Bensheim

Erster Stadtrat Bürgerforum Baukultur nimmt Stellung

„Jurist als Stadtbaurat ungeeignet“

Archivartikel

Bensheim.Bensheim sucht einen neuen Stadtbaurat. Wahrscheinlich war eine Personalentscheidung noch nie von so entscheidender Bedeutung für die künftige Entwicklung dieser Stadt wie die qualifizierte Besetzung dieser Position. Das schreibt das Bürgerforum Baukultur in einer Stellungnahme.

Bensheim steht derzeit vor äußerst schwierigen Aufgaben und folgenschweren Weichenstellungen. Die Innenstadt müsse revitalisiert werden. Die kritische und besorgniserregende Leerstandsentwicklung von Geschäften erfordere zukunftsweisende Strategien, um die drohende Verödung der Bensheimer Stadtmitte (noch) abzuwenden.

Städtebaulicher Sachverstand

Das Projekt Haus am Markt müsse mit fundiertem bauökonomischem Sachverstand, vor allem mit ausgeprägter architektonischer Kompetenz gesteuert werden. Für den Marktplatz müsse gleichzeitig ein schlüssiges Gesamtkonzept entwickelt werden. Erfolgreich werde diese Aufgaben nur jemand mit hohem städtebaulichem Sachverstand umsetzen können.

Mit dem Kauf des ehemaligen Kaufhauses Krämer habe die Stadt eine zukunftsweisende, mutige Entscheidung getroffen, deren Bedeutung für die Entwicklung des Bensheimer Stadtkerns nicht hoch genug eingeschätzt werden könne. Diese richtige Weichenstellung werde aber nur zu einem Erfolg für die Innenstadt führen, wenn das Projekt „Innenstadtrevitalisierung“ künftig von einer Persönlichkeit gemanagt werde, die bereits gezeigt hat, dass sie in der Lage ist, schwierige Projekte sicher und erfolgreich zu steuern.

Der Text der Stellenausschreibung, mit dem die Anforderungen an den Stadtbaurat oder eine Stadtbaurätin definiert werden, hebe in erster Linie auf administrative Kenntnisse ab. Lediglich gute Verwaltungs- und Baurechtskenntnisse stünden im Vordergrund.

„Von Schlüsselqualifikationen wie Kreativität und der Fähigkeit, Visionen zu entwickeln, aber auch von fundiertem baugeschichtlichem Wissen, das befähigt, die Vergangenheit zu verstehen, um die Zukunft Bensheims überhaupt gestalten zu können, ist nicht die Rede“, kritisiert das Bürgerforum.

Herausragende Kompetenz nötig

Genauso wenig scheine es wichtig zu sein, ob der Bewerber überhaupt in der Lage ist, konzeptionellen Ideen zur Lösung der anstehenden Probleme zu erarbeiten und erfolgreich umzusetzen. Anstatt nach einem Stadtplaner oder Architekten mit herausragender Kompetenz zu suchen, werde sogar einem Juristen mit zweitem juristischen Staatsexamen zugetraut, sämtliche zuvor aufgeführten fachlichen Qualifikation erfüllen zu können.

„Notwendig für Bensheim ist jedoch der herausragende Meister, der mit den Werkzeugen kreativ und virtuos umzugehen versteht“, heißt es weiter. Ein Jurist käme umgekehrt sicherlich niemals auf die Idee, eine Schlüsselposition, die zwingend einer juristischen Ausbildung bedarf, einem Ingenieur mit „gesundem Rechtsbewusstsein“ anzuvertrauen.

Das Bürgerforum geht davon aus, dass die gewählten Vertreter dieser Stadt ihrer Verantwortung gerecht werden und die Stadtratsposition mit einer hoch qualifizierten Persönlichkeit besetzen, die über alle fachlichen Zweifel erhaben ist, so das im August 2016 als unabhängige Plattform gegründete Bürgerforum, dem vor allem Architekten, Stadtplaner und Diplom-Ingenieure angehören. red

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