Bensheim

PiPaPo-Theater Original Blütenweg Jazzer eröffnen Jazz-Saison im neuen Jahr

Gut gelaunt und tiefenentspannt

Archivartikel

Bensheim.Vier Jahrzehnte Bandgeschichte und fast 2000 Auftritte mit über 100 Musikern: So viel ganz knapp zur Biografie. Im Oktober haben die Original Blütenweg-Jazzer ihr rundes Jubiläum im Parktheater gefeiert. Die CD „40 Jahre Jazz live“ wurde beim Internationalen Jazz Festival 2018 in Speyer mitgeschnitten. Dass die Formation um Bruno Weis auch und gerade in einem intimeren Rahmen ihre Stärken ausspielen kann, wurde beim ersten Konzert des Bensheimer Jazzkellers im neuen Jahr überdeutlich.

Auffällig verspielt, gut gelaunt und durchweg tiefenentspannt präsentierten sich die Musiker im vollen PiPaPo-Theater, wo am Sonntag keineswegs nur dezent gereifte Zuhörer ihre Plätze einnahmen, wie es bei Dixieland- und Oldtime-Jazz eher die Regel als die Ausnahme ist. Auch einige junge Gäste beklatschten das gut zweistündige Konzert aus zwei knackigen Sets mit fast zwei Dutzend Songs, das mit einem flotten Rock`n`Roll-Arrangement ins Finale ging. Mit „Blueberry Hill“, einem vitalen „Sweet Little Sixteen“ und dem Stimmungsmacher „Johnny B. Goode“ machte die Band dem Publikum regelrecht Beine. Im Thekenbereich wurde, soweit es der Platz erlaubt hat, paarweise mitgetanzt.

Dem Markenkern treu

Der Einmarsch folgte wie immer der „Bourbon Street Parade“, das klangliche Erkennungsmerkmal der Truppe, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 1979 immer wieder ein wenig gehäutet hat, ohne ihren stilistischen Kern aus den Augen zu verlieren: Fröhlicher Dixieland, tanzbarer Swing und verjazzte Schlager dominieren das umfangreiche Repertoire. Die ursprünglich rein aus begeisterten Amateurmusikern bestehende Band hat sich über die Jahre zunehmend professionalisiert. Dass man sich regelmäßig mit hervorragenden Instrumentalisten umgibt, schenkt dem typischen Sound neue Facetten und Impulse. Vielleicht ist das der Grund, warum die OBJ nicht müde werden.

Im Jazzkeller haben Schlagzeuger Hans-Jürgen Götz aus Lampertheim und der Darmstädter Jazzer, Chorleiter und Arrangeur Norbert Hanf (Klarinette, Saxophon) die Stammmannschaft begleitet. Vor allem Hanfs Soli und musikalische Dialoge mit Hubert Ensinger an Kornett und Flügelhorn haben immer wieder für Szenenapplaus gesorgt. Ensinger hat längst auch den gesanglichen Part der Jazzer übernommen, in denen neben Bruno Weis am sechssaitigen Gitarrenbanjo und Waschbrett nach wie vor die Veteranen aktiv sind: Günter Flassak am E-Bass, Rainer Dorstewitz am Tenorbanjo und Peter Glenewinkel an der Posaune. Pianist Dieter Kordes flankiert das Frontgebläse mit perlenden Tastenläufen und einem chronischen Groove in den Fingern. Mit dem „Basin Street Blues“ und Standards wie Sidney Bechets „Petite Fleur“ ging es munter durch das erste Set, angereichert durch amüsante Arrangements von „Geld ist nicht wichtig, aber scheen musse sein“ mit einer emotionalen Klezmer-Attitüde und dem korrespondierenden „Bei mir biste scheen“, eine Hommage an den Sinti-Musiker und Stargeiger Schnuckenack Reinhardt, mit dem die Band vor 20 Jahren zusammengearbeitet hatte. Nach einem famosen Duell zwischen Ensinger und Hanf bei „Some Of These Days“ und einem „volkstümliche“ Ausklang von „Ice Cream“ als augenzwinkernden Taktbruch ging es in die Pause.

Das Publikum aufgemischt

Danach mischte Hans-Jürgen Götz zu „Avalon“ das Publikum auf: Der Drummer steppte mit Waschbrett-Schlips durch die Reihen und nutzte sogar Weingläser als perkussive Klangkörper. Mit dem „Tin Roof Blues“ wurde es zunächst etwas leiser, bevor auf der „Route 66“ Richtung Kalifornien und im Harem des „Sheik Of Araby“ (mit Ellingtons „Caravan“ als erregendes Vorspiel) wieder das Gaspedal voll durchgedrückt wurde. Neue Klänge offenbarten die Jazzer bei „Take Me Home, Country Roads“, das - ganz selten - vollständig ohne Blech dargeboten wurde. Mit „What A Wonderful World“ verabschiedeten sich die Musiker aus dem Jazzkeller. Der Song ist nochmal gut zehn Jahre alter als die Band. Aber ähnlich zeitlos.

Organisiert wird der Bensheimer Jazzkeller vom Förderkreis Kleinkunst & Kultur.

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