Bensheim

Nachruf Giovanni Torre, langjähriger Vorsitzender des FC Italia Bensheim, im Alter von 74 Jahren verstorben

Im Sinne der Gemeinschaft engagiert

Bensheim.Im Mittelpunkt seines ehrenamtlichen Engagements standen immer der Mensch, die Familie und das Gemeinwohl. Alles was Giovanni Torre tat, war im Sinne der Gemeinschaft ausgerichtet – ob als langjähriger Vorsitzender des FC Italia Bensheim oder bei der Leitung der Karfreitags-Passionsspiele. Er ist vorangegangen, um etwas zu bewegen und die Menschen zusammenzuführen.

Giovanni Torre wurde am 26. Juni 1944 in Castroreale, einem kleinen Städtchen in den Bergen Siziliens, geboren. In seiner neuen Heimat Bensheim verstarb er nach langer Krankheit am 20. Juni im Alter von 74 Jahren.

Die Eltern von Giovanni Torre lebten auf Sizilien von der Landwirtschaft und den Zitrusplantagen. Die Familie zog von Castroreale nach Milazzo an die Nordküste. Dort verbachte Giovanni Torre als jüngstes von sieben Kindern seine Jugend. Mit 17 Jahren verließ Torre im Herbst 1960 Italien und folgte seinen Brüdern nach Deutschland. Er sah im Süden für sich keine berufliche Perspektive. Nach ein paar Monaten in Bern kam er 1961 nach Mainz, wo er bis 1968 wohnte.

In dieser Zeit erlernte er neben der deutschen Sprache auch den Beruf des Polsterers. Für ihn war klar: „Ohne die deutsche Sprache zu erlernen, hast du keine Zukunft.“ Neben dem Hauptberuf und der abendlichen Sprachschule hatte er mehrere kleine Nebenjobs, um auch Geld für die Eltern in Sizilien zu verdienen und nach Hause zu senden.

1968 kam Giovanni Torre nach Bensheim und fand eine Anstellung als Polsterer im Familienbetrieb Bohrer in Lorsch. Dieser war weltweit als Gaststätteneinrichtungshaus bekannt und bot Torre eine berufliche Perspektive. Nebenbei erlernte er die Fähigkeiten eines Schreiners.

1970 lernte Giovanni Torre bei einem jährlichen Elternbesuch auf Sizilien seine Ehefrau Fortunata (Laura genannt) kennen. 1971 heirateten die beiden und lebten fortan in Bensheim. Nach der Geburt des ersten Sohnes Carmelo im Jahr 1972 zog die junge Familie von der Hauptstraße in eine größere Wohnung in die Neugasse. 1978 wurde Tochter Santa geboren. 1989 erwarb die Familie ein eigenes Haus in der Aulstraße 10 im Herzen von Bensheim.

Integration der Gastarbeiter

Ein großer Schritt in der ehrenamtlichen Arbeit von Giovanni Torre war die Gründung des FC Italia Bensheim im Jahr 1977 mit einigen Mitstreitern (unter anderem Elio Ruggiero, Gabriele Petrelli, Ivano Rosan, Giuseppe Recupero, Antonio Renzullo). Dabei ging es nicht nur um den Sport, schon damals stand die Integration der italienischen Gastarbeiter im Mittelpunkt. Menschen zusammenzubringen und seinen Landsleuten einen Treffpunkt zu bieten, Halt zu geben, in einem damals noch fremden Land, war die Intention der Gründungsmitglieder.

Nachdem der FC 07 Bensheim Mitte der 1980er Jahre ins Weiherhaus umzog, wurde die Idee geboren, ein eigenes Vereinsheim am Meerbach zu bauen, das 1986 mit dem Bau eines neuen Spielfeldes fast gleichzeitig fertiggestellt wurde.

Der Verein betätigte sich nicht nur sportlich, sondern nahm am kulturellen Leben in Bensheim teil. Die Mit-Organisation des Bürgerfestes, die jährliche Teilnahme am Winzerfestumzug mit einem Motivwagen sind hier zu nennen. Auch mehrere Stadtmeisterschaften wurden als Ausrichter organisiert. Bekannt waren auch die Weihnachtsfeiern mit einem lebendigen Krippenspiel auf der Bühne im Kolpinghaus. Aus gesundheitlichen Gründen legte Torre schließlich das Amt als Vorsitzender nieder und wurde zum Ehrenvorsitzenden des FC Italia ernannt.

Auch die Passionsspiele am Karfreitag tragen die Handschrift von Giovanni Torre sowie seiner Mitstreiter Mario Miconi, Antonio Renzullo und anderen. Sein Landsmann Antonio Fortunato hatte die Prozession 1983 ins Leben gerufen, Torre übernahm ein Jahr später mit Miconi die Organisation. Engagiert war er auch als Mitglied der italienischen Kirchengemeinde bei Veranstaltungen des Freundeskreises Bensheim-Riva sowie der Pfarrei Sankt Georg.

„Unserem Vater war es sehr wichtig, Werte zu vermitteln und an die jüngere Generation weiterzugeben. Es ging ihm darum, Menschen Halt zu geben“, erinnert sich sein Sohn Carmelo Torre rückblickend. red

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