Bensheim

Frauenbüro Vortrag von Ulrike Vogt-Saggau über Nahrungsergänzungsmittel

Kein Ersatz für eine gesunde Ernährung

Bensheim.Ulrike Vogt-Saggau referierte im voll besetzten Raum des Frauenbüros über Nahrungsergänzungsmittel. Der Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Frage „Wie viel ist genug?“

Vitamine und Mineralstoffe lebenswichtig sind. Kann es also schaden, wenn man reichlich davon zu sich nimmt? „In Deutschland greifen etwa 30 Prozent der Erwachsenen regelmäßig zu Nahrungsergänzungsmitteln in Form von Kapseln, Tabletten oder Pulver,“ informierte Vogt-Saggau. „Und man beobachtet, dass gerade gesundheitsbewusste Menschen oft dazu greifen. Auch Eltern sind schnell besorgt, wenn ihr Kind zu wenig Obst und Gemüse isst.“

Essen auf die Schnelle vermeiden

Vitamine und Mineralstoffe sind für unseren Körper essenziell, das heißt, man muss sie regelmäßig zuführen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt die Empfehlung, fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag zu sich zu nehmen – wobei eine Portion einer Handvoll entspricht.

Warum ist die Umsetzung im täglichen Leben so schwer? Der Alltag ist meist geprägt von Stress und Hektik. Essen auf die Schnelle ist für viele die Lösung – und fast überall verfügbar.

Arbeit und Zeit sparen ist für viele Konsumenten wichtig, gleichzeitig ist das Gesundheitsbewusstsein gestiegen. Dies hat die Lebensmittelindustrie erkannt: Es gibt inzwischen ein großes Angebot an Lebensmitteln, die nicht nur satt machen, sondern auch Gesundheit versprechen. Sie sind unter anderem angereichert mit Vitaminen und Mineralstoffen. Ist dies eine bequeme Art der Gesundheitsvorsorge?

Kritiker sprechen von künstlichen Produkten. In natürlichen Lebensmitteln kommen die wirksamen Substanzen in Form von komplexen Mischungen vor. Haben einzelne Komponenten den gleichen Effekt? Wie ist die Wechselwirkung der zugesetzten Inhaltsstoffe untereinander und welchen Einfluss gibt es auf die Resorption anderer Nährstoffe? So könne die regelmäßige Einnahme von Kalzium zu einem Eisen-, Zink- und Magnesiummangel führen.

„Die Gefahr der Überdosierung ist besonders bedenklich,“ warnt Vogt-Saggau. „Ein Zuviel wird nicht einfach vom Körper ausgeschieden.“ Aus diesem Grund wurde vom Bundesinstitut für Risikobewertung BfR Anfang 2018 eine Empfehlung für die maximale Tagesdosis für Nahrungsergänzungsmittel veröffentlicht. Aber wann ist diese Dosis für mich erreicht?

Obst und Gemüse lassen sich nicht durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel oder durch funktionelle Lebensmittel ersetzen. Sie enthalten mehr als nur Vitamine und Mineralstoffe, sondern auch sekundäre Pflanzenstoffe, die für unsere Gesundheit unentbehrlich sind.

Auf biologischen Anbau setzen

Ein weiteres Argument für den Griff zu Supplementen ist häufig die industrielle Landwirtschaft. Sind heutzutage noch genügend Vitamine und Mineralstoffe in den Lebensmitteln enthalten? Hierzu liegen dutzende Studien vor und man erhalte – je nachdem, wer sie in Auftrag gegeben hat – die verschiedensten Ergebnisse.

Fakt sei, dass Bio-Obst und Gemüse häufig mehr Vitamine und Mineralstoffe und bis zu 50 Prozent mehr sekundäre Pflanzenstoffe enthalten als aus konventionellem Anbau. Warum? Nicht gespritzte Pflanzen schützen sich selber vor Fressfeinden und bilden zur Abwehr mehr gesundheitsfördernde Pflanzenstoffe und mehr Vitamine und Mineralien. Außerdem verzichten Ökobauern auf mineralischen Stickstoffdünger: Die Folge ist, dass die Pflanzen langsamer wachsen und weniger Wasser einlagern, wodurch die Nährstoffdichte höher ist.

Das Fazit der Referentin: „Wer sich abwechslungsreich ernährt, kann seinen Nährstoffbedarf in der Regel mit herkömmlichen Nahrungsmitteln decken und ernährungsbedingte Erkrankungen vermeiden. Es gibt nur wenige Ausnahmen (Schwangere, ältere und kranke Menschen), die unter ärztlicher Aufsicht Nahrungsergänzungsmittel einnehmen müssen. Nahrungsergänzungsmittel und funktionelle Lebensmittel ersetzen keine gesunde Ernährung. Im Gegenteil: Ein Gesundheitsrisiko ist möglich.“ red

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