Bensheim

Kunstfreunde Dover Quartet mit Haydn, Mendelssohn und einer Borodin-Rarität im Parktheater

Jugendliche Ensemble-Reife

Bensheim.Eine der steilsten Karrieren unter den jungen amerikanischen Streichquartetten hat in den letzten Jahren das 2008 am legendären Curtis Institute of Music in Philadelphia gegründete Dover Quartet hingelegt. Dass dieser Erfolg allemal berechtigt ist, konnten jetzt auch die Besucher des achten Kunstfreunde-Konzerts der Saison bestätigt finden. Joel Link (1. Violine), Bryan Lee (2.Violine), Milena Pajaro-van de Stadt (Viola) und Camden Shaw (Violoncello) zeigten sich im Parktheater interpretatorisch eindrucksvoll auf den Spuren ihrer berühmten Lehrer vom Vermeer- und Guarneri-Quartett.

Kennzeichnend für das Ensemble ist neben der exzeptionellen Klangfülle und –dichte vor allem die große künstlerische Reife seines Spiels, die schon Haydns ungewohnt dunkel und melancholisch getöntes f-moll-Quartett opus 20/5 (1772) zum intensiven Hörerlebnis machte. Der im Kopfsatz wie im F-Dur-Adagio mit wunderbar schmiegsamen Kantilenen hervortretende Primarius bezeugte als souveräner Impulsgeber der Wiedergabe sein besonderes Format.

Ein rarer Leckerbissen

Für Fans russischer Romantik folgte mit Alexander Borodins D-Dur-Quartett von 1881 ein wahrhaft rarer Leckerbissen: Das sehr eingängige Stück war bei den Kunstfreunden zuletzt vor sage und schreibe vier Jahrzehnten erklungen. Die amerikanischen Gäste lieferten ein bestens inspiriertes Borodin-Plädoyer und ließen so keinen Zweifel daran, dass dieses melodiensatte Meisterwerk als Alternative etwa zum oft aufgeführten ersten Tschaikowsky-Quartett unbedingt ein Repertoire-Comeback verdient hat.

Neben Joel Link bewiesen hier auch Milena Pajaro-van de Stadt und Camden Shaw herausragendes solistisches Profil. Schier orchestral aufblühend bereits der Kopfsatz, ebenso spritzig wie elegant das Scherzo, herrlich nobel schwelgend das auch als Einzelstück populär gewordene A-Dur-Notturno, zündend brillant der besonders abwechslungsreiche Finalsatz: Diese halbe Stunde reinsten Borodin-Glücks war der Coup des Abends.

Als denkbar schärfster Kontrast dazu erschien nach der Pause Mendelssohns letztes Streichquartett f-moll opus 80 aus dem Todesjahr 1847 – jenes einzigartig expressive Spätwerk also, in dem sich der Komponist die verzweifelte Trauer über den plötzlichen Verlust seiner geliebten Schwester Fanny von der Seele geschrieben hat. Das Dover Quartet (benannt übrigens nach dem Stück „Dover Beach“ des Curtis-Absolventen Samuel Barber) agierte erneut in jeder Hinsicht auf Referenzniveau und wurde dabei speziell dem kompromisslos dramatischen Geist der selten suggestiver pointierten Ecksätze mit atemberaubend präziser Virtuosität gerecht. Erlesene Schönheit verströmte zudem das höchst passioniert ausgesungene und so zu echter Herzensmusik geformte As-Dur-Adagio.

Duke Ellingtons „In a sentimental mood“ (Arrangement: Daniel Schlosberg) war als ebenso stilvoll gewählte wie gespielte Zugabe die originelle Krönung dieses vom Bensheimer Publikum begeistert quittierten Konzertabends im Parktheater.

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