Bensheim

Bildungswerk Am 20. März Vortrag über die Bensheimer Karfreitagsprozession

Geschichte des Passionsspiels

Archivartikel

Bensheim.Alljährlich zieht die Bensheimer Karfreitagsprozession mehrere tausend Besucher an und hat sich seit seinen Anfängen zu einer festen Institution in Bensheim und ganz Südhessen entwickelt. Dass das Passionsspiel von der italienischen Gemeinde initiiert wurde, ist weithin bekannt.

Weit weniger bekannt ist indes der kulturelle Hintergrund dieses Festspiels, der die Stille des Karfreitags auf eine ganz besondere Art und Weise durchbricht und damit in Südhessen eine Ausnahmeerscheinung darstellt.

Dem Katholischen Bildungswerk Bergstraße/Odenwald ist es in diesem Jahr gelungen, Diane Dingeldein, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg in Stuttgart, als Referentin für einen Vortrag zu gewinnen. „Frau Dingeldein hat über das Bensheimer Passionsspiel an den Universitäten in Mainz und Messina ihre Doktorarbeit geschrieben und ist die führende Wissenschaftlerin auf diesem Gebiet“, freut sich Jan Turinski, der Leiter des Bildungswerks. Am Freitag, 20. März, kommt Diane Dingeldein nach Bensheim, um ab 19 Uhr im Pfarrzentrum der Pfarrei Sankt Georg über die Entstehung, die Träger, die kulturellen Verflechtungen und die Entwicklung des Bensheimer Passionsspiels in den letzten knapp 40 Jahren zu referieren. Es wird Eintritt erhoben.

Seinen Ursprung hat die Bensheimer Karfreitagsprozession im Jahr 1983. Nachdem bereits zur Weihnachtsfeier des Fußballvereins FC Italia Bensheim 1982 eine lebende Krippe große Resonanz in der Bensheimer Bevölkerung fand, begannen die Planungen für ein Passionsspiel.

Durch intensive Archivstudien in Bensheim und in Süditalien und zahlreiche Zeitzeugeninterviews konnte Dingeldein deutlich machen, dass die Bensheimer gemeinsam mit den angereisten Gästen dabei jedes Jahr „ein Stück Süditalien an der Bergstraße“ erleben dürfen.

Der Einfluss der Traditionen im Mezzogiorno auf das Bensheimer Passionsspiel sind den Studien Dingeldeins zufolge unverkennbar, in besonderer Weise prägt die in der italienischen Stadt Lauro (Kampanien) durchgeführte Karfreitagsprozession das Geschehen in der Bensheimer Innenstadt.

Gerade in Süditalien ist der Karfreitag kein still begangener Feiertag: „Wer in der Karwoche in Süditalien unterwegs ist, wird beeindruckt sein von der Vielfalt volkstümlicher Ausgestaltung der Zeit vor Ostern. In fast jeder Ortschaft finden Prozessionen und gottesdienstliche Rituale statt, die für Mitteleuropäer recht pittoresk aussehen und gar nicht in das Karfreitagsbild in Deutschland mit seinen strengen Verboten passen“, so die Referentin. Warum gerade in Bensheim der Karfreitag so „italienisch“ begangen wird, dieser Frage wird die Veranstaltung des Bildungswerks auf die Spur gehen.

Weitere Informationen zu diesem Vortrag erteilt das Katholische Bildungswerk Bergstraße/Odenwald in Heppenheim, Telefonnummer 06252/3353. red

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