Bensheim

Grüne Innenstadtgestaltung entlang des Baches muss aus Sicht der GLB gut überlegt sein

Lauter nur ökologisch verändern

Archivartikel

Bensheim.Der Gewässerverband Bergstraße hat 2019 die Lauter in der Bensheimer Innenstadt ökologisch aufgewertet. Die Fraktion der Grünen Liste Bensheim hatten zu einem Ortstermin eingeladen, um zu sehen, wie sich der Bach seit dem entwickelt hat.

„Die Lauter fällt wegen ihrer Größe und dem Einzugsgebiet unter die EU-Wasserrahmenrichtlinie und wurde deshalb an vielen Stellen bereits renaturiert, um möglichst naturnah und sauber zu sein“, informierte Ulrich Androsch, Geschäftsführer des Gewässerverbandes. Statt der Betonsohle, die der Lauter einen Kanalcharakter gab, fließt der Bach jetzt über ein mit Natursteinen eingefasstes Bachbett.

Kleine Inseln und größere Steine sorgen für unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten und mehr Sauerstoff. Dadurch entstand ein neuer Lebensraum für Fische und Pflanzen. „Wir sehen, dass die naturnahe Lautergestaltung ein Erfolg ist und dies auch zu einer optischen Verbesserung in der Innenstadt geführt hat“, kommentierte Fraktionsvorsitzende Doris Sterzelmaier.

Das grüne Band der Lauter bildet eine Kaltluftschneise in der Innenstadt. Gerade der dichte Bewuchs und die vielen Bäume entlang der Lauter wirken durch die Verdunstung von Wasser an heißen Tagen kühlend auf das Klima in der Innenstadt. Ein Effekt, dem aufgrund des Klimawandels in Zukunft noch größere Bedeutung zukommen werde und der die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt verbessert.

„Besonders die 2016 vom BUND gespendete und mit Hilfe von Ehrenamtlichen gepflanzte Trauerweide an der Mittelbrücke gedeiht prächtig und hat dort genau die richtigen Lebensbedingungen“, sagte Andreas Rossa, Vorsitzender des BUND Bensheim beim Rundgang mit. Alle waren sich einig: Die Trauerweide müsse erhalten bleiben. In Höhe der Stadtmühle werden Erlen und Weiden von selbst aufgehen und sollen dort wachsen dürfen, so Ulrich Androsch.

Eine Beleuchtung der Lauter, wie vom Bürgernetzwerk vorgeschlagen, wurde direkt entlang des Bachlaufes von allen als negativ bewertet, da diese die Fische und Vögel störe und dem Ziel der ökologischen Aufwertung entgegenstehe. „Wir können uns eine dezente und nur in den Abendstunden vorgenommene Beleuchtung der Bauwerke Mittelbrücke und Rinnentor vorstellen, aber nicht des Bachlaufs selbst“, meinte Grünen-Vorstandsmitglied Susanne Reichert.

Wo ein Zugang zur Lauter sinnvoll ist, wurde ebenfalls betrachtet. Aus der Zukunftswerkstatt Innenstadt 2030, die schon vor dem Bürgernetzwerk bestand, gibt es einen Vorschlag, östlich der Brücke am Spielplatz vor der Stadtbibliothek, schreiben die Grünen. Dort ist Platz neben dem flachen Bachbett; die wenig attraktiven Betonringe sollen entfernt und ein Zugang mit Natursteinen geschaffen werden.

Kirschbäume nicht fällen

Diese Stelle an der Lauter schien allen Beteiligten als optimal auch für größere Kinder. Ein Zugang direkt am westlich der Brücke gelegenen Kleinkinderspielplatz scheint eher ungeeignet zu sein. Die Mauer müsste sicher zurückversetzt und ein Teil des Spielplatzes entfernt werden, um einen flachen Zugang zur Lauter zu schaffen.

Einige Kirschbäume müssten dann gefällt werden. Dies wäre aus Sicht der Grünen nicht akzeptabel. Der Spielplatz wurde erst kürzlich erneuert und für diese Zielgruppe mit den Spielgeräten ist der neue Bodenbelag ideal. „Ob die Eltern der Kleinkinder noch entspannt das Café besuchen können, wenn die Kleinen über Findlinge klettern, um im Wasser zu spielen, darf bezweifelt werden. Hier bietet sich der neue Zugang zur Lauter am Spielplatz in der Bleiche besser an“, meint Vorstandsmitglied Peter L. Born.

Der Hochwasserschutz ist gewährleistet, auch nach der vorgenommenen Aufwertung im letzten Jahr. Die gleiche Wassermenge kann in gleicher Zeit wie zuvor abfließen, berichtet Androsch. Am Rinnentor gibt es einen Schieber, der Hochwasser von der Lauter in den Neugraben unter der Schwanheimer Straße abführen kann. Seit mehr als 30 Jahren sei dies nicht mehr nötig gewesen.

Die Lauter, die ab dem Rinnentor Winkelbach heißt, verschwindet dann bis zu drei Meter tief unter der Erde neben der in den 80er Jahren gebauten Tiefgarage. Die Betonverdolung ist keine Schönheit für die Innenstadt.

„An der Stelle könnte durch eine Natursteinverkleidung eine deutliche Verbesserung erzielt werden“, schlug Stadtverordneter Moritz Müller vor. Abschließend war man sich einig: Die Lauter in der Innenstadt ist ein besonderer Naturraum, den es zu bewahren gilt und der nur behutsam und ökologisch verändert werden kann und allein deshalb eine Attraktion für die Innenstadt darstellt. red

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