Bensheim

Michaelskirche Christoph Bergners fesselnde Gesamtaufführung von Bachs letztem Großwerk

Kunst der Fuge als Orgelerlebnis

Archivartikel

Bensheim.Christoph Bergners Aufführungen der Cembalowerke seines Lieblingskomponisten Johann Sebastian Bach gehören seit rund drei Jahrzehnten zu den herausragenden Fixpunkten im Bergsträßer Konzertkalender. Aber auch als Bach-Organist hat der promovierte Musikwissenschaftler beispielsweise 2017 mit der Gesamtdarbietung des dritten Teiles der „Klavierübung“ („Orgelmesse“) eindrucksvolle Akzente gesetzt. Bergners aktuelles Konzert in der Michaelskirche war nun dem singulären späten Monumentalwerk „Die Kunst der Fuge“ BWV 1080 gewidmet, das er den gut 70 Besuchern in einer Orgelfassung seines legendären Lehrers Helmut Walcha vorstellte.

Krönung des Schaffens

Bachs schaffenskrönende Fugenkollektion ist ein Kompendium aller Möglichkeiten kontrapunktischer Bearbeitung eines einzigen Themas und erscheint damit als konsequent gesteigerte Fortführung seiner anderen großen Zyklen. Gerade dank der Konzentration auf schlichtestes Ausgangsmaterial wirkt die polyphone Kombinations- und Gestaltungsfantasie des Meisters hier grenzenloser denn je. Leider bleiben durch Bachs Tod während der Werkfertigstellung viele Fragen unbeantwortet – etwa bezüglich des Aussehens der fragmentarischen Schlussfuge, der Wahl der instrumentalen Besetzung oder auch der vortragsgerechten Anordnung der einzelnen Stücke. Dass Bach als ausgewiesener Musikpraktiker vor allem an eine Ausführung auf Cembalo oder Orgel gedacht haben muss, lässt sich angesichts der tastenspezifischen Spielbarkeit des Werkes wie der Vorlieben des Komponisten kaum bestreiten.

Bei Christoph Bergner jedenfalls wurde „Die Kunst der Fuge“ zu einem echten Orgelerlebnis und widerlegte so zugleich das gängige Vorurteil, dieser Zyklus sei eher verkopfte „Augenmusik“ und entfalte mithin keine wirklich ergreifenden Klang- bzw. Ausdrucksqualitäten. Wunderbar mitteilsam der spielerisch-leichte Grundton der Interpretation, famos konturenklar die individuellen Satztypen, absolut souverän die polyphone Balance (inklusive des von Walcha fein integrierten Pedalparts), bezwingend nicht zuletzt der in satten 75 Minuten nie abreißende zyklische Spannungsbogen: Bergner brachte Bachs „opus summum“ seinen Zuhörern so nahe wie nur irgend denkbar. Eine imposante Konzentrationsleistung auf komplexestem und anspruchsvollstem Terrain, für die es nach der vom Bearbeiter stilsicher komplettierten Schlussfuge besonders langen Beifall gab.

Bergners nächstes Cembalokonzert mit Bach-Werken soll übrigens am 28. April (Sonntag) um 20 Uhr an gleicher Stätte folgen.

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