Bensheim

Geschotterte Vorgärten

Hausbesitzer tragen zur Hitze in der Stadt bei

Archivartikel

Es ist nicht nur der „helle Wahnsinn“, wie unsere Nächte übertrieben beleuchtet werden. Es ist auch der helle Wahnsinn, wie etliche Hausbesitzer dazu beitragen, dass die Hitze sich in den Städten während heißer Tage noch weiter erhöht.

Während sich Wissenschaftler schon längere Zeit Gedanken darüber machen, wie man der durch den Klimawandel bedingten zeitweiligen Überhitzung der Städte durch mehr Begrünung der Innenstädte Einhalt gebieten könnte, lassen viele Hausbesitzer heute ihre Vorgärten einfach schottern oder bekiesen.

Weil es derzeit erstens ein Modetrend ist und zweitens, weil man der falschen Ansicht ist, die Vorgärten wären dadurch wesentlich pflegeleichter. Letzteres ist aber ein Irrtum, wie längerfristige Beobachtungen und Erfahrungen zeigen.

Schädlicher Modetrend

Nicht nur, dass durch eine solche Verschotterung oder Bekiesung vielen Insekten, Vögeln und Kleinlebewesen Lebensraum und Nahrungs-Quellen genommen werden. Diese geschotterten und bekiesten Gartenflächen tragen – in der Summe aller dieser Flächen, die innerhalb einer Stadt so geschottert oder gekiest werden – auch sehr stark zu einer sich noch weiter verstärkenden Überhitzung der Städte bei, zumal sich dieser schädliche Modetrend immer mehr verstärkt.

Eigentlich sollte bekannt sein, dass Sonneneinstrahlung (und damit Wärme) durch Steine und Beton wieder zurückgeworfen (abgestrahlt) und nicht resorbiert (also geschluckt) wird, so wie das bei offenem Boden (zum Beispiel bei einfachen Rasenflächen) der Fall ist.

Es reicht also schon aus, seinen Vorgarten als pflegeleichte Grünfläche (Rasen) zu belassen, um diese Hitzeabstrahlungen verhindern zu können.

Aber leider gehen sehr viele Hausbesitzer einen anderen Weg. Sie entfernen in den Vorgärten noch vorhandene Schatten spendende Bäume, die zuvor Sonneneinstrahlung abgemildert hatten, und sie schottern oder bekiesen zusätzlich noch ihre Vorgärten, wenn sie sie nicht sogar pflastern oder betonieren – oft als Parkflächen genutzt.

Diese Vorgehensweise führt aber in der Summe solcher Flächen in einer Stadt dazu, dass Innenstädte sich an heißen Tagen noch mehr aufheizen, als das normalerweise der Fall wäre. Ein solches Verhalten bezeichne ich als wahnsinnig.

Auch die Besitzer größerer Fachmärkte gehen seit einiger Zeit leider diesen Weg, wie man nicht nur an den Parkplätzen größerer Fachmärkte in Bensheim sehen kann. Trotz ihrer sehr lobenswerten Bemühungen um die Insektenwelt (Stichwort: Blühstreifen) ist auch die Stadt Bensheim diesem neuen Trend – vor allem wohl aus Gründen der Reduzierung von Arbeitsplätzen – gefolgt und hat zwischenzeitlich leider auch einige Flächen schottern oder bekiesen lassen. Das ist kein gutes Vorbild für private Grundstücksbesitzer.

Muss es erst so weit kommen, dass künftig noch viel mehr Menschen aufgrund übermäßiger Hitze in Krankenhäuser eingeliefert werden müssen? Können Menschen nicht auch einmal klug handeln, bevor Schäden eingetreten sind? Es scheint so, dass das sehr häufig leider nicht der Fall ist. Es braucht bei den Menschen leider wohl immer erst eine Katastrophe, bevor er sein Verhalten verändert.

Wie soll der globale Klima-Wandel gestoppt werden, wenn nicht einmal der Einzelne dazu bereit ist, seinen Teil beizutragen?

Willy Helm

Bensheim

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