Bensheim

Instrumental Akkordeonorchester Blau-Weiß Bensheim gab Sommerkonzert in Schwanheim

Klangreise mit Bajan und Domra

Schwanheim.Auf abwechslungsreiche Programme mit überraschenden Repertoire-Spezialitäten ist beim Orchester des Akkordeonclubs Blau-Weiß Bensheim (ACB) und seinem seit 2014 amtierenden, in Kasachstan aufgewachsenen Leiter Eduard Ungefucht stets Verlass. Schönste Belege hierfür bot das aktuelle Sommerkonzert der aus 18 Akkordeonisten bestehenden Formation im trotz tropischer Temperaturen gut gefüllten Schwanheimer Dorfgemeinschaftshaus. Ungefuchts exzellente Kontakte in die alte Heimat ermöglichten an diesem Abend das erste gemeinsame Deutschland-Gastspiel von Vladimir Grachev (Bajan) und Tatyana Grachev (Domra/Mandoline), die zu den renommiertesten russischen Virtuosen ihrer Zunft gehören. Als besondere Mitbringsel hatte das Künstlerpaar aus der Wolgastadt Saratov sogar einige eigens für den Schwanheimer Auftritt und das Orchester arrangierte Stücke im Gepäck. Der von ACB-Primaria Stephanie Jacobi eingangs zum Ausdruck gebrachte Dank und Stolz des Ensembles erschien darum nur allzu berechtigt.

Höchst effektvoll bereits die Konzertouvertüre: Georges Bizets zweite „L’Arlésienne“-Suite machte in Curt Herolds feiner Akkordeonfassung eine sehr überzeugende Figur. Vor allem das provencalische Folklorekolorit dieser berühmten Schauspielmusik kam prächtig heraus („Farandole“-Finale!). Die vitale, präzise und enorm klangsensible Ensembleleistung der Musiker war bewundernswert. Sehr inspiriert agierte das ACB-Orchester auch als Begleiter in Tatyana Grachevas erstmals aufgeführten Arrangements zweier Repertoire-Klassiker von Vivaldi (Concerto D-Dur RV 93) und Piazzolla („Milonga del Angel“). Charakteristisch zart-süßer Mandolinensound bei Vivaldi, suggestive Tremolo-Farben auf dem der Balalaika verwandten Volksinstrument Domra bei Piazzolla: Grachevas filigrane Meisterschaft ließ den seltenen instrumentalen Vergleich zum besonderen Erlebnis werden.

Was für ein Traumpaar Domra und das russische Knopfakkordeon Bajan sein können, zeigten die beiden am staatlichen Konservatorium von Saratov lehrenden Gäste nach der Pause mit einer opulenten Auswahl maßgeschneiderter eigener Bearbeitungen.

Ob Klassikhits wie Boccherinis Menuett aus opus 11/5 oder Glucks Orpheus-Melodie, ob Stimmungsmacher wie Iwan Subbotins „Bayrische Ländler“ oder Alfred Schnittkes „Polka“, ob Piazzollas Ohrwurm „Ave Maria“ oder auch Grachevas Eigenkomposition „Verzeih mir“ mit ihrem unverwechselbar russischen Romanzenton: Die authentische Musikalität des brillanten Duos sorgte für nimmermüde Faszination. Pure folkloristische Ekstase herrschte schließlich in „Svetit Mesyats“ des einstigen Balalaika-Pioniers Vasily Andreev (1861-1918) und „Mardjandja“ der lebenden Domra-Legende Alexander Zigankov (*1948).

Am Ende stand als programmkrönende letzte Uraufführung die mit Mandoline und Bajan besetzte „Slowakische Polka“ von Alexander Rogdestwin (*1953), bei der alle Beteiligten des Abends (inklusive Mihai Farcas am Schlagzeug) wahrhaft begeisternd vereint waren.

Das Publikum im Schwanheimer Dorfgemeinschaftshaus applaudierte danach so stürmisch, dass die Musiker trotz der Hitze sogar noch eine kleine Rogdestwin-Reprise als Zugabe hinlegten.

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