Bensheim

Jubiläum Schulleiterin Nicola Wölbern lud zum „Rendezvous auf Augenhöhe“ ein

Ideen für die Zukunft des AKG

Archivartikel

Bensheim.Zum ersten „Rendez-vous auf Augenhöhe“ lud Schulleiterin Nicola Wölbern anlässlich des 333-jährigen Bestehens des Alten Kurfürstlichen Gymnasiums Bensheim in die Mensa ein. Sie nahm mit Susanne Stock, Unternehmensberaterin und Coach, die auch im Umfeld von Schulen arbeitet, auf dem roten Plüschsofa Platz und begrüßte zum netten Stelldichein inklusive Häppchen und Getränken rund 50 Schüler, Eltern und Lehrer.

Susanne Stock moderierte den Abend, brachte zunächst alle Teilnehmenden in Bewegung und Interaktion, um dann den rund einstündigen Film „Augenhöhe macht Schule“ zu zeigen, der das Ergebnis eines von ihr mitfinanzierten Projekts ist.

Einblick in neue Lernkulturen

Zu erleben waren acht Schulen (darunter zwei staatliche Gymnasien), die mit ganz unterschiedlichen Methoden und pädagogischen Ausrichtungen Unterricht gestalten, aber eines gemeinsam haben: den Umgang aller auf Augenhöhe. Schüler und Lehrer sind für Entscheidungs- und Lernprozesse gemeinsam verantwortlich. Nicht immer geht das so weit wie in der Drachenschule im Odenwald, wo die Schüler selbst jeden Tag entscheiden, was, wie und wie viel sie lernen wollen. Immer wird aber abgerückt vom klassischen Unterricht, in dem die Lehrkraft allein bestimmt, wo es langgeht. So verbringt der Jahrgang 8 in einer Montessori-Schule beispielsweise einen ganzen Monat in einem schuleigenen Bauernhof, der selbsttätig bewirtschaftet wird. Zu essen und saubere Kleidung gibt es nur, wenn jeder in der Gruppe Verantwortung übernimmt.

Im Gymnasium „Hoheluft“ in Hamburg werden neue Lernprozesse durch die Raumgestaltung initiiert. Die Klassenräume im Neubau sind in der Form gläserner Waben um einen „Marktplatz“ herum gruppiert. Der Lehrer wird zum Lernbegleiter.

Gesprächsbedarf ergab sich nach den interessanten Einblicken in veränderte Lernkulturen ganz von allein. Wie Nicola Wölbern betonte, sollte es jedoch nicht um „copy und paste“ gehen. Im Biotop des AKG wird kein Platz für schuleigene Schafe sein, auch wenn es dort schon „AKG-Bienen“ gibt.

Das denkmalgeschützte Gebäude kann auch in Bauphase III nicht zum Glashaus werden. Deshalb ging es nach dem Film für die Teilnehmer darum, sich zu eigenen Ideen für die Zukunft inspirieren zu lassen. Auch eine ehrwürdige Institution wie das AKG kann und will sich auf den Weg machen.

Dass der Funke übersprang, merkte man in den Gesprächen am Abend. Schüler, Eltern und Lehrer erfuhren, dass das gemeinsame Interesse an guter Schule die jeweilige Rolle rasch vergessen lässt. Es entstanden Ideen, die nicht darauf geprüft wurden, ob sie umsetzbar sind. Es durfte geträumt werden: Schulbeginn um 9 Uhr, praktisches Halbjahr in der Oberstufe, Lehrerteams, Kernzeiten und freie Lernzeiten, Projektarbeit, Portfolioarbeit, Schulküche, Labor, freie Workspaces, Schulhund. Das Gespräch öffnete Türen zu Klassenräumen und zur Schule der Zukunft.

Susanne Stock schloss mit den Worten: „Einige Kollegen werden Sie in den nächsten Tagen vielleicht fragen, wo Sie denn gewesen sind, wenn plötzlich überall die Türen offenstehen.“ Vielleicht sollten sich alle, die sich über Veränderungen wundern, den Film anschauen, der frei im Internet verfügbar ist. red

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