Bensheim

Bensheimer Orgelwochen Finale mit dem renommierten Frankfurter Organisten Martin Lücker

Herzensstücke atemberaubend umgesetzt

Archivartikel

Bensheim.Auf eine Wiederbegegnung mit dem bekannten Frankfurter Organisten Martin Lücker haben die hiesigen Fans der „Königin der Instrumente“ lange warten müssen. Umso willkommener erschien sein aktuelles Konzert zum Abschluss der 21. Bensheimer Orgelwochen, das den Zuhörern in der Michaelskirche eine feine Kollektion persönlicher Favoriten aus vier Jahrhunderten deutscher Orgelmusikgeschichte bot.

Der aus Westfalen stammende Mittsechziger ist in Frankfurt nicht nur wegen seines verdienstvollen Wirkens als Professor für „künstlerisches Orgelspiel und Methodik/ Didaktik des Orgelunterrichtes“ (1998 bis 2016) eine echte Institution. Geradezu einzigartig ist seine seit 1983 zweimal wöchentlich in der Katharinenkirche veranstaltete Reihe „30 Minuten Orgelmusik“, die kürzlich ihr 3500. Konzert feiern konnte.

Wie in dieser Reihe bildeten auch bei Lückers zweitem Bensheimer Gastspiel Werke von Johann Sebastian Bach, Dietrich Buxtehude und Max Reger den Schwerpunkt des Programms. Regers Toccata und Fuge a-moll opus 80/11 und 12 (1904) zeigten den oft nur als Bombast-Spezialisten wahrgenommenen Spätromantiker als ungemein zugänglichen Meister der kleinen Form.

Bachs singulärer Miniaturenkunst widmete sich Lücker in den wunderbar luzide tönenden Orgelbüchlein-Chorälen „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“ BWV 639, „In dich hab ich gehoffet, Herr“ BWV 640 und „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ BWV 641. Eine entdeckenswerte Rarität folgte mit der 1986 entstandenen Passacaglia über „Verleih‘ uns Frieden gnädiglich“ opus 127 des kaum mehr bekannten Frankfurter Komponisten Kurt Hessenberg (1908-1994). Lückers Gespür für die eher maßvolle und herbe Expressivität dieser sehr individuell an barocke Vorbilder anknüpfenden Musik hinterließ großen Eindruck.

Von solchen Fundstücken hätte man sich gerne noch einige mehr gewünscht. Doch auch Lückers souverän beredte Leidenschaft für das Standardrepertoire lohnte allemal den Konzertbesuch: Bestes Beispiel war vielleicht Mozarts klangmächtige späte f-moll-Fantasie KV 608 (1791), die man wohl selten entfesselter gehört hat als an diesem Abend in der Michaelskirche. Ähnliche Zugkraft erhielt Buxtehudes vielgestaltiges a-moll-Präludium BuxWV 153, in dem Lückers Begeisterung für den wohl bedeutendsten deutschen Orgelmeister vor Bach auf Schritt und Tritt zum Ausdruck kam. Regers Es-Dur-Canzone opus 65/9 (1902) leitete dann als besonderes lyrisches Juwel über zum krönenden Finale mit Bachs c-moll-Passacaglia BWV 582, deren facettenreiche Steigerungsdramaturgie absolut atemberaubend umgesetzt wirkte. Für den innigen Ausklang der 21. Bensheimer Orgelwochen sorgte nach starkem Schlussapplaus das zugegebene kleine Reger-Choralvorspiel „Christus, der ist mein Leben“ opus 67/5.

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