Bensheim

Philatelistentag Ein besonderes Zeitdokument wird ab Donnerstag in der Weststadthalle gezeigt

Hiroshima-Brief als Mahnung für den Frieden

Archivartikel

Bensheim.Zum 116. Deutschen Philatelistentag von Donnerstag bis Sonntag (26. bis 29.) werden in Bensheim mehrere hundert engagierte Briefmarkensammler erwartet. Die alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung gilt als das „große Fest der Philatelie“. Sie wird 2019 vom Verein für Briefmarkenkunde Bensheim organisiert.

Außerdem findet hier unter anderem die Hauptversammlung des Bundes Deutscher Philatelisten (BDPh) statt. Der Vorsitzende des Bensheimer Vereins, Jörg-Ulrich Hübner, und sein Team sind seit vielen Monaten mit den Vorbereitungen beschäftigt.

Im Mittelpunkt des Philatelistentags stehen neben einer Ausstellung in der Weststadthalle auch Treffen von überregionalen Arbeitsgemeinschaften sowie Buchvorstellungen und Vorträge zu unterschiedlichen Themen. So geht es beispielsweise um die Gestaltung von Sammlungen. Auf einer Aktionsfläche zum Thema „Comics“ gibt es Spiel und Spaß rund um die Briefmarken.

Zu den besonderen Exponaten des Philatelistentages in der Weststadthalle gehört der Hiroshima-Brief. Der gezeigte Einschreibebrief wurde bei Aufräumungsarbeiten in den Trümmern einer Bank in der Nähe des Bahnhofs der Stadt, zwei Kilometer entfernt vom Bodennullpunkt der Detonation aufgefunden. Er zeigt kaum äußerliche Schäden, ist aber leicht radioaktiv verstrahlt. Eine amtliche Messung ergab eine Dosisleistung von 0.05 mr/h. Aus diesem Grunde wurde er in eine Bleimanschette gelegt und mit Panzerglas abgedeckt.

Der Brief ist ein historisches Zeitdokument und Mahnung für den Frieden zugleich und erinnert an den 6. August 1945, als amerikanische Bomber eine Atombombe über Hiroshima abwarfen. Der Sprengkörper detonierte über der Stadt Hiroshima in einer Höhe von etwa 2000 Metern und erzeugte eine in dieser Heftigkeit bislang nicht bekannte Druckwelle, die Gebäude, Anlagen und Bäume zum Um- und Einsturz brachte sowie Gegenstände mit ungeheurer Wucht durch die Gegend schleuderte.

Eine Hitzewelle mit Temperaturen von teilweise mehr als 1000 Grad Celsius führte zu ausgedehnten Bränden, durch die zusätzliche Schäden an Material und Einrichtungen entstanden. Insgesamt wurden durch die Wirkungen der Detonation etwa 80 000 Menschen sofort getötet und 100 000 verletzt. An den hauptsächlich durch die Kernstrahlung verursachten Spätfolgen starben bis zum Ende des Jahres 1999 insgesamt weitere 217 000 Menschen.

Die Kernwaffe wurde auf kein militärisch bedeutsames Ziel eingesetzt. Ihre Wirkung sollte das Kaiserreich Japan zur bedingungslosen Kapitulation und damit zur Beendigung des Zweiten Weltkrieges im asiatisch-pazifischen Raum zwingen. Dem ersten Einsatz folgte ein zweiter am 9. August 1945 auf die Stadt Nagasaki, durch den etwa 70 000 Menschen starben. Sechs Tage später kapitulierte Kaiser Hirohito und beendete damit auch in Asien den Zweiten Weltkrieg.

Die Stadt Hiroshima wurde zu rund 80 Prozent zerstört. Sie wurde zwischenzeitlich weitgehend wieder aufgebaut, doch blieben Ruinen eines Gebäudes aus Beton als Mahnmal erhalten. In der Stadt erinnern heute eine große Gedenkstätte und ein Dokumentationszentrum an das grauenvolle Geschehen. Es waren die bislang einzigen Einsätze von Atomwaffen in einem Krieg.

Der gefundene Brief ist über die Vereinigten Staaten nach Deutschland gelangt und wurde nach dem Tode seines Besitzers vom Bund Deutscher Philatelisten als wichtiges Zeitzeugnis erworben. Er wird hier als Mahnung für den Frieden und gegen den unlimitierten Einsatz von Kriegswaffen gezeigt. Damit werden durch diese Präsentation zutiefst humanitäre Ziele verfolgt.

Die Weststadthalle ist am Donnerstag (26.) von 13 bis 18.30 Uhr, am Freitag (27.) und Samstag (28.) jeweils von 9 bis 18.30 Uhr geöffnet. Am Sonntag (29.) ist sie von 9 bis 15.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist an allen Tagen frei. js

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel