Bensheim

Bürgerinitiative Märkerwaldstraße 130 Gronauer kamen zu einer Versammlung, in der die Auswirkungen der Straßensanierung diskutiert wurden

Geplante Umleitung sorgt für Aufregung

Gronau.In Gronau hat wie berichtet die Erneuerung der Märkerwaldstraße begonnen. Bislang waren in der Bürgerinitiative Märkerwaldstraße nur die von der Straßensanierung betroffenen Anlieger organisiert. Doch seitdem vergangene Woche bei einem vom Ortsbeirat zwecks Erörterung der Verkehrssituation veranstalteten Rundgang seitens des Zweckverbandes KMB mitgeteilt wurde, dass alle östlich des ersten Bauabschnittes lebenden Gronauer ab dem Winter 2020 einen Feldweg als Umleitungsstrecke benutzen sollen, vergrößerte sich die Bürgerinitiative um zahlreiche Neumitglieder.

Nachdem bereits zur letzten öffentlichen Ortsbeiratssitzung rund 70 Besucher erschienen waren, kamen nun mehr als 130 Einwohner zu einer Versammlung zusammen, die aufgrund Platzmangels vom Gastraum eines Lokals im Oberdorf in den Hof verlegt werden musste.

„Nicht zumutbar“

Die angekündigte Umleitungsführung sei nicht zumutbar, lautete der Tenor der Anwesenden. Konkret sieht der derzeitige Planungsstand eine Verkehrsführung über die Seitenstraße An den Vier Wegen und den anschließenden Hohlweg sowie den geschotterten Höhenweg in westlicher Richtung zum Schönberger Kreuz vor – und von dort über den Gemeindeverbindungsweg und die Straße Auf der Au.

Gerechnet wird mit einer Bauzeit von circa eineinhalb Jahren. Der einspurige Feldweg würde eine mehrminütige Ampelschaltung erforderlich machen. Betroffen wären alle Einwohner östlich der Baustelle in der Märkerwaldstraße und den Seitenstraßen Bärbelsgrund, Mühlkandel, Gehrenweg und An den Vier Wegen. Dort wohnhafte Bürger stellten nun Fragen wie „Muss ich mir jetzt einen Geländewagen kaufen?“ oder „Wer poliert mir die Lackschäden, wenn ich tagtäglich die Schotterpiste zu fahren habe?“

Eine Frau sagte, ihr Heizölhändler habe bereits angekündigt, sie über den Feldweg nicht beliefern zu können. Besonders sorgen sich die Bewohner des Oberdorfs um die Einhaltung der Hilfsfrist durch Feuerwehr und Rettungsdienst. Ursache für die Umleitungsführung ist laut KMB eine seit Dezember geltende Vorgabe zur Arbeitsstättensicherheit. Demnach könne der Verkehr nicht wie beabsichtigt einspurig an der Baustelle vorbeigeführt werden.

Eine vom Ortsbeirat bereits im vorletzten Sommer vorgeschlagene Behelfsstraße zwischen dem Pitzweg und der Straße An der Baumreihe in Anlehnung an die Umleitung während des Kanalbaus Mitte der 1970er Jahre war von den Entscheidungsträgern als nicht realisierbar versagt worden.

Insbesondere aufgrund befürchteter Mehrkosten bildete die Forderung nach einer Abschaffung der Straßenbeitragssatzung der Stadt Bensheim ein weiteres Thema der Versammlung. Manfred Held, Sprecher der Bürgerinitiative, warb für eine ersatzlose Streichung der Straßenbeiträge, ohne die Grundsteuer anzuheben oder jährlich wiederkehrende Beitragszahlungen einzuführen. War das Thema bislang nur durch die Baustellenanwohner diskutiert worden, wurde in der Versammlung deutlich, dass sich im gesamten Stadtteil eine Sensibilität für die von vielen als ungerecht empfundenen Straßenbeiträge zu entwickeln scheint.

Solidarität unter den Gronauern zeigte sich aber auch bei einem Aspekt, der ausschließlich die Immobilieneigentümer in den Bauabschnitten der Straßensanierung betrifft. Diese befürchten Auswirkungen auf ihre Häuser, wenn ab August metallene Spundwände eingerüttelt werden, um die bisherige Straßenstützmauer am Bachbett des parallel verlaufenden Meerbaches zu ersetzen.

Risse an Häusern befürchtet

Diese Bauweise war seitens der Bürgerinitiative und auch im Ortsbeirat stets kritisch gesehen worden. Denn viele Einheimische erinnern sich daran, dass beim Kanalbau aufwendig Granitfelsen gesprengt werden mussten. Die Anwohner befürchten deshalb Baugrundsetzungen und entsprechende Risse an ihren Häusern im Zuge der bevorstehenden Rammarbeiten. Gerade weil sich entlang der Baustelle viele denkmalgeschützte Fachwerkhäuser mit Naturstein-Grundmauern und Erdboden-Kellern befinden.

Da die Spundwand-Methode immer mit dem Argument einer Kostenersparnis favorisiert wurde, zeigten sich die Versammlungsteilnehmer nun verärgert angesichts der Aussage eines Experten, wonach eine Mauer aus Beton oder aus sogenannten L-Steinen günstiger zu bauen sei.

Ortsvorsteher Stefan Hebenstreit legte dar, welche Anstrengungen die Ortsbeiratsmitglieder in den vergangenen Monaten unternommen haben, um die Erneuerung der Märkerwaldstraße zur Zufriedenheit aller Gronauer durchzuführen. Er versprach, sämtliche Kritikpunkte an Stadtverwaltung und KMB weiterzuleiten. Ein Bewohner der Hintergasse sagte, man könne den ehrenamtlich tätigen Ortsbeiratsmitgliedern nur dankbar sein für ihr Engagement, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass das Gremium nicht die Arbeit der Planer erledigen könne. red

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