Bensheim

Stadtgeschichte Neue Mitteilungen des Museumsvereins erschienen

Heirat mit reicher Witwe war für Jakob Werle ein Glücksfall

Archivartikel

Bensheim.Die neuen „Mitteilungen“ des Museumsvereins Bensheims sind erschienen. In zwei genealogischen Beiträgen beschäftigt sich Claudia Sosniak sehr akribisch mit den Familien des ehemaligen Bürgermeisters Jakob Werle und des Kammfabrikanten Isaac Knoller.

Die Familie Werle kommt aus Heppenheim, wo sie bereits 1660 aus Unterwittighausen in der Nähe von Tauberbischofsheim stammend nachweisbar ist. Johannes Werle betrieb im 18. Jahrhundert die dortige Posthalterei, weitere Familienmitglieder bekleideten die Ämter des Kirchenrechners, Stadtrats und Stadtleutnants oder betrieben das Gasthaus „Zum Goldenen Engel“. Die Benennung der Werlestraße würdigt die Verdienste dieser Familie in Heppenheim.

Im Januar 1817 erfolgte die Bürgeraufnahme des Kaufmanns Jakob Werle in Bensheim. Durch die Heirat mit der „reichen Witwe“ Agnes Bitton gehörte er zu den gut situierten Bürgern, er besaß vier Häuser in der Altstadt. Der Höhepunkt seiner Karriere war 1825 die Wahl zum Bürgermeister. Allerdings verlor er das Amt 1837 nach einem Verfahren wegen Amtsmissbrauchs und Verurteilung zu einer sechswöchigen Gefängnisstrafe.

Ungeachtet dessen eröffnete Jakob Werle bereits im April 1837 in seinem Haus am Marktplatz 2 eine Postexpedition, nachdem ihm vom Leiter der privaten Thurn-und-Taxis-Post, Maximilian Karl von Thurn und Taxis, die Dienstgeschäfte übertragen wurden.

1852 geriet Jakob Werle wieder mit dem Gesetz in Konflikt, da er Angaben zu seinem Vermögen gefälscht hatte. Er wurde zu acht Tagen Gefängnis verurteilt, wogegen er eine „Richtigkeitsbeschwerde“ einlegte. Ein endgültiges Urteil wurde am 12. Juli 1852 erlassen, da war Jakob allerdings schon fast drei Monate tot.

Die Überlassung von etwa 100 Zierkämmen an das Museum Bensheim war Anlass, sich eingehender mit dem Kaufmann Isaak Knoller, seiner Familie und seiner „Hessischen Kammfabrik GmbH“ zu beschäftigen.

Knoller meldete sich 1919 von Berlin nach Bensheim um. Das Unternehmen existierte von 1919 bis 1925. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten floh die weit verzweigte Familie in die Niederlande, bevor sie 1947 noch vor der Gründung des Staates Israel nach „Palästina“ übersiedelte.

Im zweiten Teil der Bensheimer Glockengeschichte behandelt Rudolf Schmitt die westlichen Stadtteile sowie Auerbach, Schönberg und Gronau. Der reich illustrierte Beitrag benennt jede einzelne Glocke und geht zum Teil auch auf verschwundene, zerstörte oder verkaufte Exemplare ein.

Der aus Bensheim stammende Pfarrer Dr. Ludwig Hellriegel und seine Forschungen zum Judentum sind Gegenstand eines Beitrags von Franz Josef Schäfer. Der 1932 geborenen Hellriegel hat nach einer handwerklichen Ausbildung und Auswanderung in die USA Theologie studiert und wurde 1962 zum Priester geweiht. I n Schäfers Aufsatz wird insbesondere die Entstehung seines frühen Werks „Geschichte der Bensheimer Juden“ dargelegt. red

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel