Bensheim

Stadtkirche Konzert der Philharmonie Merck mit Werken von Vivaldi, Locatelli und anderen

Italienische Virtuosität in Sankt Georg

Archivartikel

Bensheim.Für die Bensheimer Musikfreunde ist es eine beglückende Tradition, dass das Barockensemble der Deutschen Philharmonie Merck die Reihe seiner barocken Adventskonzerte wie immer in Bensheim beginnt. Das Programm „I Virtuosi Italiani“ – italienische Virtuosität – beginnt am Freitag, 6. Dezember, um 19.30 Uhr in der Stadtkirche Sankt Georg.

Virtuosität – was ist das eigentlich? In der Grundbedeutung ist Virtuosität die Beherrschung der Bewegung. Im erweiterten musikalischen Sinne ist sie das gewisse Etwas, die Krönung der spieltechnischen Beherrschung eines Instruments. Umso mehr für den Musiker die technischen Schwierigkeiten seines Instruments in den Hintergrund treten, umso mehr kann er die musikalische Substanz und die Schönheit einer Komposition ausschöpfen.

Folglich beginnt das Konzert mit Antonio Vivaldis (1678 – 1741) Concerto G-Dur für 2 Violinen, 2 Violoncelli, Streicher und Continuo, RV 575, und nach der Pause mit dem Concerto G-Dur für 2 Violinen, Streicher und Continuo, RV 516 – zwei Werke aus den mehr als 230 Violinkonzerten Vivaldis, der selbst ein ausgezeichneter Geiger und Violinvirtuose war. In den stilbildenden dreisätzigen Konzerten wird der Violine in ihren solistisch-konzertanten Möglichkeiten zu effektvollem Glanz verholfen. Es gab kaum einen Komponisten dieser Zeit, der derartig im Ruf des Besonderen, ja des Extravaganten stand, nicht nur unter dem Gesichtspunkt violintechnischer Finessen, die auch das Spiel in höchsten Lagen mit einschloss, sondern auch im risikofreudigen Umgang mit harmonischen Eigenwilligkeiten, gepaart mit der auffälligen Vermeidung von Symmetrie.

Die rasante Entwicklung dieser Jahre ging Hand in Hand mit einigen erstaunlichen Experimenten in neuen musikalischen Formen wie dem Concerto, das von Vivaldi perfektioniert und als dauerhafter Standard etabliert wurde.

Der Geiger und Komponist Pietro Locatelli (1695 – 1764) hat mit seiner Musik, aber auch mit seiner Virtuosität, die weit über den spieltechnischen Standard des 18. Jahrhunderts hinausreichte, großen Eindruck auf seine Zeitgenossen gemacht. Aus der früheren Komposition, dem zwölf Concerti Grossi umfassenden Opus 1, erklingt das elfte Concerto. Hier spürt man den Einfluss von Archangelo Corelli, dessen Schüler Locatelli war, und der römischen Schule sowie von den populären Kompositionen von Antonio Vivaldi.

Neben den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten von Vivaldi und Locatelli gab es im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert eine ganze Reihe von Musiker-Komponisten, die – jeder auf seine Art – ihrem Instrument faszinierende Klänge entlockten. So werden von Evaristo Dall’Abaco (1675 – 1742) das Concerto B-Dur für Streicher und Continuo op. 5/4, von Giovanni Gregori (1663 – 1745) ein Concerto grosso g-moll op. 2/9 und von Giuseppe Valentini (1681 – 1753) das Concerto d-moll für Streicher und Continuo op. 11/2 vorgetragen.

Den Abschluss des Konzerts setzt Giovanni Brescianellos (1690 – 1750) Ouvertüre con una Chiaccona D-Dur in einer Rekonstruktion von Adrian Chandler. Chandler ist aber nicht nur Musikologe, sondern auch mehrfach preisgekrönter Barockgeiger, der für die Solopartien und die musikalische Leitung gewonnen werden konnte. Daneben tritt der Konzertmeister der Philharmonie, Matthias Metzger, solistisch hervor.

Der Spendenerlös aus dem Konzert fließt an den Verein „Bensheim hilft“, der damit die Finanzierung seiner Projekte sicherstellt. Die Mittwochssportler unterstützen die Organisation des Konzerts.

Karten für das Konzert gibt es im BA-Pressehaus, Telefon 06251/100816, am Weihnachtsstand des Vereins vor dem Kaufhaus Ganz sowie im Internet unter www.philharmonie-merck.com. Peter J. Zeyer

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel