Bensheim

Kommunalpolitik Stadtverordnetenversammlung stimmt mehrheitlich für Erweiterung der Awo-Kita Stubenwald

Kinder können ins Bürohaus ziehen

Archivartikel

Bensheim.Die Eröffnung der Awo-Kita Stubenwald im Spätsommer 2015 war eine Premiere für Bensheim: Zum ersten Mal wurde eine Kindertagesstätte in einem Gewerbegebiet gebaut. Die Kritik an dem Vorhaben war vor allem seitens der politischen Opposition nicht gering.

Knapp drei Jahre später sind die Zweifel verflogen. Die Einrichtung ist ausgebucht, gut nachgefragt und wird nun sogar erweitert, weil die Stadt sonst ab Herbst den rechtlichen Anspruch der Eltern auf einen Betreuungsplatz für ihren Nachwuchs nicht mehr garantieren könnte.

Allerdings wird der Ausbau ebenfalls eine Premiere sein. Die drei neuen Gruppen entstehen im benachbarten Bürogebäude Vista. Auf 600 Quadratmetern plus Außenbereich werden gegen Ende dieses Jahres 56 Kinder ausreichend Platz zum Toben haben. Das Vorhaben wird bereits seit einigen Wochen erörtert, am Donnerstag segnete die Stadtverordnetenversammlung das Projekt mehrheitlich ab. Lediglich die FDP in Person von Fraktionschef Holger Steinert enthielt sich.

Miete: 108 000 Euro im Jahr

Angemietet werden die Flächen über den Eigenbetrieb Kinderbetreuung für 15 Jahre. Die Kosten belaufen sich auf jährlich 108 000 Euro. Die Trägerschaft wird wie im „Haupthaus“ von der Arbeiterwohlfahrt übernommen. Die Höhe der Betriebskosten steht noch nicht fest. Sie dürften voraussichtlich aber bei rund einer halben Million Euro im Jahr liegen.

„Wir stellen sicher, dass Bensheim auch in Zukunft familienfreundlich bleibt und die Eltern Planungssicherheit haben“, begründete Sybille Becker (CDU), Vorsitzende des Sozialausschusses, die Zustimmung ihrer Fraktion. „Die Nachfrage an U3-Betreuungsplätzen steigt kontinuierlich, ebenso wie die Anfragen von Firmen. Das erfordert einen weiteren Ausbau“, fasste Moritz Müller (GLB) zusammen. Der anfangs viel kritisierte Standort Stubenwald habe sich inzwischen erfolgreich etabliert. Der Mietvertrag für die Räume im „Vista“-Gebäude lasse genügend Spielraum, sollten sich die Prognosen, was Zuzug und Wachstum angeht, deutlich verschlechtern.

Franz Apfel (BfB) machte deutlich, dass man nicht warten kann, bis die neue Kita an der Sparkassen-Allee oder am Berliner Ring gebaut und eröffnet werden. „Wenn wir die Familien nicht im Regen stehen lassen wollen, müssen wir schnell handeln.“ Allerdings gibt es einen Ausbau nicht zum Nulltarif. Der Bereich Kinderbetreuung werde in Zukunft noch mehr Kosten verursachen.

Tagesmütter wichtiger Baustein

Apfel wies in diesem Zusammenhang auf die Tagesmütter hin, die ein wichtiger Bestandteil des Netzes seien, mit dem Bensheim seinen gesetzlichen Auftrag erfüllt. Deren Arbeit wolle er hier ausdrücklich gewürdigt wissen.

Für die Sozialdemokraten blickte Christiane Lux zunächst zurück. Sie erinnerte daran, dass die damalige SPD-Fraktion gegen die Kita Stubenwald gestimmt hatte. Wohnortnähe habe man in diesem Zusammenhang für wichtiger erachtet als Betreuung in der Nähe des Arbeitsplatzes. Von diesem Standpunkt sei man aufgrund der aktuellen Entwicklung aber abgerückt. „Wohnortnähe ist nicht mehr zu gewährleisten. Wir, die neue SPD-Fraktion, verkennen das nicht“, so Lux. Der Eigenbetrieb stehe vor ständig neuen Herausforderungen.

Rolf Tiemann (FWG) bewertete die Erweiterung als „sinnvoll und notwendig“. Ob der „stolze Mietpreis von 15 Euro pro Quadratmeter“ angemessen oder überhöht sei, vermöge er nicht zu beurteilen. Er gehe aber davon aus, dass dies von der Verwaltung sorgfältig geprüft worden sei. „Zu wünschen und erwarten ist, dass Land und Bund die Städte mit ausreichenden Mitteln versorgen, damit sie die vom Bund beschlossenen Forderungen des Sozialgesetzbuches erfüllen können“, meinte Tiemann.

Die FDP sah ebenso wie die AfD keinen Redebedarf, was bei der „Alternative für Deutschland“ wenig wunderte. Die Fraktion war während der Diskussion teilweise lautstark mit internen Abstimmungsgesprächen beschäftigt und konnte daher den Redebeiträgen nicht folgen – was bei der Mehrzahl der Stadtverordneten nicht mit Begeisterung aufgenommen wurde.

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