Bensheim

Verschwisterung Tschechischer Freundschaftskreis besuchte Pilsen und Umgebung

Jüngste königliche Stadt Westböhmens

Archivartikel

Bensheim.Bei bestem Reisewetter und gut gelaunt trat die Reisegruppe des deutsch-tschechischen Freundschaftskreises eine viertägige Vereinsfahrt nach Pilsen in Tschechien an. Eine ausgiebige Rast mit vielen Leckereien und ergänzt um Kuchenspenden, vorbereitet von Rosemarie und Gerd Herrmann, sorgte für das leibliche Wohl auf der Anreise.

Am Nachmittag wurde in Pilsen eine Stadtführung angeboten, bei der man viel Interessantes über die Stadt, die neben der weltbekannten Brauerei Pilsner Urquell noch so manches zu bieten hat, erfahren konnte. In der einst jüngsten königlichen Stadt Westböhmens ist vieles aus vergangenen Jahrhunderten erhalten geblieben.

Auch der Maschinenbau hat die Stadt stark geprägt. Hier sind die Skoda-Werke zu nennen, gegründet von dem namensgleichen Sohn der Stadt. Pilsen war 2013 Europäische Kulturhauptstadt. Zu diesem Anlass wurden drei mit Blattgold belegte monumentale Wasserspeier samt großem Brunnen auf dem Marktplatz installiert und prägen diesen heute.

Für die nächsten Tage stellte Reiseleiter Peter Illing ein facettenreiches Besichtigungsprogramm zusammen. Das erste Ziel war das Kloster Tepl in der Nähe von Marienbad. Das Kloster geht aus einer Stiftung von Fürst Hroznata im Jahre 1193 hervor und wurde vom Prämonstratenserorden besiedelt.

Die Größe des Klosters war beeindruckend, das nach dem Zweiten Weltkrieg als Kaserne der tschechischen Armee genutzt wurde, was erhebliche Spuren hinterließ. Im Jahre 1990 bekam der Orden einen Großteil des Klosters zurück, muss jedoch noch für Erhaltung und Renovierung einiges tun.

Ziel der nächsten Tagesfahrt war das Städtchen Manetin mit dem gleichnamigen Schloss. Es wird als Barockperle Westböhmens bezeichnet. Besichtigt wurde das Schloss, welches in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vom Baumeister Johan Blasius Santini-Aichel errichtet wurde. Auf diesen Meister sollten die Besucher bei weiteren Besichtigungen erneut treffen. Dann wurde das ehemalige Kloster Plass angesteuert, welches im Jahr 1144 gegründet wurde und zum Zisterzienser Orden gehörte. Die heutigen Bauten stammen überwiegend ebenfalls von Meister Santini.

Zum Tagesabschluss wurde Kloster Maria Teinitz besucht. Die sehenswerte Barockanlage wurde im Zeitraum 1711 bis 1768 ebenfalls von Santini erbaut. Der Grundriss der Kirche erinnert an die Form des griechischen gleicharmigen Kreuzes mit zentralem quadratischem Raum.

Bauten von Meister Santini

Im Mittelpunkt des nächsten Tages stand der Besuch von Lidice. Der ehemalige Ort stellt den dunkelsten Flecken der Geschichte zwischen Tschechen und Deutschen dar. Die deutsche Besatzung machte das Dorf nach dem Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heidrich dem Erdboden gleich.

Alle männlichen Bewohner wurden erschossen, die Frauen ins KZ Ravensbrück verbracht, ausgewählte Kleinkinder zur „Eindeutschung“ in Familien gegeben und die restlichen Kinder in einem Transportzug vergast. Der Besuch der Gedenkstätte war für manche Mitreisende nur schwer zu ertragen. Man brauchte Zeit, das Gesehene und Gehörte zu verarbeiten.

Durch die karstige Landschaft westlich von Prag führte der Weg zur Burg Prüglitz, von der gerne Kaiser Karl VI. zur Jagd ging und sein Sohn Wenzel IV. seine Kindheit verbrachte. Auf der Rückreise nach Bensheim wurde die ehemalige Benediktinerabtei Kladrau besucht, ein weiteres Beispiel der Baukunst von Johan Blasius Santini-Aichel. Obwohl die Anlage stark renovierungsbedürftig ist, lohnte sich der Stopp.

Abschließend dankte die Reisegruppe dem Reiseleiter Peter Illling, der es wieder einmal verstanden hatte, die Schönheiten Tschechiens zu zeigen. mz

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