Bensheim

Bürgerfest Der Einhäuser Rathauschef übernahm gestern Abend den Fassbieranstich

Glanzner glänzte als Ehrengast am Fass

Archivartikel

Bensheim.Die Hoffnung auf ein bisschen Spektakel zur Eröffnung des Bürgerfestes am Donnerstagabend zerschlug sich schnell, als Helmut Glanzner zum Hammer beim Fassbieranstich griff. Der Einhäuser Bürgermeister und ehemalige Teamleiter im Bensheimer Rathaus hat als Fußballer ein Händchen für den korrekten Umgang mit Flüssigem.

Entsprechend humorlos (aus Sicht des Publikums) beziehungsweise zielstrebig (aus Glanzners Blickwinkel) klöppelte er den Zapfhahn in die Öffnung. Ein Schlag, Herausforderung bestanden, Applaus und Feierabend in offizieller Mission. Aufgeregt sei er ohnehin nicht gewesen, bekundete Glanzner, der zudem moralische Unterstützung von seiner Frau Gerlinde, einer Bensheimerin, bekam. „Zwei Sachen kannst Du gut: Fußball spielen und Fassbier anschlagen“, gab sie ihm mit auf den Weg, berichtete der Ehrengast.

Wer auf spritzige Gerstensaft-Geysire, zerdepperte Krüge oder fliegende Hammer gehofft hatte, muss sich zwar auf nächstes Jahr vertrösten lassen, bekam aber dennoch eine kurzweilige Auftaktzeremonie serviert. Die Bürgerwehr und der Spielmannszug Oald Bensem sorgten unter der Leitung von Kommandant Werner Rödel für die akustische Untermalung – mal harmonisch (Spielmannszug), mal mit Knalleffekt (Bürgerwehr).

Im Mittelpunkt stand neben dem hammerschwingenden Verwaltungsleiter die Krönung der Blütenkönigin Linda Engelhard, die seit einem Jahr in Bürstadt wohnt, eigentlich aber aus Rheinhessen stammt. Sie bekam die Krone, gefertigt und dem AC Bensheim gestiftet von Goldschmied Fritz Dorsheimer, von der Bergsträßer Weinkönigin Jessica Lehmann aufs Haupt gesetzt. Engelhards Vorgängerin Sophia Rhein blieb dem Termin fern.

„Ich freue mich, dass der AC Bensheim mich ausgewählt hat und hoffe, dass ich dem Amt gerecht werde“, erklärte die Hoheit. Mit Bensheim habe sie zwar nicht wirklich viel zu tun gehabt bisher, aber die Stadt sei schön und eine gewisse Nähe zum Wein kann man ihr als Rheinhessin ebenfalls nicht absprechen. Außerdem habe sie im vergangenen Jahr bereits das Winzerfest und den Weihnachtsmarkt besucht – was ihr ein paar Bonuspunkte eingebracht haben dürfte, nachdem das lokalpatriotistisch geprägte Publikum bei ihren Eingangsworten schon zu murren begann.

Bürgermeister Rolf Richter nahm die Herkunft seiner neuen Botschafterin gewohnt locker. „Wir Bensheimer integrieren einfach alles“, kommentierte er. Der Rathauschef dankte ebenso wie der stellvertretende Vorsitzende des ausrichtenden Verkehrsvereins, Chris Roth, allen Helfern, Vereinen, Rettungsdiensten wie dem DRK für ihr Engagement und vor allem den Anliegern für ihr Verständnis und ihre Geduld.

Weinkönigin Jessica Lehmann lobte das Bürgerfest nicht nur als Fest für die Bürger, sondern auch für die Vereine und Nationen. Das spiegele das Programm sehr gut wider. Armin Stiller, zweiter Vorsitzender des AC Bensheim, begleitete die Blütenkönigin zu ihrem Auftritt. „Es ist nicht ganz einfach, aber bisher haben wir immer jemanden gefunden, der des Amtes würdig ist“, unterstrich er die Bemühungen seines Clubs.

Des Amtes mehr als würdig präsentiert sich seit Jahrzehnten Doris Walter in ihrer Paraderolle als Fraa vun Bensem. „Vereine werden in Bensheim sehr geschätzt, mit ihnen geht es in der Gemeinschaft voran. Veranstaltungen wie das Bürgerfest stärken dabei den Gemeinschaftssinn“, bemerkte die Traditionsfigur von Oald Bensem. Beim Bürgerfest sei für jeden etwas dabei, man könne feiern, lachen, fröhlich sein – aber müsse zu später Stunde auch Rücksicht auf die Anwohner nehmen.

Angetan von seiner Nominierung als Hammerschwinger zeigte sich Helmut Glanzner. Es sei fast ein Heimspiel hier, er fühle sich umringt von den Hoheiten ohnehin wie bei der Einhäuser Kerb. Das wollten die Bensheimer so nicht zwingend hören, weshalb Glanzner staatsmännisch nachschob, dass Bensheim die „schönste Stadt im Kreis“ sei, neben Einhausen als „schönster Gemeinde“. Abend gerettet.

Bürgermeister Richter hatte ihn zuvor angekündigt als „Mann, der Zeit und Kraft hat, uns zu helfen“, obwohl sich in Einhausen alles um die 1250-Jahr-Feierlichkeiten dreht.

Info: Fotostrecke im Internet unter www.bergstraesser-anzeiger.de

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