Bensheim

Kriminalität Bensheimer Rentner wurde beim Online-Banking Opfer eines Betrügers

In nur zwei Minuten fast 8000 Euro verloren

Archivartikel

Bensheim.Otto Müller (Name von der Redaktion geändert) ist von Haus aus ein vorsichtiger Mensch. Trotzdem ist der Rentner einem Betrüger auf den Leim gegangen, der ihn mit einem einzigen Telefonat um insgesamt 7999 Euro erleichtert hat. Von zwei unterschiedlichen Konten des Geschädigten bei der Sparkasse Bensheim hat der Unbekannte innerhalb von nur zwei Minuten vier Überweisungen auf ein Konto bei einer Berliner Bank vorgenommen („Adressatin“ Angelina Kotek). Von dort aus wurde die Gesamtsumme umgehend nach Lettland transferiert.

„Ich habe einen Fehler gemacht und dafür muss ich geradestehen“, ist sich der 68-Jährige seiner Schuld und seines Leichtsinns bewusst. Schließlich ist er einem Kriminellen aufgesessen, der sich am Telefon als Sparkassen-Mitarbeiter ausgegeben und sein Opfer, das seit vielen Jahren seine Geldgeschäfte von zu Hause online erledigt, mit einer üblen Masche zur Preisgabe einer persönlichen TAN (Einmalpasswort) überredet hat. Angeblich, um den TAN-Generator des Rentners rechtzeitig vor dem Ablaufdatum zu aktualisieren.

Anmeldedaten ausgespäht?

Fragen, warum ihn nicht sein ihm bekannter Geldberater kontaktiere, beantwortete der Betrüger „wie aus der Pistole geschossen. „Er wusste den Namen meines Beraters und behauptete, dieser sei in Urlaub.“ Müller ist sich mittlerweile sicher, dass seine Anmeldedaten zum Online-Banking-Zugang ausgespäht wurden: „Anders kann ich mir das alles nicht erklären.“

Dass er eine Dummheit begangen hat, ist ihm im Nachhinein klar. „Gleich als ich den Telefonhörer aufgelegt habe, ist mir die Sache spanisch vorgekommen. Ich habe sofort die Sparkasse angerufen und meinen Gesprächspartner gebeten, meine Konten zu überprüfen.“ Das Ergebnis war ernüchternd. Es fehlten knapp 8000 Euro. Der Geschädigte veranlasste umgehend die Sperrung sämtlicher Konten. Weitere Belastungsbuchungen des Unbekannten verliefen ins Leere. Der Rentner erstattete schriftlich Anzeige bei der Polizei.

Obwohl sich der langjährige Sparkassenkunde bis heute nicht erklären kann, „wie mir so etwas passieren konnte“, ist er gleichwohl sauer auf seine Bank: „Ich habe ganz klar einen Fehler gemacht, für den ich hafte. Aber ich habe am Telefon lediglich eine einzige TAN, also eine Transaktionsnummer, genannt.“ Damit könne man üblicherweise nur eine Überweisung (in seinem Fall maximal 2999 Euro) vornehmen, aber nicht fast zeitgleich vier Belastungsbuchungen von unterschiedlichen Konten veranlassen. Er fordert deshalb die Sparkasse zur Rückbuchung der fehlenden 5000 Euro auf und moniert nach seinem ersten Anruf eine verzögerte Sperrung seines Online-Banking-Zugangs.

Rückbuchung veranlasst

Mit beiden Ansinnen stößt Müller bei seiner Hausbank auf Granit. Ein Schreiben an den Sparkassen-Vorstand sei unbeantwortet geblieben. Nachdem die Sparkasse dem Geschädigten zunächst den ergaunerten Gesamtbetrag gutgeschrieben habe, hat deren Rechtsabteilung wenig später die Rückbuchung veranlasst und dafür einen „groben Verstoß gegen vertragliche Verpflichtungen und ein Versäumnis gegen elementare Sicherungsmaßnahmen zur eigenen Sicherheit bei der Nutzung des Online-Banking-Verfahrens“ verantwortlich gemacht.

Ein Mitverschulden der Bank sei nicht erkennbar, eine Erstattung durch die Sparkasse auf dem Kulanzweg nicht möglich. Die Sparkasse verweist stattdessen auf stets aktualisierte Sicherheitswarnungen und regelmäßige Informationen im elektronischen Postfach.

Wovon Müller bis dato noch nichts gehört hatte – und worauf sich seine Bank beruft und im Online-Service informiert –, ist die sogenannte „Whitelist-Funktion“, die vom Kontoinhaber aktiviert werden muss. Der Rentner ist sich absolut sicher, diese „TAN-freie-IBAN-Liste“ nicht erstellt und verwendet zu haben. Trotzdem war die seine positiv geschaltet.

Möglich ist diese Ausnahme von der TAN-Pflicht für Überweisungen an ausgewählte Empfängerkonten nach einer seit September 2019 geltenden EU-Regelung, die für mehr Bedienerkomfort sorgen soll. Gleichzeitig birgt sie Gefahren. Für die Einrichtung einer „Whitelist“ ist lediglich eine einmalige TAN-Abfrage erforderlich: „Ich bin mir sicher, dass mein Online-Zugang gehackt wurde. Nur so kann ich mir erklären, dass die Ausnahmen von der TAN-Pflicht aktiviert waren. Eine Genehmigung habe ich nie erteilt und auch selbst nicht vorgenommen.“

Dass sich seine Hausbank weigert, den Teilschaden von 5000 Euro zu begleichen und jede vertragliche und gesetzliche Haftung verneint, erbost den Rentner. Er will sich aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht nur vom Online-Banking verabschieden, sondern zieht einen Wechsel seiner Bank in Erwägung. Vor allem aber wolle er andere Kunden vor den Machenschaften gewissenloser Betrüger, die ihre Geschäfte vom Ausland aus betreiben, warnen.

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