Bensheim

Friedhofstraße Die Überreste der Papierfabrik Euler sollen das Wohnviertel aufwerten

Kutscherhaus, Trafoturm und Mauer

Archivartikel

Bensheim.Nur wenige Meter vom Werkmeisterhaus entfernt steht ein weiteres architektonisches Kleinod aus dem Hause Metzendorf, dem man die Vernachlässigung über Jahre hinweg noch stärker ansieht: das Kutscherhaus. 1902 geplant, bestand es ursprünglich aus zwei Wohngebäuden und einem Stall für die Pferde und Kutschen.

Zurzeit laufen innerhalb der denkmalgeschützten Mauern – ähnlich wie beim Werkmeisterhaus – im Auftrag des Immobilienentwicklers BPD die Entkernungsarbeiten. Alles, was nicht zum Originalzustand gehört, muss raus. Nur ist der Aufwand ungleich höher, weil „der Zustand deutlich schlechter ist“, so Architekt Sanjin Maracic. Ein Brand in einem der Räume vor einiger Zeit hat zusätzliche Schäden verursacht. Die angebaute Halle muss sogar komplett zurück- und anschließend neu aufgebaut werden. Die Steine werden zwischengelagert, Maracic hofft, einen Großteil wiederverwenden zu können. In zwei Wochen will man den Abbau angehen.

Das markante Gebäude an der Friedhofstraße soll nach der Sanierung Platz für insgesamt fünf Eigentumswohnungen mit einer Fläche von 180 bis 62 Quadratmetern bieten. Bis auf neue Gauben im Obergeschoss wird auch das Kutscherhaus in den Originalzustand versetzt.

Zum Euler-Ensemble zählt außerdem noch das gut erhaltene Trafohäuschen, in dem sich heute ein Blockheizkraftwerk befindet, mit dem das Wohngebiet – darunter auch künftig die denkmalgeschützten Häuser – mit Fernwärme versorgt werden. In der Friedhofstraße steht darüber hinaus ein zweigeschossiges Mehrfamilienhaus aus Holz, das 1906 von Heinrich Metzendorf auch für Mitarbeiter der Firma Euler geplant wurde. Die Immobilie ist unbewohnt, befindet sich in Privatbesitz und muss ebenfalls saniert werden.

Bleibt die unter Denkmalschutz stehende Mauer der ehemaligen Papierfabrik Euler mit dem bekannten Schriftzug. Diese wird – wie mehrfach berichtet – in die dort entstehende Bebauung integriert. Die Fassade gehörte zu einer Fabrikationshalle, die in den 1950er Jahren gebaut wurde – und damit nicht von Metzendorf selbst. Allerdings haben sich die Planer damals wohl an stark vereinfachten Plänen des Architekten orientiert und Anleihen genommen.

Seit Jahren wird in der Stadt eifrig darüber diskutiert, warum man ausgerechnet diesen Teil des Gesamtensembles als schützenswert eingestuft hat. Die Meinungen darüber gehen auseinander. Fest steht, dass der Erhalt und die Übernahme des letzten Euler-Überbleibsels eine kostspielige Angelegenheit sind. Das bestätigten sowohl Architekt Sanjin Maracic als auch Projektleiter Tobias Pommerening im Gespräch mit dieser Zeitung. dr

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