Bensheim

Riva-Verein Interessanter Vortrag beim Freundeskreis

Goethes erste italienische Reise

Bensheim.Die beinahe zweijährige Reise des deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) nach Italien hat dieses Land dauerhaft zu einem Sehnsuchtsort aller Deutschen gemacht. So betrachtet, berührt Goethes Reise von 1786-88 die Fundamente des Freundeskreises Bensheim-Riva nicht unerheblich.

Dieser Umstand, in Verbindung damit, dass es dem Verein gelungen war, mit Prof. Albert Meier, Emeritus der Christian-Albrechts-Universität Kiel, einen hochrenommierten Literaturwissenschaftler als Referenten gewonnen zu haben, führten zu großer Zuhörerresonanz. Meier war Mitherausgeber des Goethe-Jahrbuchs,´ Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und des Zentrums für Klassikforschung sowie Vorstandsmitglied der Goethe-Gesellschaft in Weimar.

Erster Anlauf bis zum Gotthard

Goethe hat Italien schon früh kennengelernt. Bereits sein Vater Johann Casper, gut betucht mit protestantischem Hintergrund, gönnte sich eine achtmonatige italienische Bildungsreise, die er in einer ausführlichen Reisebeschreibung als glückliche Zeit zusammenfasste. Goethes erster Anlauf, Italien zu erreichen, endete im Sommer 1775 auf dem Gotthard-Pass und der Rückkehr nach Frankfurt, ehe ihn ein Ruf nach Weimar verschlug.

Obwohl in viele politische Händel involviert, bewährte er sich als Politiker. Zudem entwickelte sich eine Beziehung zu der älteren, mehrfachen Mutter Charlotte von Stein, die für Goethe zu einer wichtigen Bezugsperson wurde. Das Verhältnis zu Charlotte wirkte sich im Laufe der Zeit jedoch so belastend aus, dass es in Verbindung mit der Erkenntnis, seit rund zehn Jahren dichterisch wenig zum Abschluss gebracht zu haben, zu der Entscheidung führte, den alten Traum vom Sehnsuchtsland Italien zu realisieren.

Ende Juli 1786 reiste Goethe ohne Abschied inkognito als Maler Johann Philipp Möller ab. Seine Tagebuchaufzeichnungen brechen bald ab, um rund 30 Jahre später zusammen mit den Briefen als „Italienische Reise“ verfasst zu werden.

Goethe erlebte als Deutscher Italien als eine Gegenwelt, in der er lebendig wird und zu sich selber kommt. Italien ist für ihn ein Sanatorium, in dem er sich von den physisch moralischen Übeln heilen kann, die ihn im prosaischen Alltagsleben in Deutschland quälen. Goethe sucht die Schönheit der Renaissance und ist begeistert vom Anblick des Teatro Olimpico und der Villa Rotonda in Vicenza. Beim Anblick des Minerva-Tempels in Assisi stellt er fest, dass das, was sich durch die korinthische Schönheit in ihm entwickle, nicht auszusprechen sei und ewige Früchte bringen werden.

Nach Rom zurückgekehrt, im Kreise deutscher Freunde und durch das Leben in einer Künstlergemeinschaft blühte Goethe auf. So fand er zu sich selbst und ihm wurde klar, dass er zur Dichtkunst geboren sei. Er identifizierte sich selbst: „Als Dichter bin ich Künstler.“

So endete ein Vortrag, der tiefe Einblicke in das Leben und die Psyche des Dichters gab. Pina Kittel, Vorsitzende des Riva-Vereins, dankte dem Referenten und Ilga Vis für die Organisation. Ihr besonderer Dank galt der Bensheimer Michaelsgemeinde, die kurzfristig die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte. Peter J. Zeyer

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