Bensheim

Bildung Aus der Not heraus wurde mit „Personal Coaching“ eine neue Idee geboren und umgesetzt

Krisenzeit trifft auch Active Learning hart

Bensheim.Als die Corona-Pandemie Deutschland erreichte und dies die Schulen sowie Bildungs- und Sozialeinrichtungen zur vorübergehenden Schließung zwang, wurde schnell klar, dass sich auch im Leben von Kindern und Jugendlichen grundlegende Änderungen anbahnten.

Denn wenn man es genau betrachtet, so bestimmt die Schule neben dem eigenen Familien- und Freundeskreis elementar den täglichen Ablauf eines jungen Menschen: Unmittelbar durch den Unterricht in den Schulen und durch das Sozialgefüge, welches in der Erziehung eines Kindes den Grundstein für viele wichtige Kompetenzen darstellt und legt. Aber auch mittelbar, weil die übrige Freizeit nach der Schule von jedem Kind und Jugendlichen nach individuellen Interessenfeldern gestaltet wird, nachdem man die Zeit für Hausaufgaben oder das Lernen für Arbeiten „abgerechnet“ hat.

Alltag geriet aus den Fugen

Letztlich reguliert das Schulleben viele kleine und wichtige Bereiche im täglichen Leben eines jungen Menschen fast von selbst und hat insofern eine spannende Konzentrations- und Wechselwirkung.

So sahen sich junge Menschen von heute auf morgen mit einem Wandel konfrontiert, der jeden einzelnen – unabhängig der sozialen Herkunft – schnell und unvorbereitet beeinflusste. Der gewohnte Alltag junger Menschen, zu welchem die Schule und der dort bis heute vielfach praktizierte Frontalunterricht zählt, war völlig aus den Fugen geraten. An deren Stelle trat eine Vielzahl an bildungstechnischen Online-Alternativkonzepten, um den Unterrichtsstoffs trotz alledem irgendwie zu bewältigen.

Die Aufgabenstellungen und der Lernstoff wurden so zum Teil zwar von den Lehrkräften per Online-Account an die Schüler versendet, aber ob die Schüler die Daten auch erhielten, konnte gelegentlich nur erhofft werden. Vielen Schülern fehlten die Fertigkeiten im Umgang mit den eingesetzten Programmen und an den entsprechenden Endgeräten, weil sie zuhause kein Internet oder schlichtweg keinen Computer besitzen.

Netflix übernahm das Kommando

Der zweite große Einschnitt erfolgte für viele Schüler dann aber auch in den eigenen vier Wänden. Wenn die Eltern sie nicht ständig auf die Schulaufgaben und Lernzeiten hinwiesen oder auch Vorschläge für Freizeitbeschäftigungen machten, übernahmen nicht selten Unterhaltungsmedien – wie beispielsweise Netflix und die Playstation – das Kommando und bestimmten den Tagesrhythmus.

Durch die zusätzliche Isolation und fehlenden Sozialkontakte flüchteten sich einige Kinder und Jugendliche in die digitale Konsum-Welt. Der Ärger mit den Eltern, das „Abgehängtsein“ im Lehrstoff oder auch depressive und aggressive Gemütslagen waren nur ein Teil der Aspekte, die bereits eine solch kurze Phase des schlagartig startenden Homeschoolings mit sich brachte.

Die Schule der Zukunft steht heute wohlgemerkt noch in den Startlöchern. Die Digitalisierung des Schulsektors ist gleichwohl ein großes und wichtiges Thema, weshalb bereits vor der Corona-Pandemie vereinzelt, aber noch nicht flächendeckend erste positive Trendwenden bestanden.

Genau an dieser Stelle – hin zu einer neuen, ergänzenden Form der digitalen Bildung – hat der Verein Active Learning während der Corona-Pandemie angesetzt. Da das herkömmliche Lern-Sport-Konzept in den kooperierenden Schulen nicht umgesetzt werden konnte, war das Ziel des Vereins, den Kinder ein steter Wegbegleiter bei dieser neuen Situation zu sein. Dies setzte man letztlich durch ein größtenteils online-basiertes Personal Coaching um, um den Kindern und Jugendlichen tatkräftig schulisch wie motivierend zur Seite zu stehen. Das gilt vor allem für sozial benachteiligte Kinder, denen der Umgang mit der Corona-Pandemie in Bezug auf die Schule nochmals etwas schwerer gefallen ist und auch weiterhin fällt.

Selbst wenn die Lage des Vereins und seiner Repräsentanten derzeit sehr angespannt ist, möchte der Verein aber auch in Zukunft Gutes tun: „Viele unserer Events und Workshops, unter anderem ein Benefiz-Konzert, mussten wegen Corona neben dem wöchentlichen Angebot leider ausfallen und abgesagt werden. Viele Projekt-Planungen wurden auch für uns blitzartig auf Eis gelegt. Finanziell überleben wir zudem größtenteils über Spenden. Ein Teil der uns fördernden Stiftungen haben ihre Spendengelder nun jedoch Corona-bedingt minimieren oder in einem Falle sogar ganz einstellen müssen. Wir müssen derzeit also überlegen, wie die nahe und ferne Zukunft unserer Vereinsarbeit genau aussehen wird – das hängt etwas in der Schwebe und wird sich wohl heute noch nicht abschließend bewerten lassen“, betont Vorsitzender Hauke Lerchl.

Dazu komme, dass bei Active Learning die soziale Arbeit rund um den Verein seit Jahren komplett neben den Hauptberufen organisiert werde. Dieses enorme Pensum sei derzeit aufgrund der bestehenden Situation nochmals mit enormen Anstrengungen verbunden, was es auch persönlich nicht immer leicht mache. „Uns ist aber klar, dass wir weiterhin für junge bedürftige Menschen aus der Bergstraße etwas tun möchten. Deshalb haben wir uns einstweilen darauf fokussiert, mit dem Konzept Personal Coaching, bedürftige Kinder und Jugendliche schulisch sowie in ihrer alltäglichen Motivation zu fördern. Wir haben auf diese Weise schon erste tolle Erfolge erzielen können und sehen mittlerweile großes Potenzial in dieser Idee“, so Lerchl. red

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