Bensheim

Klimawandel in Westeros

Vanessa hat das Topmodel-Handtuch geworfen. Oh mein Gott. Sportlich qualifiziert, aber aus persönlichen Gründen auf den finalen Zickenkrieg verzichtet. Da fragen wir uns doch unweigerlich, warum keiner dem FC Chelsea vor einer Woche gesagt hat, dass das möglich ist. Was wäre das für ein Spektakel gewesen: Eden Hazard versenkt den entscheidenden Elfmeter, Heidi Klum kommt mit einer halbnackten Lena in den Mittelkreis gestöckelt, um dem kettenrauchenden Trainer Sarri eine Stange Marlboro zu offerieren, die außergewöhnliche „Personality“ der Millionärstruppe und die schönen Stollentreter von Olivier Giroud zu loben.

Mitten in den tränenreichen Jubel meldet sich aber über die Videoleinwand Oligarch Abramowitsch und verkündet, dass der Club auf das Endspiel verzichtet, weil er keinen Bock auf Baku hat. Was hätten wir gelacht.

Weil sich trotz des Ausscheidens von Vanessa und dem Euro-Abflug der Eintracht die Welt wider erwarten jedoch weiterdreht, kann man sich nun wichtigeren Fragen widmen.

In Bensheim muss 2020 geklärt werden, wer für die nächsten sechs Jahre den Eisernen Thron besteigt. Der Amtsinhaber? Oder traut sich doch jemand, eiskönigartig am Chefsessel zu metzeln? Beim Blick in die Schatzkammer dürfte dem einen oder anderen vielleicht doch die Lust aufs Schlachtenschlagen vergehen.

Zwar ist der städtische Haushalt nicht annähernd so abgebrannt wie Königsmund nach dem Besuch der Drachenmutter. Aber man sollte sein Glück nicht herausfordern. Dass die aufgehitzte Daenerys aus der Hauptstadt einen Fall für die Feuerversicherung macht, wusste vorher auch keiner. Außer den Simpsons vielleicht.

Einheimische Spezies stirbt aus

Wobei man sich hierzulande keine Sorgen machen müsste, von tieffliegenden Drachen gegrillt zu werden. Die hätten längst Flugverbot – bei den Mengen an Methan und Kohlendioxid, die von den Viechern ausgestoßen werden, hätten die Umwelthilfe oder die Grünen längst kurzen Prozess gemacht.

Auf der anderen Seite wäre es schon lustig zu sehen gewesen, wie Fridays for Future in Westeros so angekommen wäre. Für saubere Luft demonstrieren, statt auf dem Feld zu schuften? Da wäre nicht nur Christian Lindner aus dem Gebüsch gesprungen, um dem Nachwuchs eine mitzugeben.

Unabhängig, wer in den sieben Königreichen noch wen um die Ecke bringt oder warum Vanessa keinen Bock auf einen Knebelvertrag aus dem Hause Klum hatte: In Bensheim wird es nicht langweilig werden. Zumindest nicht bis zum Herbst. Dann stirbt die einheimische Spezies eh aus, weil die Geburtshilfe im Hospital bekanntlich dichtmacht.

Wundersam eigentlich, dass um den Abriss eines 40 Jahre alten Hauses mehr Getöse gemacht wird als um das Aus einer kompletten Station im Krankenhaus. Aber das ist ein anderes Thema. Genauso wie die Frage, wann Christo endlich seinen Verpackungsmüll am Bürgerhaus entfernt und umweltfreundlich entsorgt. Am besten zusammen mit dem ganzen Haus.

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