Bensheim

Ausstellung Anne-Sophie Koch und Seriban Köksal-Kurt stellen noch bis zum bis 24. November im Damenbau des Fürstenlagers Natur-Impressionen aus

Lebendiger Dialog der Herangehensweisen

Auerbach.Eine sehenswerte Ausstellung hat der Auerbacher Kur- und Verkehrsverein im Damenbau des Fürstenlagers organisiert. Unter dem Titel „Natur-Impressionen“ zeigen Anne-Sophie Koch und Seriban Köksal-Kurt bis 24. November eine schöne Auswahl ihrer Arbeiten. Gabriele Mundt begrüßte zahlreiche Gäste zur Vernissage am Samstag. Einführende Worte sprach die Kunsthistorikerin Dagmar Burisch.

Die Weinheimerin Anne-Sophie Koch hat bereits während ihrer Kindheit kreativen Sauerstoff geatmet. Die Mutter Malerin, Vater und Großvater Goldschmied, studiert die gebürtige Bremerin in Berlin an der Akademie für Werkkunst und Mode Design mit der Fachrichtung Innenarchitektur. In den späten 70er Jahren knüpft sie als Mitarbeiterin der Weinheimer Altstadtgalerie Kontakte zu Künstlern. 2007 eröffnet sie ihr eigenes Atelier. In ihren Arbeiten fängt sie eindrucksvoll Stimmungen der Natur mit feinen Farbmischungen ein. Ihre Öl- und Acryl-Malerei bewegt sich sensibel zwischen Realität und Abstraktion, in charismatischen Farbflächen und kontrastreich expressiven Reduktionen spiegelt sich die Formen- und Farbenvielfalt der Natur, die Anne-Sophie Koch teils minimalistisch, teils in kraftvoller Dynamik auf den Punkt bringt.

Formen und Farbenspiele

Ihre Kompositionen gehen fast immer über das augenscheinliche Bildmotiv hinaus. Die Motive zeigen atmosphärische Stimmungen, Licht, Lichtbrechungen und Spiegelungen. Amorphe Formen und bunte Farbenspiele auf der Oberfläche eines sanft bewegten Gewässers, großflächige, schroffe Farbfelder und leuchtende Hell-Dunkel-Kontraste („Raps“) sowie ein vitaler, organischer Strich („Wiese“) offenbaren ein tiefes Gespür für die kreative Freiheit der Schöpfung und den elementaren Kern ihrer unterschiedlichen Spielarten. Es ist stets die Wahrnehmung des Betrachters, die der Bildidee als assoziative Vollendung dient. Kochs reduzierte Landschaften sind flächig, besitzen aber auch Weite und Tiefe. Eine konkrete Räumlichkeit ist aus den Bildern herausgenommen, um sie mit Kräften aufzuladen, denen die Malerin in forschender Neugier nachspürt und treffend auf die Leinwandbringt. Der Eindruck von Ruhe und Schönheit der Bilder entsteht durch Einfachheit, eine klar gegliederte Bewegtheit sowie durch Rhythmus, Balance und eine enorme Plastizität.

Kontrast

Im Kontrast zu den Arbeiten von Sehriban Köksal Kurt entsteht im Damenbau ein lebendiger Dialog zwischen sehr unterschiedlichen ästhetischen und technischen Herangehensweisen. Die gebürtige Türkin studierte Bildhauerei und ist seit 20 Jahren als freischaffende Künstlerin tätig. Auch sie ist eine Natursammlerin, allerdings im Wortsinn: Ihre Fundstücke werden feinst versponnen und verwoben und zu fragilen Objekten und Installationen verarbeitet. Die Künstlerin mit Atelier in Darmstadt spielt mit Licht und Schatten, Transparenz und Verschlossenheit, mit filigranen Figuren und komplexen Strukturen. In ihren Arbeiten verwandelt sich das Ausgangsmaterial zu einem neuen „Wesen“ mit einer völlig eigenen Textur.

Sinnliches Erleben

Es ist die vielperspektivische Auseinandersetzung mit dem Objekt, das den Weg zum sinnlichen Erleben ebnet. Ihre Fundstücke sind pflanzlicher und tierischer Natur. Katzenhaare, Federn, Fischgräten oder Tee. Das alles arrangiert sie in Plastiken, Gemälden und Installationen gleichsam als persönliche Variante oder neugestaltete Interpretation der vorgefundenen Materialien. Ihre dreidimensionalen Objekte aus Pappmaché sind wahre Labyrinthe, deren Strukturen ineinander greifen und sich in alle Richtungen verästeln und fortsetzen. Ihre Arbeiten sind in mehrfacher Hinsicht kommunikative Beziehungs-Geflechte, die sich teilweise in den gesamten Raum ausdehnen und mit dem Betrachter offensiv Kontakt aufnehmen. Es sind die Ablagerungen aus zeitlicher und räumlicher Dimension, die Sehriban Köksal Kurt virtuos positioniert und in rätselhafte, gespenstische, wunderschöne Objekte übersetzt.

Es ist nicht die konkrete Idee oder ein fertiges Konzept, das ihr als Ausgangspunkt dient. Vielmehr entstehen die Arbeiten aus einem vagen Thema in einem freien, spontanen Prozess, der sich immer weiter auf ein klares Ziel hin entwickelt. Aus totem Material entsteht neues Leben. Die Natur häutet sich und singt in anderer Stimme weiter.

Die Finissage findet am Sonntag, den 4. November um 11 Uhr statt. Geöffnet ist die Ausstellung bis dahin jeweils samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr.

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