Bensheim

Riva-Verein Richard Konstantin Blasy aus München sprach über das Universalgenie Leonardo da Vinci

Künstler, Forscher und Erfinder

Archivartikel

Bensheim.Der 500. Todestag von Leonardo da Vinci am 2. Mai 2019 hat den zu erwartenden weltweiten Hype ausgelöst. In Rom gefiel sich die damalige Regierung darin, die italienische Größe in die Welt zu tragen. Im Louvre in Paris wurde soeben eine bis Ende Februar 2020 terminierte Ausstellung eröffnet, die die jahrzehntelange Forschungsarbeit um Leonardo bündelt und von dem besonderen Umstand inspiriert sein dürfte, dass Leonardo 1519 im Schloss Cloux bei Amboise als Hofmaler Königs Franz I. verstorben ist.

Rom, Paris – und was macht Bensheim? Nun, der Deutsch-Italienische Freundeskreis Bensheim – Riva del Garda mit der Vorsitzenden Pina Kittel ließ sich vom Glanz der europäischen Hauptstädte nicht irritieren. Allein der Titel des Vortrags „Leonardo da Vinci – Künstler, Forscher, Erfinder“ signalisierte den Interessierten, dass es hier um die Ausleuchtung einer hoch komplexen Persönlichkeit geht.

Und für diese Aufgabe hatte man den Münchner Kunsthistoriker und Dozenten für Fotopublizistik/Architektur, Richard Konstantin Blasy, gewonnen, der als Referent in Bensheim bestens ausgewiesen ist. Dass dies der richtige Ansatz war, bestätigte der volle Pfarrsaal in Gemeinde Sankt Georg.

Leonardo ist einmal zutreffend als italienischer Bruder von Goethes Faust bezeichnet worden, denn er hat nicht nur als Künstler die Schönheit und Geheimnisse der Welt zu ergründen versucht, sondern hat auch auf allen Gebieten der damaligen Naturforschung, Technik und Architektur geforscht und seiner Zeit vorauseilende Entdeckungen präsentiert.

Er beschäftigte sich mit den Gesetzen des Fliegens, studierte die Luftströmungen und experimentierte mit Wasserströmung. Seine Fähigkeiten als Ingenieur zeigten sich in den Erfindungen neuer Wasserleitungen, von Kriegsgerät (Maschinengewehr, Panzerwagen) und Befestigungsanlagen. Als Künstler nahm Leonardo mit seinen architektonischen Entwürfen die barocken Zentralbauten mit allen ihren Möglichkeiten vorweg.

Von Florenz nach Mailand

Blasy begann folglich seinen Vortrag mit dem „Kopf eines bärtigen Mannes“, einer Zeichnung, die Leonardo als Selbstbildnis zugeschrieben wird und ihn mit der Physiognomie eines weisen Denkers zeigt, ehe Blasy dann chronologisch die einzelnen Lebens- und Schaffensphasen mit seinen Bildern unterlegte.

1469 trat der 17-jährige in die Werkstatt des berühmten Malers Verracchio in Florenz ein, mit dem er viele gemeinsame Werke schuf, z. B. „Taufe Christi“, sich aber auch in die Eigenständigkeit entwickelte, z. B. mit „Landschaft im Arno-Tal“, „Verkündigung an Maria“, die mit ihren weichen Gesichtszügen Leonardos weibliches Schönheitsideal verkörperte.

Nach dem beruflichen Durchbruch in Florenz ging Leonardo nach Mailand, wo er als Maler, Bildhauer, Architekt und Naturforscher unter dem Mäzenatentum von Lodovico Sforza zur zentralen Gestalt im Mailänder Kunstwesen aufstieg: Das Bild die „Felsengrotten-Madonna“, städtebauliche Beratungen, architektonische Studien und eine Vielzahl naturwissenschaftlicher Zeichnungen kennzeichneten diese Phase, in die auch das zentralperspektivische Bild „Das Abendmahl“ im Refektorium von Santa Maria delle Grazie fällt, das als eines seiner vollkommensten Werke gerühmt wird.

Nach der Besetzung Mailands durch französische Truppen zog sich Leonardo zum zweiten Mal nach Florenz zurück. Hier entwarf er für den Ratssaal des Palazzo Vecchio das große Wandgemälde die „Schlacht von Anghiari“. Aus der Florenzer Zeit stammt auch die weltberühmte „Mona Lisa“. Um 1506 kehrte Leonardo nach Mailand zurück und arbeitete intensiv an anatomischen, naturkundlichen und technischen Studien und außerdem an architektonischen und technischen Projekten.

Während einer Zeit in Rom von 1513 bis 1516, die auf Protektion des Giuilio de Medici zustande kam, betrieb Leonardo mathematische und mechanische Forschung, da die erwarteten künstlerischen Großprojekte ausblieben. Die letzten Jahre verbrachte Leonardo auf Schloss Cloux. Sein Grab geriet in Vergessenheit und wurde eingeebnet.

Blasy – wie immer in freier Rede und mit großer sprachlicher Präzision – stellte außerdem zu dem einen oder anderen Thema Leonardos auch vergleichbare Werke anderer Künstler vor. Am Ende des Bildvortrages langer Applaus für den 83-jährigen Referenten – wie immer.

Peter J. Zeyer

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