort habe er erlebt, was Mädchen „unter sich“ zu leisten imstande seien. Ausdrücklich ermunterte er die Schülerinnen sich Kompetenzen zu erwerben, sich auch in der Kirche an verantwortlichen Stellen zu bewerben.

Zu guter Letzt gab es am frühen Nachmittag noch die Gelegenheit zum Austausch mit dem Kollegium der Liebfrauenschule. Die Lehrer einer katholischen Kirche bewegt die Frage, wie christliche Schule heute modern interpretiert wird und wie Mädchenbildung in Zukunft aussehen kann. Dass eine solche Schule mit eigenem Profil eine Alternative zu staatlichen Schulen sein kann, hatte Sabine Nellessen-Kohl zu Beginn des Tages betont: „Von daher bin ich sehr froh, dass das Bistum Mainz als Schulbistum eine im Vergleich recht große Anzahl von kirchlichen Schulen unterhält, erhält und zu Orten des Lernens, des Wachsens macht, an denen junge Menschen sich aktiv und engagiert mit den zentralen Fragen des Lebens und der Frage nach Gott auseinandersetzen können.“

Von der lebendigen Vielfalt an Angeboten können sich jetzige Viertklässlerinnen am Freitag, 17. Januar 2020, überzeugen – und am Mitmachtag teilnehmen.

Interessierte Eltern sind zu zwei Infoabenden und gemeinsam mit ihren Töchtern zum „Schnuppertag“ am Samstag, 25. Januar, eingeladen. red

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel