Bensheim

Nabu Bensheim/Zwingenberg Besuchsreise zu den Naturschönheiten der Oberlausitz

Im Land der Kraniche und Wölfe

Bensheim/Zwingenberg.Zu einer fünftägigen Begegnungsreise mit den Freunden von der Regionalgruppe Ornithologie Niesky/Oberlausitz brach eine Gruppe Bensheimer Naturschützer vom Nabu Bensheim/Zwingenberg auf. Anlass war das 60-jährige Bestehen der dortigen Fachgruppe, zu der seit 1991 regelmäßige Kontakte gepflegt werden und ein reger fachlicher Austausch besteht.

Höhepunkt der Reise war das Treffen mit den Freunden sowie führenden sächsischen Vogelkundlern. Man feierte im Unterdorf der kleinen Ortschaft Dauban inmitten einer Waldwiese umgeben von lichten Heidewäldern. Der Vorsitzende der Fachgruppe, Werner Klauke, dankte den Gästen für finanzielle Hilfen bei Projekten zum Artenschutz in der Heide- und Teichlandschaft der Oberlausitz.

So musste z.B. die Brutinsel der Lachmöwen- und Flussseeschwalbenkolonie im Reichendorfer Staubecken mit einem Elektrozaun umgeben werden, um sie vor dem Mink, einer eingeführten und inzwischen verwilderten Marderart, und vor dem Waschbär zu schützen. In anderen Fällen ging es um die Sicherung von Kranichbrutplätzen, Erhaltung und Pflege von Orchideenwiesen und Mooren sowie Schutzmaßnahmen für seltene Vogelarten.

Die Bensheimer konnten auf dieser Feier auch das Ehepaar Menzel begrüßen. Franz Menzel leitete lange Jahre die Fachgruppe. Er war es, mit dem die Bensheimer 1991 die ersten Kontakte geknüpft haben, die zu zahlreichen Besuchsreisen zu den Naturschätzen der Oberlausitz führten. Schäfer überreichte einen Scheck und Weinpräsente als Zeichen fortdauernder Verbundenheit.

Die übrigen Tage dienten zu Exkursionen in Teichgebiete und Landschaften, die sich durch einen besonderen Artenreichtum auszeichnen. Schon in der Nähe der Quartiere konnte man in den Guttauer Teichen mit ihren Schilfröhrichten Drosselrohrsänger, Rohrschwirl, Rohrdommel, Schell- und Schnatterenten, Flussseeschwalben sowie nordosteuropäische Rastvögel wie Kampfläufer und Grünschenkel beobachten.

Beobachtung vom Waldrand aus

Jeden Abend ging es zudem an den Tauerwiesenteich, einer einsam gelegenen großen Seefläche, wo die Fachgruppe am Waldrand einen Beobachtungsturm errichtet hat. Gerade hier erlebte man die ganze Naturschönheit der Oberlausitzer Heidelandschaft. Im Abendlicht flogen Kraniche ein, Stimmen aus dem Schilf und von den Wasserflächen wurden laut.

Hirsche und Wildschweine zeigten sich auf den sumpfigen Wiesen und Seeadler kreisten über den Wäldern. Gespannt wartete man auf das Erscheinen eines Wolfs, der hier schon öfters gesehen wurde. Auch ohne dass sich ein Wolf sehen ließ, bleiben doch diese Abende am Tauerwiesenteich für die Bensheimer ein unvergessenes Erlebnis.

Weitere Ausflüge führten an den Grenzfluss Neiße bei Rothenburg, wo man an einem Wasserkraftwerk und an einem modernen Industriestandort (Zellstoffverarbeitung) vorbeikam. Auf der polnischen Seite zeigten sich dichte Auenwälder und Altwässer, aus denen Pirole und Kuckucke riefen.

In krassem Gegensatz zu den stillen Heidewäldern mit ihren Teichen stehen die riesigen Abgrabungen des Braunkohleabbaus, der inzwischen bis an die Nordgrenze des Biosphärenreservates herangerückt ist. Eine Art Mondlandschaft aus Abraumhalden tut sich hier auf.

Tief unten, in über 30 Metern Tiefe liegt das Braunkohleflöz, das abgeschürft und im nahen Großkraftwerk Boxberg zur Stromgewinnung genutzt wird. Gewaltige Erdmassen müssen dazu umgelagert und Flüsse umgeleitet werden. Auch auf diesen Rohböden leben Vogelarten: Grauammer, Heidelerche, Brachpieper finden hier ihr Auskommen.

Nach der Wende wurde einiges getan, um den sanften Tourismus im Biosphärenreservat zu fördern. Ein Landschaftspflegehof mit Infozentrum zur Teich- und Heidelandschaft wurde in Wartha errichtet. Rundwege um die Teiche, Beobachtungsplattformen und ein Radwegenetz wurden angelegt und kulturelle Sehenswürdigkeiten ausgewiesen, wie z.B. der Markt und die Fahrradkirche von Diehsa.

Auch wenn die Gäste aus Bensheim bei ihrem Besuch nicht das Glück hatten, einen Wolf zu sehen, wird man viele bleibende und tiefe Eindrücke mitnehmen, wenn man in dieses „Land der tausend Teiche“gereist ist und sich dem Atem dieser stillen und doch so reichen Landschaft ausgesetzt hat.

Die Fachgruppe Niesky/Oberlausitz wird zum Gegenbesuch im Oktober in Bensheim erwartet. red

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