Bensheim

Ausstellung Museum Bensheim zeigt Bilder von Herbert Haydin

Gewissenhaft im Detail, kühn in der Farbgebung

Bensheim.„Lassen Sie Ihr Herz schwingen, dann haben Sie etwas von der Ausstellung.“ Mit diesen Worten dankte Ingrid Haydin, Witwe des Malers Herbert Haydin, für das Zustandekommen der Verkaufsausstellung im Bensheimer Museum mit Werken ihres Mannes. Als sehr persönliche musikalische Einstimmung waren zur Vernissage am Sonntagvormittag die Gesangssolistin Anabelle Hund und als Begleitung am Klavier Christine Rahn aus Speyer gekommen. Die beiden freischaffenden Musikerinnen brachten auf Wunsch der Familie Haydin das „Lied an den Mond“ aus der Oper Rusalka von Antonín Dvoiák zu Gehör – eine Arie, die das Ehepaar Haydin gern gemeinsam hörte.

Klar, kräftig, frisch und lebendig

Die mit großer stimmlicher Brillanz vorgetragene Naturträumerei war eine gute Einstimmung auf die 36 meisterhaften Aquarelle des Künstlers. Denn in den Porträts und Blumenstillleben, vor allem aber in den Landschaftsbildern Herbert Haydins kommt eine faszinierende Doppelgleisigkeit zum Tragen, die dem abbildenden Charakter durchaus verpflichtet ist, stärker aber noch einer rein künstlerisch-atmosphärischen Komponente.

In seiner Laudatio zitierte Berthold Mäurer den im Jahr 2004 verstorbenen Kunstkritiker Horst Roland, man könne im „Motivischen eben jenen Farbklang bemerken, jene klare, kräftige, frische, lebendige Palette, die mit Licht und Farbe spannungsvolle Gefüge schafft, die genauso gut auch für sich genommen werden oder in abstrakte Kompositionen führen könnten“.

Gelungene Kompositionen

Mäurer bemerkte: „Auch die Bleistiftskizze wird zum Gestaltungselement der Arbeit und zeigt die Transparenz des Farbauftrags, der ja auch für das Aquarell wichtiges künstlerisches Wesensmerkmal ist. Farbe und Form haben eine Durchlässigkeit und verbinden sich wiederum im Fluss zu einer gelungenen Komposition.“ Mäurer gedachte Herbert Haydins als eines „Bergsträßer Künstlers, der leider zu früh gegangen ist, dessenWerk eine ganz enorme Bedeutung für die regionale und auch überregionale Kunstwelt hat und den ich als den bedeutendsten Aquarellisten der Bergstraße ansehe“.

1938 im österreichischen Graz geboren, zog Herbert Haydin in den späten 1960er Jahren nach Bensheim, wo er mit seiner Familie lebte, bis er 1992 durch einen Unfall ums Leben kam. Er war zunächst Illustrator für Industrie- und Werbezwecke, aber auch Dozent für Aquarellmalen an der Volkshochschule und schließlich ein freischaffender Künstler, der sich in der gesamten Region einen Namen machte – in Heppenheim wurde sogar eine Straße nach ihm benannt.

Werke von Herbert Haydin hängen an der Bergstraße in vielen Häusern und unter den mehr als 100 Besuchern der Vernissage gab es mehrere, die einst den Künstler mit einem Bild beauftragten und sich noch deutlich an seine Arbeitsweise erinnern können. Der Titel der Ausstellung „Unterwegs mit Farbe und Pinsel“ ist nämlich ganz wörtlich zu nehmen. Der Künstler beschränkte sich nicht darauf, seine Aquarelle nach Fotos zu malen. Er zog mit Malblock und Sitzgelegenheit direkt vor seine Motive und studierte sie mehrfach unter unterschiedlichen Lichtbedingungen. Das Vorgehen bedingt eindringliche, atmosphärisch dichte Architekturschilderungen, häufig auch wiederkehrende Motive, die in ihren Variationen ganz unterschiedliche Stimmungen schaffen. Das aber immer sehr überzeugend. „Ja, genau so kenne ich das“, denkt man bei der Betrachtung der Aquarelle von Bensheimer Mittelbrücke, Marktplatz oder Hospitalplatz.

Kann das sein?

Nur, um sich im nächsten Moment doch zu fragen, ob es nicht erst der Blick des Künstlers war, der uns etwas zeigt, was wir so vorher nie gesehen haben. Ein winterlich romantischer Marktplatz ganz ohne Weihnachtsmarktbuden kann das sein, oder ein Blick auf die harmonisch wirkende Ostseite des Marktplatzes mit dem Haus am Markt im Mittelpunkt. Dabei gab Haydin ganz gewissenhaft Fachwerk und andere Details wieder. Zugleich aber scheute er nicht vor kühnen Farben oder nicht gegenständlichen Formelementen zurück, die sich jedoch der Gesamtkomposition unterordnen und ganz dezent für die große Eindringlichkeit seiner Bilder sorgen.

Bürgermeister Rolf Richter nutzte seine Begrüßungsrede unter anderem für den Hinweis auf insgesamt sieben Sonderausstellungen mit regionalen, nationalen und internationalen Künstlern, die das Museum dieses Jahr präsentieren werde. Er berichtete auch vom aktuellen Umbau, der den Ausstellungen künftig mehr Raum geben wird und durch die Verlegung des Sonderausstellungsraums ins Untergeschoss auch ermöglichen wird, im Sommer das romantische Außengelände einzubeziehen.

„Herbert Haydin – unterwegs mit Farbe und Pinsel“ dauert noch bis zum 3. März, das Museum ist donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

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