Bensheim

Riedwiese Süd Bürgerinitiative reicht Stellungnahme zu geplanter Gewerbeansiedlung von Bauschutt-Recycling-Anlage ein

„Interessen der Anwohner ernst nehmen“

Bensheim.Über 400 Unterschriften lagen der Stellungnahme der Bürgerinitiative „An der Riedwiese Süd“ bei, die Christine Klein Bensheims Erstem Stadtrat Helmut Sachwitz übergeben konnte. „Sie sind Ausdruck des geballten Unmuts der betroffenen Anwohner über eine weitere erhebliche Belastung des Stadtviertels, die von der Koalition geplant wird“, heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative.

Wie berichtet, beabsichtigt die Koalition die Verlagerung bzw. Ansiedlung und Expansion eines Baustoffhandel- und Transportunternehmens aus Fehlheim samt Betrieb einer Recycling-Anlage zur Aufbereitung von Abbruch- und Straßenabbruchmaterialien im Gebiet „An der Riedwiese- Süd“.

Warum der Magistrat gewerbliche Neuansiedlungen nicht erst einmal in bestehenden Gewerbegebieten wie Stubenwald II realisiere, anstatt gleich neue – in diesem Fall landwirtschaftliche – Flächen für gewerbliche Nutzung umzuwidmen und neu zu erschließen, sei für viele Bensheimer Bürger schwer nachvollziehbar. Dies wurde auch beim Ortstermin vom 19. März deutlich.

Auf die Frage eines Anwohners, weshalb die avisierte Bauschutt-Recyclinganlage nicht ins Gewerbegebiet Stubenwald II gebracht werde, für das nachweislich weiterhin Investoren gesucht würden, habe Sachwitz nach Angaben der Bürgerinitiave sinngemäß geantwortet: „Weil Stubenwald II ein hochwertiges Gewerbegebiet ist, in dem wir keinen produzierenden Betrieb ansiedeln möchten.“

400 Unterschriften gesammelt

„Dieses klare Bekenntnis, das Gewerbegebiet in seiner Wertigkeit deutlich über die Bürger des Stadtviertels Bensheim-Südwest zu stellen, ließ die Emotionen bei den mehr als 70 kurzfristig versammelten Anwohnern spontan hochkochen“, schreibt die BI.

Laut Stellungnahme der Bürgerinitiative seien Folgen der geplanten Maßnahme für das bereits stark belastete Quartier nicht hinzunehmen. So werde mit einer maßgeblichen Erhöhung des Lkw-Verkehrs durch Zuliefer- und Auslieferverkehr des Unternehmens gerechnet.

Der Betrieb einer Bauschutt-Recycling-Anlage verursache ferner beträchtlichen Lärm, Feinstaub, Stickstoffoxide, Erschütterungen und Klimabelastungen in den angrenzenden Wohn- und Gewerbesiedlungen. Mit Blick auf die häufigste Windrichtung Südwest rechnet die Bürgerinitiative mit gesundheitsschädlichen Stoffen für die Anwohner durch Emission und Immission. Schließlich bedeute der Betrieb zu Nachtstunden eine starke Lärm- und Staubbelastung für die dort lebenden Menschen. „Bauschutt-Recycling-Anlagen in der Region liegen üblicherweise weit außerhalb von Wohnvierteln“, heißt es weiter.

Auch das angrenzende Naherholungsgebiet mit Golfplatz, Erlache und Naturschutzzentrum wäre von der Errichtung einer Bauschutt-Recycling-Anlage betroffen. Der angrenzende Rad- und Fußweg „An der Eselsbrücke“ werde von vielen Bürgern – Jung und Alt, Familien mit kleinen Kindern, Hundehaltern sowie Fahrradfahrern – stark frequentiert. Dies erscheine um so wichtiger, als durch die zunehmende Siedlungsdichte nicht zuletzt durch den hier stark konzentrierten sozialen Wohnungsbau bisher vernachlässigte Ausgleichsflächen dringend erforderlich seien.

Vorhandene Flächen nutzen

Auffällig bei der Begründung zum Vorentwurf sei, dass keinerlei Aussagen zu dem besonderen Schutzgut „Mensch“ gemacht würden oder später ergänzt werden sollen. Daher stellen sich immer mehr Anwohner die Frage, welchen Stellenwert die betroffenen Menschen und deren Gesundheit bei den Verantwortlichen haben.

Die Bürgerinitiative werde von mehreren im Stadtviertel ansässigen Unternehmen unterstützt, heißt es weiter. Den Beteiligten gehe es vor allem darum, der zunehmend unausgewogenen Belastung der Bensheimer Stadtteile durch Verkehr und Gewerbe entschlossen entgegenzutreten. Dazu gehöre auch, vorhandene Gewerbeflächen zu nutzen, bevor neue Flächen in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung erschlossen werden. red

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