Bensheim

Weltflüchtlingstag CBM fordert Verbesserung der medizinischen Grundversorgung in Camps

Langfristig wirksame Hilfe kommt zu kurz

Bensheim.Rund 40 Prozent der Menschen, die wegen Gewalt, Hunger oder Naturkatastrophen ihr Heimatland verlassen mussten, sind laut dem britischen Overseas Development Institute bereits seit zehn und mehr Jahren auf der Flucht.

"Flucht ist für die Betroffenen kein kurzfristiges Phänomen", betont Dr. Rainer Brockhaus, Geschäftsführer der in Bensheim ansässigen Christoffel-Blindenmission (CBM) anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni. "Doch in den Projekten für Flüchtlinge wird dies noch zu wenig berücksichtigt. Viele Maßnahmen lindern zwar akute Not, langfristig wirkende Hilfe kommt jedoch oft zu kurz. Das muss sich ändern." Das gilt insbesondere für die Flüchtlingscamps, die schon längst keine temporären Zufluchtsorte mehr sind. So wie Dadaab in Ostkenia: Das Lager besteht seit Anfang der 1990er Jahre und gilt als das größte der Welt.

400 000 Menschen in einem Camp

400 000 Menschen, hauptsächlich Bürgerkriegsflüchtlinge aus Somalia, leben derzeit in Dadaab, viele schon seit über 20 Jahren. Doch ihre medizinische Versorgung ist schlecht. Gerade chronische Leiden bleiben oft unentdeckt und werden nicht behandelt - was zu dauerhaften Behinderungen führen kann.

Das wiederum hat fatale Folgen: Da das Flüchtlingscamp kaum auf die Bedürfnisse von behinderten Menschen ausgerichtet ist, können Betroffene nicht alle Einrichtungen nutzen. Dazu gehören auch Wasserstellen, Essensausgaben und Toiletten. Um dem vorzubeugen, bietet die CBM mit einem lokalen Partner in Dadaab, genauso wie in Kakuma, dem anderen großen Flüchtlingslager in Kenia, augenmedizinische Basisversorgung für die Bewohner an.

Regelmäßige Untersuchungen vor allem von Schulkindern, die Versorgung mit Medikamenten und Brillen sowie die Durchführung von Operationen am Grauen Star helfen dabei, die Sehfähigkeit der Menschen zu bewahren oder wiederherzustellen. Nur so ist laut CBM der Zugang zu allen lebensnotwendigen Hilfsangeboten im Camp für sie gewährleistet.

Aus Sicht von CBM-Geschäftsführer Brockhaus braucht es noch mehr solcher Maßnahmen, nicht nur in Kenia: "Die medizinische Versorgung von Flüchtlingen weltweit muss stärker als bisher auf Früherkennung und Vorbeugung ausgerichtet sein. Das gilt für staatliche und nichtstaatliche Hilfe gleichermaßen. Denn nur so können wir sicherstellen, dass die Gesundheit der Menschen nicht noch mehr und dauerhaft leidet."

Die CBM zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit über 100 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Sie unterstützt zurzeit 650 Projekte in 63 Ländern. red

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