Bensheim

Sankt Vinzenz Unterstützung für das in Bensheim ansässige Frauenhaus Bergstraße

Klosterstiftung spendet 5000 Euro

Archivartikel

Bensheim/Heppenheim.Das Frauenhaus Bergstraße leistet seit 34 Jahren eine unermessliche Arbeit für Frauen und deren Kinder, die häusliche Gewalt nicht nur physisch, sondern auch psychisch verspüren.

Dabei gewähren sie den Frauen und deren Kindern Schutz, außerdem initiieren sie Maßnahmen, um häuslicher Gewalt vorzubeugen. Und weil das Frauenhaus Bergstraße bei dieser Arbeit auf Spendengelder angewiesen ist, hat die in Heppenheim ansässige Sankt-Vinzenz-Stiftung in ihrer jüngsten Vorstandssitzung einstimmig beschlossen, dem Frauenhaus auch in diesem Jahr eine Spende zu übergeben. Dieser Tage überreichte der Stiftungsvorstand in den Räumlichkeiten des Heppenheimer Sankt-Vinzenz-Klosters dem Vorstand des Frauenhauses einen Scheck über 5000 Euro.

„Sinn dieser Stiftung ist die Verfolgung kirchlicher, mildtätiger und gemeinnütziger Zwecke, vor allem die Förderung der Religion, aber auch der Altenhilfe, der öffentlichen Wohlfahrt, des öffentlichen Gesundheitswesens und der öffentlichen Gesundheitspflege“, so die Generaloberin und Stiftungsvorsitzende Schwester Brigitta, bei der Spendenübergabe.

Elf Zimmer, 32 Betten

Christine Klein, die Vorsitzende des Frauenhauses Bergstraße, betonte dabei in ihrer Dankadresse: „Wir sind auf Spendengelder angewiesen, um den Betrieb des Frauenhauses und der Beratungs- und Interventionsstelle sicherzustellen. Nur mit den Spendengeldern können wir den Frauen und Kindern angemessene Begleitung, Beratung und Hilfe auf ihrem Weg zu einem Leben ohne Gewalt ermöglichen. Egal, ob Sach- oder Geldspenden oder ideelle Unterstützung, alles kommt unserer Arbeit und den von Gewalt betroffenen Frauen und Kindern direkt zu Gute.“

Maria Heeß, die zweite Vorsitzende des Frauenhauses, fügte hinzu, dass die Einrichtung in Bensheim die einzige im Kreis Bergstraße sei. Elf Familienzimmer mit insgesamt 32 Betten stehen dort zur Verfügung. Bad und Küche werden von mehreren Bewohnerinnen genutzt. Der tatsächliche Raumbedarf sei aber deutlich höher. Seit der Eröffnung des Frauenhauses 1988 war dieses stets voll belegt. Ein Großteil der Anfragen muss daher abgelehnt werden. Aktuell müssen 75 Prozent der Aufnahmesuchenden an andere Einrichtungen verwiesen werden, erklärte Klein. 1573 Frauen mit 1467 Kindern, also 3040 Menschen, konnten in dieser Zeit aufgenommen werden. Seit 1988 bis zum heutigen Tag haben 8707 Frauen und Kinder im Frauenhaus Schutz gesucht.

Davon mussten 5667 Frauen mit Kindern im gleichen Zeitraum eine Absage erteilt werden, weil alle Zimmer belegt waren. Christine Klein: „Wir müssen meist zwischen 75 und 88 Prozent der Anfragenden eine Absage erteilen, suchen dann freie Zimmer in anderen Frauenhäusern (die aber meistens auch belegt sind) und suchen andere Möglichkeiten bei Freunden, Bekannten oder Familienangehörigen.“

Vorstandsmitglied Konstanze Hiemenz bemerkte: „Der Kampf um das liebe Geld, um den Betrieb des Frauenhauses aufrechterhalten zu können, beschäftigt uns jedes Jahr sehr. Die Auszahlung der öffentlichen Gelder ist an fristgerechte Vorlagen von Konzepten, Berichtspflichten mit statistischen Zahlen, Vorlage von Verwendungsnachweisen, Finanzierungsplänen für das Folgejahr und Sachberichten gebunden. Die öffentlichen Zuwendungen sind knapp und reichen für den Betrieb des Frauenhauses meist nicht und die Beratungs- und Interventionsstelle gerade so aus.“ Eine Beratungsstelle für von Gewalt betroffene Frauen liefe in der Vergangenheit so „nebenher“. Denn es standen keinerlei finanzielle Mittel zur Verfügung, eine Fachkraft für die Beratung für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen einzustellen. Das habe sich erst mit dem Sozialbudget 2015 der Hessischen Landesregierung geändert. Im Mai 2016 konnte man mit Landesmitteln die Beratungs- und Interventionsstelle Bergstraße Häusliche Gewalt mit dem Büro in Bensheim und Nebenstellen in Rimbach und Lampertheim eröffnen. Diese Beratungsstellen seien oftmals der erste Kontakt für gepeinigte Frauen, sich Hilfe aus schwierigen familiären Situationen zu holen. „Allerdings sei die Beratungsstelle für den großen Flächenkreis Bergstraße mit einer Fachkraft absolut unterbesetzt“, fügte die zweite Vorsitzende hinzu. „Wir bleiben am Ball, um weitere Mittel für die Beratungsstelle und die Einstellung einer zusätzlichen Fachkraft neben Janina Minarro zu erreichen.“

Insbesondere der geschäftsführende Vorstand sei für alle Belange rund um den Betrieb des Frauenhauses und der Beratungsstelle zuständig. Die Aufgaben seien sehr vielfältig. Alle Vorstandsfrauen arbeiten ehrenamtlich, so Klein. „Die Anforderungen werden immer umfangreicher und sind auf Dauer ehrenamtlich nicht mehr zu leisten.“ Umso dankbarer waren die Frauen jetzt, zum zweiten Mal von der Sankt-Vinzenz-Stiftung eine Spende über 5000 Euro zu erhalten. mül

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel