Bensheim

Premiere Viel Applaus für das neue Stück des Vornerum-Theaters / Shakespeares „Ende gut, alles gut“ mit modernen Elementen aufgepeppt

Komplizierte Mission in Sachen Liebe

Archivartikel

Bensheim.„Ich liebe einen Stern, der über mir unerreichbar im Himmel thront.“ Mit diesem wunderbaren Satz schickt William Shakespeare seine Helena in „Ende gut, alles gut“ auf eine ziemlich komplizierte Mission in Sachen Liebe.

Die Quelle für das Shakespeare-Stück bildet eine Erzählung aus Giovanni Boccaccios „Decamerone“, das Mitte des 14. Jahrhundert entstanden ist. „Ende gut, alles gut“, uraufgeführt vermutlich 1603, zählt zu den selten gespielten Werken Shakespeares.

Das Vornerum-Theater aus Bensheim hat die Komödie jetzt auf die Bühne des Kolpinghauses gebracht. Unter der Regie von Tanja Boxberger hat die Truppe etwas gewildert im Original, die ganze Geschichte komprimiert, dadurch beschleunigt sowie mit modernen (Sprach- und Ausstattungs-)Elementen aufgepeppt.

Zeitlich legt sich die Vornerum-Inszenierung nicht fest. Der Pariser Königshof kommt mit strenger Etikette aus längst vergangenen Tagen daher, während die Palast-Ärzte in neuzeitlicher OP-Kleidung aufschlagen.

Mit Smartphone und Livestream

Das Fachwissen der Mediziner ist dagegen eher „oldschool“. Die arme Königin wird mittels einer vom ärztlichen Personal selbst hergestellten, oral verabreichten Stuhltransplantation behandelt. Produktion und Einnahme des sehr speziellen Medikaments werden dabei akustisch angedeutet.

Ein Gefangenen-Verhör wird mit dem Smartphone aufgezeichnet und online gestellt – klarer Verstoß gegen die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung übrigens. Das Schlachtgeschehen im Krieg zwischen Florenz und Siena wird per Livestream übertragen.

Briefe werden digital und analog versandt. Die neueste Urnen-Kollektion wird vorgestellt. Eine Hofdame hat den schwarzen Gürtel und es wird über das Gras der Holländer gesprochen. Das Bensheimer „Ende gut, alles gut“ spielt also irgendwie gestern und heute.

In dieser unbestimmten Zeit liebt die zarte, bürgerliche Helena (Milena Schmitt) den Grafen Bertrand von Roussillon (Matthias Zorn), mit dem sie gemeinsam aufgewachsen ist.

Eines Tages verlässt Bertrand das gräfliche Anwesen in Richtung Paris.

Helena folgt ihm unbemerkt, ausgestattet mit allerlei Rezepturen, einer Hinterlassenschaft ihres verstorbenen Vaters, eines berühmten Arztes. Helena bietet sich der todkranken Königin (Maren Buhlmann) als Heilerin an. Die beiden machen einen Deal. Gelingt Helena es, die Königin zu kurieren, darf die junge Frau sich aus dem adligen Pariser Männer-Pool bedienen.

Die Königin gesundet und Helena erwählt Bertrand. Der adelsstolze Jüngling lehnt empört ab, beugt sich aber schließlich dem königlichen Willen. Helena und Bertrand werden vermählt.

Den Vollzug der Ehe vermeidet der Herr Graf jedoch, indem er Helena sofort zurück nach Roussillon schickt und sich selbst an der Seite seines windigen Kumpanen Parolles (Dirk Jäkel) absetzt nach Florenz – zum Kämpfen und Marschieren.

Mit Ring und Kind am Start

Helena sendet er eine Nachricht: Er wird sie als Gemahlin nur anerkennen, wenn sie bei seiner Rückkehr seinen Familienring am Finger trägt und ein Kind von ihm in den Armen hält. Helena nimmt ihr Schicksal in die Hand, reist nach Florenz. Dort trifft sie auf eine Witwe (Monika Loser) und deren Tochter Diana (Angelika Reimers), die von Bertrand heiß begehrt wird. Die drei Frauen schließen einen Kontrakt. Am Ende kommt Helena in den Besitz von Bertrands Familienring. Zudem mogelt sie sich, nachdem die Temperatur-Methode Empfängnisbereitschaft signalisiert, an Stelle von Diana horizontal unter den ahnungslosen Bertrand.

Gute neun Monate später wird das ganze Wirrwarr am Königshof in Paris aufgelöst. Plötzlich liebt Bertrand seine Helena und erkennt sie, nun mit Ring und Kind am Start, als seine Gemahlin an. Da davon auszugehen ist, dass der von ihm beauftragte Vaterschaftstest in Ordnung geht, heißt es am Ende der knapp 90-minütigen Aufführung: Alles ist gut.

Für eine spitzenmäßige Ensembleleistung gibt’s vom Publikum im gut besuchten Kolpinghaus verdientermaßen reichlich Applaus für das Vornerum-Theater.

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