Bensheim

Verkehr Behörden argumentieren mit geringer Straßenbreite und Parkplätzen am Straßenrand

Kein Schutzstreifen für Radler am Ritterplatz

Archivartikel

Bensheim. Die Bedingungen für Radfahrer in der Stadt sind immer wieder Gegenstand kommunalpolitischer Debatten. Während sich viele Wege durch Bensheim mittlerweile recht bequem mit dem Rad zurücklegen lassen, gibt es aber nach wie vor neuralgische Punkte mit hohem Verbesserungspotenzial. Dazu zählt eindeutig der Bereich rund um den Ritterplatz.

Der aus Auerbach kommende Radfahrstreifen endet im Bereich der Hochstraße, hier müssen Radler auf die Bundesstraße wechseln und sich bei der Querung der Kreuzung am Ritterplatz in den fließenden Verkehr einreihen. Im vergangenen Jahr wurden im Sommer in den städtischen Gremien wieder einmal verschiedene Lösungsvorschläge diskutiert. Die Grüne Liste wollte unter anderem die rechte Fahrbahn zwischen Ritterplatz und Bahnhof für Autos sperren und nur für Radfahrer und den ÖPNV freigeben. Dafür gab es aber keine Mehrheit.

Beschlossen wurde nach einigem Hin und Her, zwischen Hochstraße und Ritterplatz einen sogenannten Schutzstreifen oder eine Radpiktogrammspur auszuweisen. Eine solche Spur sollte nach dem Wunsch der Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung auch vom Ritterplatz zum Bahnhof abmarkiert werden.

Keine Spur von einer Spur

Doch von einer solchen Spur gibt es derzeit, ein halbes Jahr später, noch immer keine Spur. Das Gleiche gilt für den beschlossenen Schutzstreifen. Das hatte die CDU zum Anlass genommen, im Rahmen einer Anfrage an den Magistrat nachzuhaken, was seither in dieser Angelegenheit unternommen wurde, um den Beschluss umzusetzen – und weshalb noch keine Schutzstreifen oder Piktogrammspuren markiert worden sind.

Der Antwort des Magistrats, in der wiederum Aussagen der für die Bundesstraße zuständigen Behörden Kreis Bergstraße und Hessen Mobil wiedergegeben werden, ist zu entnehmen: Es wird weder Piktogramme noch einen Schutzstreifen in diesem Bereich geben.

Laut der Straßenverkehrsbehörde des Kreises werden Piktogramme nicht an Bundesstraßen angeordnet. Auf innerörtlichen Straßen sei grundsätzlich mit Fahrradfahrenden zu rechnen. Zudem weist der Kreis darauf hin, dass zum 20. April 2020 der Überholabstand von Kraftfahrzeugen zu Radlern innerorts auf 1,50 Meter erhöht wurde. „Der Überholabstand erhöht die Sicherheit der Radfahrenden mehr als Radpiktogramme“, heißt es von Seiten des Kreises.

Die Verkehrsbehörde des Landes, Hessen Mobil, erklärt, dass Piktogramme auf der Fahrbahn keine rechtsverbindliche Wirkung im Sinne von Verkehrszeichen entfalten. Sie wiesen lediglich darauf hin, dass Radfahrer rechts auf der Fahrbahn unterwegs sein können. „Aufgrund der bestehenden Fahrbahnbreiten werden die Piktogramme ständig vom Verkehr, insbesondere vom Schwerverkehr, überfahren und sind daher unterhaltungs- und kostenaufwändig.“

Aus Sicht von Hessen Mobil bieten sie aber im Gegenzug „keinen nennenswerten verkehrssicherheitsrelevanten Gewinn“. Lediglich im Übergangsbereich vom Radweg bzw. Schutzstreifen auf die Fahrbahn seien solche Piktogramme sinnvoll und möglich – und auch bereits markiert worden.

Absolutes Halteverbot

Für einen Schutzstreifen hält Hessen Mobil den entsprechenden Straßenabschnitt ebenfalls für nicht geeignet. Als Grund wird die Breite der Fahrbahn (7,50 Meter) an dieser Stelle genannt sowie die vorhandenen Parkstreifen rechts der Fahrbahn. Zu einem Schutzstreifen müsste hier aus Sicherheitsgründen ein Abstand von 50 Zentimetern eingehalten werden. „Die Fahrbahn der B3 weist somit in diesen Abschnitten nicht die für die Markierung eines Schutzstreifens erforderliche Mindestbreite auf“ – diese liegt laut Hessen Mobil bei acht Metern.

Hinzu kommt, darauf weist auch der Kreis Bergstraße hin, dass seit dem 21. April 2020 auf Schutzstreifen ein absolutes Halte- und Parkverbot gilt. Deshalb wäre ein Schutzstreifen in einem Straßenabschnitt mit mehreren Arztpraxen, Betrieben und Wohnhäusern „mehr als fraglich“, schreibt Hessen Mobil. Und die Bergsträßer Verkehrsbehörde führt weiter aus: „In Zukunft darf man nicht mal mehr auf dem Schutzstreifen anhalten, um eine Hoftür zu öffnen oder Kinder oder mobilitätseingeschränkte Personen ein- bzw. aussteigen zu lassen.“ Die Abwägung von Vor- und Nachteilen für Verkehrsteilnehmer und Betroffene müsste deshalb sehr genau und umfangreich geprüft werden, was die Anordnung eines Schutzstreifens weiter erschwere.

Der Kreis kommt deshalb ebenfalls zu dem Schluss: „Aufgrund der Straßenbreite und der vorhandenen Parkplätze ist die Anordnung eines Schutzstreifens in dem Abschnitt zwischen Hochstraße und Ritterplatz nicht möglich.“

Für Radfahrer dürfte das wohl bedeuten: Am Ritterplatz bleibt in absehbarer Zukunft alles beim Alten.

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