Bensheim

Stadtkirche Ulrich Späh rezitiert am 24. Mai Joachim Ringelnatz

Heitere Lyrik in Sankt Georg

Bensheim.In Heppenheim und im vorderen Odenwald ist er kein Unbekannter: Dort hat er sich längst einen Namen gemacht als Heppenheimer Rezitator und dabei die Binsenweisheit ad absurdum geführt, wonach der Prophet im eigenen Lande nichts gilt. Jetzt schickt er sich auch an, Bensheim zu erobern: Ulrich Späh.

Die vielen Anfragen bestätigen ihm, dass seine Fan-Gemeinde geradezu darauf brennt, die „Heitere Lyrik“, der er sich verschrieben hat, zu hören. Am Freitag, 24. Mai, ab 20 Uhr, gastiert Ulrich Späh in der Bensheimer Stadtkirche Sankt Georg, und dann widmet er sich ausschließlich Joachim Ringelnatz unter dem Motto „Ich bin etwas schief ins Leben gebaut“. Gastgeber sind die Kirche mit Pfarrer Thomas Catta und die Leiterin des Sankt Albertus-Kindergartens, Monika Hess.

Musikalisch umrahmt wird der Abend von Karl-Ernst Stief (Erbach) auf dem Akkordeon. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. In der Pause werden in der Kirche auch Getränke gereicht.

Skurrile Verse und groteske Balladen über den Seemann „KuttelDaddeldu“ machten Joachim Ringelnatz (1883-1934) unvergessen. Aus Auftritten als Bänkelsänger im Matrosenanzug oder Briefen an seine „Muschelkalk“ genannte Frau Leonharda (1898-1977) stammen Lebensweisheiten wie: „Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht“ oder „Die Leute sagen immer: Die Zeiten werden schlimmer. Die Zeiten bleiben immer. Die Leute werden schlimmer.“

Wie kam es zur heiteren Lyrik bei Ulrich Späh? Das fing schon in der Schulzeit an, erzählt er. Einer seiner Lehrer versorgte die Klasse jeden Tag mit einem kleinen Ringelnatz- Vers. Dem jungen Ulrich Späh gefielen die kleinen Gedichte, er kaufte sich 1959 das erste Ringelnatz-Gedichtbuch, das er heute noch in Ehren hält.

Ulrich Späh, im Berufsleben Ingenieur, Kapitänleutnant und U-Boot-Kommandant, trug während der Marinezeit seinen Crew-Kameraden vor, das Repertoire wuchs enorm an, und es kamen neben dem bereits erwähnten Ringelnatz noch Christian Morgenstern, Eugen Roth, Heinz Erhardt, Wilhelm Busch und zuletzt Robert Gernhardt hinzu. Aber erst nach seiner Pensionierung im Jahr 2004 wurde dieses Hobby intensiviert und gepflegt. Aus anfänglich privaten Auftritten gestaltet Späh längst ganze Abende in Büchereien. Er trat im Ringelnatz-Museum in Cuxhaven auf, in Konstanz, in Kassel, im Saarland, ohne die kleineren und größeren Engagements im Kreis Bergstraße.

Und wie lernt er die Gedichte auswendig? „Ganz einfach“, sagt er, „ich schreibe die Gedichte ab und lerne sie dann – nie zu Hause – bei Spaziergängen durch die Weinberge zwischen Heppenheim und Bensheim, Zeile für Zeile, bis sie sitzen.“ mül

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