Bensheim

Naturschutz Förderverein Tongruben schafft auch für die Langohren kleine Rückzugsgebiete

Lebensraum für Feldhasen schwindet

Archivartikel

Bensheim.In einer heute fast ganz digital strukturierten Welt, in der sogar die Landwirtschaft bald nur noch digital gemanaget werden soll, scheint es neben anderen Tieren und vielen Vogelarten auch für den Feldhasen keinen Platz mehr zu geben. Darauf weist der Förderverein Tongruben in einer Mitteilung zum bevorstehenden „Oster(hasen)-Fest“ hin.

„Im Märzen der Bauer sein Rösslein anspannt“, wie es noch in dem alten Volkslied lautet, sei leider längst Geschichte. Riesige ausgeräumte Felder ohne Hecken und riesige Landmaschinen beherrschten heute das Bild unsere Felder und unserer Landschaften. Bei einer solch intensiv betriebenen Landwirtschaft gebe es keine natürliche bunten Wiesen mit allerlei Wildkräutern und auch keine Acker-Unkräuter mehr. „Das sind aber die Lebensgrundlagen für Feldhasen. Dass es solche natürlichen Wiesen- und Acker-Wildkräuter heute fast nicht mehr gibt, ist ein Ergebnis der den Landwirten durch die EU-Agrarpolitik aufgezwungenen modernen und wirtschaftlicheren Arbeitsweise“, schreibt der Verein.

Neben diesen „Unkräutern“ und Wildkräutern, welche die Feldhasen zum Überleben unbedingt benötigen, brauchen die Feldhasen aber auch geschützte Verstecke, in denen sie ungestört ihren Nachwuchs großziehen können. In einer heutzutage oft fast völlig ausgeräumten Feldflur und bei Monokultur-Landschaften, die vorherrschten, seien aber solche geschützten Verstecke (Heckenstreifen und Feldraine) fast nicht mehr vorhanden.

Nicht einmal des Nachts haben Feldhasen noch ihre Ruhe, weil die Landwirtschaft sogar im Dunkeln unter künstlicher Beleuchtung ihre Flächen bearbeitet, bearbeiten müsse. Auch dies sei eine Folge der falschen EU-Agrarpolitik und des allseits angestrebten Wirtschaftswachstums.

Als weitere Ursache für den Rückgang der Feldhasenbestände kommt noch schlechtes Wetter hinzu, die den Feldhasen bei der Aufzucht ihres Nachwuchses Probleme bereiten kann, wenn es im Frühjahr zu viel regnet und es zu kalt ist. Dann könnten viele Junghasen nicht überleben.

Unter all diesen schlechten Bedingungen hätten die Tiere keine andere Möglichkeit, als sich zurückzuziehen. „Aber wohin sollen sie sich noch zurückziehen können, wenn innerhalb der EU überall nach gleicher Weise Agrarwirtschaft betrieben wird und daher überall die gleich schlechten Überlebensbedingungen für Feldhasen gegeben sind? Es bleibt ihnen nur, allmählich auszusterben“, heißt es in der Pressemitteilung.

Der Flächenfraß durch die ungebremste Ausweisung weiterer Wohn- und Gewerbegebiete, ausgeräumte Landschaften, das Fehlen natürlicher, ungedüngter Wiesen, die Monokulturen (Stichwort: Maisanbau), der massive Einsatz von Giftstoffen, der Arbeitseinsatz auf den Feldern fast rund um die Uhr sowie der stark zugenommene Straßenverkehr machten den Hasen das Überleben fast unmöglich.

Auch viele Wiesenvögelarten hätten massiv unter der modernen Landbewirtschaftung zu leiden und befinden sich auf einem nur noch als apokalyptischen zu bezeichnenden Rückzug, so der Förderverein.

So sei der Bestand an Rebhühnern, die auf die gleichen Lebensräume wie die Feldhasen angewiesen sind, um überleben zu können, innerhalb der letzten 30 Jahre um 85 Prozent zurückgegangen.

Umdenken, bevor es zu spät ist

„Dass wir unsere Agrarwirtschaft wieder mehr in umweltverträglicher Weise betreiben müssen, weil wir auch uns Menschen mit der derzeitigen Landwirtschaft sehr viel Schaden zufügen, ist gerade zurzeit in der sehr leidenschaftlich geführten Debatte über den Einsatz des Pestizides Glyphosat deutlich geworden. Bei einer Umkehr zur umweltverträglichen Bewirtschaftungsformen könnte auch für die Feldhasen wieder neuer Lebensraum entstehen, wenn es dann nicht zu spät ist“, merkt der Förderverein Tongruben an.

Im Naturschutzgebiet Tongrubengelände, um dessen Erhalt und Pflege sich der Förderverein schon zwei Jahrzehnte lang bemüht, existieren auch noch ein paar solcher Wiesen und Hecken, was die Feldhasen zum Überleben unbedingt benötigen. So leistet der Förderverein Tongruben neben seinem Tun für die Vogelwelt auch einen kleinen Beitrag zum Erhalt von Lebensraum für Feldhasen.

Eine frühere Aussage des Nabu-Bundesverbandes laute zu Recht: „Vogelschutz ist Menschenschutz.“ Weil auch Menschen nur in einer gesunden Umwelt gesund leben und überleben könnten. Diese Aussage gilt bezogen auf den Feldhasen gleichermaßen, schreibt der Förderverein Tongruben in seiner Mitteilung abschließend. red

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