Bensheim

Pro familia Beratungsangebot für aggressive Menschen / Auch Einzelgespräche möglich

Konfliktfähigkeit in der Gruppe trainieren

Bensheim.Erklärungen gibt es immer genug: „Ich wurde provoziert“, „Ich stand mit dem Rücken zur Wand“, „Mein Gegenüber hat nicht aufgehört, mich zu ärgern“. Als Entschuldigung für aggressives Verhalten sollen häufig auch Anlässe wie Mobbing, Enttäuschung, Stress oder Alkohol dienen.

Im Beratungsgespräch bei pro familia Bensheim finden die Gesprächspartner viele Gründe dafür, warum es zu der gewalttätigen Handlung gekommen ist. Das persönliche Erleben oder Rechtsempfinden ist hierbei allerdings nicht ausschlaggebend.

Der zuständige Sozialpädagoge Steffen Brammer betont: Keine Form von gewaltsamen Übergriffen ist bei einer Auseinandersetzung im häuslichen Kontext zu rechtfertigen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Gewalt körperlich, sexuell, psychisch, verbal oder wirtschaftlich ausgeübt wird oder im Kontext von Drogenkonsum stattfindet. „Immer will eine Seite mit Macht die eigene Position durchsetzen und eine Auseinandersetzung für sich entscheiden“, heißt es in einer Pressemitteilung von pro familia. Die Folgen können auch für den Täter schnell eskalieren: Neben dem Verlust von Respekt und Vertrauen in der Partnerschaft, drohen im weiteren Verlauf Umgangs- und Sorgerechtsentzug für die eigenen Kinder. Ungewollte Trennungen, Arbeitsplatzverlust und sozialer Abstieg können die Folge sein.

Verhaltensmuster hinterfragen

„Denn auch gesamtgesellschaftlich brauchen wir eine grundlegende Akzeptanz dafür, dass Zusammenleben nur funktionieren kann, wenn wir bereit sind, die eigene Position auch zu überdenken oder aufzugeben, ohne dies als Bedrohung zu erleben“, so der erfahrene Berater und Sexualpädagoge Steffen Brammer, der kreisweit mit Schulklassen, Eltern und pädagogischen Fachkräften aus unterschiedlichen Kontexten arbeitet.

Wer spürt, dass er im eigenen Verhalten zu Aggressivität neigt oder wer sich aktiv mit seiner Konfliktfähigkeit auseinandersetzen will, kann die Angebote der pro familia-Beratungsstelle in Bensheim nutzen. Im Kontext einer halboffenen Männergruppe oder in Einzelgesprächen sind Ratsuchende eingeladen, ihre oftmals biografisch geprägten Verhaltensmuster zu hinterfragen und sich professionell unterstützen zu lassen. Seit 2019 haben bei pro familia über 200 Beratungsgespräche zum Thema sexualisierte und häusliche Gewalt stattgefunden. Seit 2016 existiert das Gruppenberatungsangebot der pro familia Bensheim für Täter, das unter der Leitung von Steffen Brammer zweiwöchentlich abends stattfindet und vom Kreis Bergstraße finanziell gefördert wird.

Pro familia Bensheim bietet unabhängig vom Alter und unter Zusicherung der Schweigepflicht Beratung zu diesem Themenfeld an. Menschen, die sich als ungehalten und aggressiv wahrnehmen, bei denen polizeilich erfasste Vorfälle vorliegen oder deren Umfeld sie als gewaltbereit bezeichnet, können sich bei pro familia melden. red

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