Bensheim

Goethe-Gymnasium Knapp 100 Schüler waren beim Planspiel Parlamentarismus in Wiesbaden dabei

Landtagsabgeordnete für einen Tag

Bensheim.Für knapp 100 Schüler der Leistungskurse Politik und Wirtschaft des Goethe-Gymnasiums in Bensheim hieß es jetzt früh aufstehen, um an einem vom Hessischen Landtag in Wiesbaden organisierten Planspiel teilzunehmen. Unter dem Motto „Wir sind Abgeordnete“ sollten sie Abläufe einer Gesetzgebung im Parlament nachspielen und so verstehen lernen.

Nach einer Begrüßung durch die Vizepräsidentin des Landtags, Heike Hofmann, nahmen sich Abgeordnete aller sechs aktuell im Landtag vertretenen Parteien für Fragen der Schüler Zeit: Gefährdet der politische Islam den Zusammenhalt in Deutschland? Wie kann Tarek Al-Wazir heute den Bau des Terminals 3 mittragen, wo er doch lange dagegen gekämpft hat? Die teils provokativ gestellten Schülerfragen führten zu Diskussionen zwischen den verschiedenen politischen Lagern, etwa Elisabeth Kula (Die Linke) und Robert Lambrou (AfD).

Kurz darauf saßen die Schüler entsprechend den ihnen bereits im Voraus zugeteilten „Parteien“ im Plenum des Landtags auf den echten Plätzen der gewählten Landesvertreter. Die sogenannte „Arbeitnehmerfraktion“ wurde dabei mit so vielen Mitgliedern bestückt, wie es die aktuelle Legislaturperiode vorsieht, so dass auch die „Schwarz-grüne“ Mehrheit gesichert war. Nach Vergabe der Rollen des Landtagspräsidenten, des Ministerpräsidenten und der Fraktionsvorsitzenden, die erst nach einer Abstimmung im Parlament in ihren Ämtern bestätigt wurden, folgten abwechselnd Fraktions- und Ausschusssitzungen, bei welchen aktuelle Anträge zur Gesetzesänderung, zum Beispiel in der Bildungs- oder Verkehrspolitik, erarbeitet wurden. Diese tagespolitischen Problemstellungen debattierten die Schüler wie „echte“ Abgeordnete anschließend im Plenum und lernten so die Grundzüge des Parlamentarismus ganz praktisch kennen.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen in den Hallen des Landtags kam es in der dritten Plenarsitzung zu einer Schlussabstimmung der Junior-Abgeordneten über die eingereichten Gesetzesvorlagen. Hierbei traten die Unterschiede der verschiedenen politischen Lager deutlich zutage: Während beispielsweise die „Alternative Fraktion“ eine Entlastung der Straßen und somit auch der Umwelt ablehnte, befürworteten die „Sozialistische Fraktion“ und die „Ökologische Fraktion“ den Ausbau innerstädtischer Radwege und die verstärkte Einführung sogenannter „Fahrradstraßen“ – nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch, um innerstädtisch mehr Platz zu schaffen und einen Großteil der täglichen Staus zu vermeiden.

Überraschung: Koalition geplatzt

Dadurch, dass die Schüler Teil eines solchen Gesetzgebungsverfahrens waren, wurde ihnen bewusst, wie langwierig und manchmal auch schwerfällig solch ein Prozess sein kann – und mit wie vielen Widerständen die einzelnen Abgeordneten und Fraktionen kämpfen müssen, bis am Ende ein Kompromiss steht, mit dem zumindest ein Großteil der Beteiligten leben kann. Am Ende bereiteten die Schüler dem Plenum und den anwesenden Zuhörern noch eine Überraschung und ließen die „Konservativ-Ökologische“-Koalition platzen.

Mit diesen tiefen Eindrücken vom politischen System Deutschlands, das sicher auch im Landesabitur wieder auftauchen wird, kehrten die Schüler am Abend nach Bensheim zurück, geehrt von den abschließenden Worten der Organisatoren, die betonten, dass dieses Planspiel lediglich sechs Mal pro Jahr durchgeführt werde und die Goethe-Schüler damit großes Glück gehabt hätten, aus der Vielzahl der Bewerber ausgewählt worden zu sein. red

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