Bensheim

Auerbach Synagogenverein stellt sein Programm für die zweite Jahreshälfte vor

Lesefestival macht Station in der Synagoge

Auerbach.Der Auerbacher Synagogenverein stellt sein Programm für die zweite Jahreshälfte vor: Am Anfang steht ein Experten-Gespräch über die Lage des Jüdisch-Katholischen Dialogs nach „Nostra Aetate“. Danach kommt mit Thomas Meyer ein moderner Autor zu Wort, aber auch über Berthold Auerbach, einen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, berichtet ein Vortrag. Eine szenische Lesung aus Briefen greift Schicksale aus der NS-Zeit auf.

Alle Veranstaltungen finden in der ehemaligen Auerbacher Synagoge, Bachgasse 28, statt.

Experten-Gespräch: Am Mittwoch, 11. September, um 19 Uhr lädt der Synagogenverein zu einem Gespräch ein zwischen Professor Hanspeter Heinz, Augsburg (Mitglied des Gesprächskreises Juden und Christen im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken) und Rabbiner Jehoschua Ahrens, Darmstadt (Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland). Das Thema: Entwicklung und Zukunft des jüdisch-katholischen Dialogs nach der Enzyklika „Nostra Aetate“.

Das der Enzyklika vorangegangene 2. Vatikanische Konzil (1962-1965) hatte den Anlass gegeben zu einer Neubesinnung der Kirche – auch in Bezug auf das Judentum. Sie hat dabei traditionelle christliche Antijudaismen verworfen und mit den Worten des Paulus Nachdruck gelegt auf die ewige Gültigkeit von Gottes Bund mit seinem Volk sowie die Definition des Judentums „als heilige Wurzel der eigenen christlichen Identität“.

Fazit: Es soll nicht länger das Trennende, sondern das Verbindende thematisiert werden.

2015 und 2017 kamen von verschiedenen Rabbinerkonferenzen Reaktionen mit Anerkennung für die Thesen der Enzyklika. Eine dieser Erklärungen hat den Titel „Den Willen unseres Vaters im Himmel tun: Hin zu einer Partnerschaft zwischen Christen und Juden“. Es gelte, „die uns angebotene Hand unserer christlichen Brüder und Schwestern zu ergreifen“. Trotz unüberbrückbarer theologischer Differenzen wird auch hier der Vorrang der Gemeinsamkeiten betont.

Welche bahnbrechenden Veränderungen diese Entwicklungen mit sich brachten und was die wichtigsten Aufgaben für die Zukunft sind – darüber wird das Gespräch am 11. September geführt werden.

Aus der Schweiz: Am Sonntag, 20. Oktober um 17 Uhr wird im Rahmen des Lesefestivals in Kooperation mit der Stadtkultur Bensheim zu einer Lesung in die ehemalige Synagoge eingeladen: Thomas Meyer, Zürich, liest aus seinem im September erscheinenden Buch „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“, das auf seinen erfolgreichen Erstlingsroman folgt.

Ein-Personen-Stück: Am Mittwoch, 20. November, um 19.30 Uhr wird ein Ein-Personen-Stück aufgeführt: „Minna und Edith. Die Geschichte einer Freundschaft“ – aufgeschrieben, erzählt und gespielt von Jürgen Flügge, dem Gründer des Hoftheaters Tromm. Durch Brieffunde in der eigenen Familie erfuhr er von der innigen Beziehung seiner Mutter Minna zu ihrer jüdischen Freundin Edith. Ihrer Familie gelang die Flucht in die USA, aber die Mädchen hielten den Kontakt über den Atlantik hinweg von 1934 bis in die fünfziger Jahre.

Literarische Lebensskizze: Am Mittwoch, 11. Dezember, um 19.30 Uhr schließlich legt Burkhard Engel vom Cantaton Theater Erbach eine literarische Lebensskizze vor über den fast in Vergessenheit geratenen Schriftsteller Berthold Auerbach, der das Landjudentum im 19. Jahrhundert schildert. Weltbekannt waren seine „Schwarzwälder Dorfgeschichten“. Mit Hilfe von autobiografischen Texten Auerbachs sowie ausgewählten Passagen aus seinen Werken entsteht ein Lebensbild des Autors. red

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel