Bensheim

Neujahrskonzert Collegium Musicum Bergstraße mit exzellenten Gesangssolisten im Bensheimer Parktheater

Glanzstücke aus Film und Operette

Archivartikel

Bensheim.Auftakt mit einer besonderen Mischung: Exquisit zusammengestellte Höhepunkte aus Film und Operette servierte das Collegium Musicum Bergstraße am Sonntag bei seinem traditionellen Neujahrskonzert den über 400 Besuchern im Parktheater. Als Solisten hatte Dirigent Bart Berzonsky zwei alte Bekannte vom Staatstheater Darmstadt verpflichtet:

Margaret Rose Koenn (Sopran) war dort bis 2014 im Ensemble, Jaroslaw Kwasniewski (Tenor) ist seit 2013 Mitglied des Opernchores. Zu den Darmstädter Paraderollen der gebürtigen Amerikanerin zählten neben der Königin der Nacht Lucia di Lammermoor, Gilda (Rigoletto), Musetta (Bohème), Sophie (Rosenkavalier) und Adele (Fledermaus).

Das Bensheimer Publikum dürfte Koenn noch vom Broadway-Neujahrskonzert 2018 in bester Erinnerung gehabt haben. Diesmal präsentierte sie sich mit federleichten Sopranhöhen und wunderbar kokettem Charme als geradezu ideale Operettensängerin: „Ich bin die Christel von der Post“ aus Carl Zellers „Vogelhändler“ und „Spiel ich die Unschuld vom Lande“ aus Johann Strauß‘ „Fledermaus“ bescherten so reinstes Hörvergnügen. Kwasniewskis kraftvolle Tenorstimme bewährte sich in den stilsicher ausgekosteten Repertoirehits „Als flotter Geist“ (Strauß‘ „Zigeunerbaron“), „Dein ist mein ganzes Herz“ (Lehárs „Land des Lächelns“) und „Wolgalied“ (Lehárs „Zarewitsch“).

Famos aufgelegtes Orchester

Gute Operettenlaune herrschte auch beim famos aufgelegten Orchester. Davon zeugte die hellwache Begleitung der Solonummern ebenso wie der knackige Eröffnungsauftritt mit der farbenreichen Strauß-Ouvertüre zu „Das Spitzentuch der Königin“ (schwelgerisches „Rosen aus dem Süden“-Zitat inklusive). Jacques Offenbach (200. Geburtstag 2019) durfte in diesem Programm natürlich nicht fehlen: Die zündend schmissige Ouvertüre und das besonders delikate Sopran-Tenor-Duett „Ce n’est qu’un rêve“ aus „Die schöne Helena“ waren als Auftaktstücke der zweiten Konzerthälfte perfekt gewählt. Berzonsky, Koenn, Kwasniewski und das Collegium Musicum Bergstraße lieferten eine feine kleine Hommage an den Meister der Pariser „Opéra bouffe“.

Die wahrhaft erlesene Filmmusik-Kollektion dieses Abends wurde für alle Fans des selten so liebevoll und ausgiebig gewürdigten Genres zum unvergesslichen Erlebnis. Das begann schon im ersten Teil mit dem oscarprämierten „Der Pate“-Melos des Fellini-Freundes Nino Rota und den majestätischen „Jurassic Park“-Klängen des inzwischen auf konkurrenzlose 52 (!) Oscar-Nominierungen (darunter fünf Auszeichnungen) zurückblickenden Hollywood-Veteranen John Williams, der auch heuer für „Star Wars: The Rise of Skywalker“ wieder nominiert ist.

Brillant instrumentiert

„The Sound of Morricone“ folgte nach der Pause in einem brillant instrumentierten Medley des Lorscher Komponisten Christoph Schöpsdau (Jahrgang 1970). Der herrlich lustvoll musizierte Ohrwurmreigen reichte vom Romy Schneider-Film „La Califfa“ und Südamerika-Epos „Mission“ (Hauptthema „Gabriel’s Oboe“) bis hin zu den Western-Klassikern „Für ein paar Dollar mehr“, „Spiel mir das Lied vom Tod“ (mit Sopransolo) und „Mein Name ist Nobody“ (mit schier bigband-mäßig swingendem Finale). Oboe, Blockflöte, Piccolo und E-Gitarre sorgten hier für besonderes Kolorit.

Prächtig klang auch Schöpsdaus Arrangement von James Horners oscargekröntem „Titanic“-Song „My Heart Will Go On“, den Margaret Rose Koenn mit großer lyrischer Intensität zu einem echten Juwel veredelte. Dass die Sopranistin bei diesem Konzert ihr Filmmusik-Debüt feierte, machte die Sache erst recht rund.

Als attraktive Rarität hatte das Orchester zudem Ralph Vaughan Williams‘ hymnische Titelmusik zum 1941 entstandenen Laurence Olivier-Film „The 49th Parallel“ im Gepäck – übrigens die allererste einschlägige Arbeit des damals fast siebzigjährigen englischen Sinfonikers, den der Vorspann sogar direkt nach den Hauptdarstellern aufführte.

Am Ende des Abends stand mit John Williams‘ ebenfalls oscarprämiertem Soundtrack zu „Star Wars“ der wohl berühmteste moderne Reißer der Gattung, der das Collegium Musicum Bergstraße erneut in Höchstform zeigte. Verdiente Ovationen nach satten zweieinhalb Stunden Programm, Reprisen von „Ce n’est qu’un rêve“ und „Star Wars“ als Zugaben.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel