Bensheim

Kommunalpolitik Waltrud Ottiger und Angelika Köster-Loßack treten aus der Wählergemeinschaft aus

GLB verliert zwei Mandatsträger

Archivartikel

Bensheim.Das Rumoren innerhalb der Grünen Liste zieht personelle Konsequenzen nach sich: Mit Waltrud Ottiger und Angelika Köster-Loßack verlassen zwei profilierte und gut vernetzte Kommualpolitikerinnen die Wählergemeinschaft. Ihren Entschluss teilten die beiden in einem Gespräch mit dieser Zeitung am Freitag mit.

„Ich brauche nicht den Kampf nach außen, aber zuletzt bei der Mitgliederversammlung wurden Beschlüsse gefasst, die ich nicht mittragen kann“, erklärte Ottiger. Dies sei der berühmte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Wobei es ihrer Ansicht nach schon seit der letzten Kommunalwahl 2016 immer wieder Schwierigkeiten in der Fraktion gebe. Deshalb habe sie intern den Konflikt auch nicht gescheut – zu einer Verbesserung aus ihrer Sicht habe es nicht geführt.

Keine leichte Entscheidung

Ihr Mandat für die Stadtverordnetenversammlung wird sie nicht zurückgeben. Ob sie als Fraktionslose ihren Sitz behalte oder sich einer anderen Fraktion anschließt, müsse sie nun abwägen. Ottiger engagiert sich seit 1995 für die Wählergemeinschaft. Mit einer Unterbrechung von wenigen Monaten ist sie seitdem im Stadtparlament aktiv, von 2006 bis 2011 war sie ehrenamtliche Stadträtin für die GLB.

Einen Schlussstrich unter dieses lange Kapitel zu ziehen, fällt der Vorsitzenden des Freundeskreises Amersham nicht leicht. Sie könne sich aber mit der Arbeitsweise von Vorstand und Fraktion nicht mehr identifizieren. „Es gefällt mir nicht, wie das alles läuft. Da wird zu viel hintenrum gearbeitet.“

Als jüngstes Beispiel nannte Ottiger die Mitgliederversammlung vor ein paar Tagen, bei der sie nicht zugegen war. Das Thema Bürgermeisterkandidat habe nicht auf der Tagesordnung gestanden, auch im Nachhinein habe es keine Information gegeben. Den Beschluss, über die Kreis-Grünen einen Bewerber zu stellen, könne sie nicht unterstützen. „Das beschädigt Personen.“

„Absolut unsäglich“

Angelika Köster-Loßack sieht das genauso. Es sei „absolut unsäglich“, dass es über diesen Beschluss im Vorfeld keine Information gab. Man setze die Koalition aufs Spiel und nehme eine „Beschädigung“ von Stadtrat Adil Oyan in Kauf. Das sei respektlos und mit Blick auf die Erfolge der GLB und die weiteren Ziele eine politische Fahrlässigkeit. Dass die Kreisgrünen nun einen Kandidaten ins Rennen schicken sollen, nannte sie ein „durchsichtiges Manöver“. Sie glaube nicht, dass die Koalitionspartner dies so einfach akzeptieren würden. Trotzdem allem hofft Angelika Köster-Loßack, deren Schwiegereltern die Grüne Liste mitgründet haben und die seit 1990 Mitglied der Grünen ist, dass unabhängig von einer Entscheidung der Koalitionspartner sich die GLB in den nächsten Monaten so aufstellt, dass eine sachorientierte Politik möglich sein wird.

Wie Waltrud Ottiger behält Köster-Loßack ihr politisches Mandat und bleibt im Ortbeirat Mitte – „nicht für die GLB, sondern als Bürgerin der Stadt“. Ihr Austritt beschränkt sich zudem nur auf die Grüne Liste Bensheim, im Kreisverband Bergstraße will sie weiterhin bleiben – oder zurück in den früheren Heidelberger Kreisverband kehren. Das habe sie nicht abschließend entschieden.

Im Gespräch bedauern beide die Entwicklungen in der vergangenen Zeit. Es habe viele Schlichtungsbemühungen gegeben, im Streit wollte man sich nicht trennen. „Uns fällt der Schritt nicht leicht, aber wir haben keine andere Möglichkeit mehr gesehen.“ dr

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