Bensheim

Mädchengymnasium Das Bistum Mainz will die Trägerschaft aus Kostengründen aufgeben / Schulleiterin gibt sich zuversichtlich / Haus am Maiberg wird geschlossen

Liebfrauenschule bangt um ihre Existenz

Archivartikel

Bensheim.Die Liebfrauenschule ist eine Institution in Bensheim und verfügt über einen ausgezeichneten Ruf – nicht nur wegen ihrer schulischen Qualitäten, sondern auch aufgrund des sozialen Engagements der Schulgemeinde. Nun droht das private katholische Mädchengymnasium mit Realschulzweig dem Sparkurs der Kirche zum Opfer zu fallen.

Das Bistum Mainz jedenfalls will und kann sich nach eigenem Bekunden die Bildungseinrichtung nicht mehr leisten, es muss deshalb ein neuer Träger gesucht werden. Das gleiche Schicksal teilen die Hildegardisschule in Bingen, das Ketteler-Kolleg in Mainz sowie eine Grundschule in der rheinland-pfälzischen Hauptstadt.

Betroffen ist ebenfalls das Haus am Maiberg in Heppenheim. Es soll zum 31. Dezember 2022 geschlossen werden. Geplant ist aber, den renommierten Arbeitsschwerpunkt sozialpolitischer und sozialethischer Bildung zu erhalten und ihn an die Bildungsarbeit in der Akademie Erbacher Hof in Mainz anzuschließen. Der Kreis Bergstraße will prüfen, wie die Angebote, bei denen Kreis und Haus am Maiberg zusammenarbeiten, ersetzt werden können.

„Es sind schmerzhafte Einschnitte, die wir auf verschiedenen Ebenen des Bistums vornehmen müssen“, betonte Bischof Peter Kohlgraf am Mittwoch. „Dieser Abschied von bisher Gewohntem und Selbstverständlichem wird schwer werden. Aber gleichzeitig gehen wir mit dieser Neustrukturierung einen Weg, der unvermeidlich ist, und gerade mit Blick auf die mittel- und langfristige Entwicklung ist dies ein verantwortungsvoller Weg: Wir gestalten den Wandel unserer Kirche“. Man gestalte die Zukunft des Bildungs- und Tagungsbereiches zu einer Zeit, in der man noch gestalten könne. „Und nicht erst dann, wenn fehlende finanzielle Mittel dazu zwingen.“

Die Institution Kirche werde kleiner – an Mitgliedern, an finanziellen Mitteln und auch an Menschen, die sich für ein christliches Profil engagieren wollten, so der Bischof. Dass es die LFS trifft, überrascht dennoch. Die Auswahl der Schulen erläuterte Bildungsdezernent Gereon Geissler. Sie sei auf der Basis mehrerer Entscheidungskriterien erfolgt: Diese umfassten betriebswirtschaftliche, personalpolitische, regionale und pastorale Sichtweisen. „Zum anderen ist uns wichtig, die Schulstruktur in ihrer Bandbreite weiterhin beispielhaft im Bistum abzubilden – von der Grundschule über die Realschule bis hin zum Gymnasium und zur berufsbildenden Schule.“ Warum in diesem Konzept kein Platz mehr für die Liebfrauenschule ist, blieb offen.

Kreis will Schule erhalten

Auch den zeitlichen Rahmen konkretisierte das Bistum nicht. Aktuell befinde man sich in Gesprächen zur Übernahme der Trägerschaft, mit den politisch Verantwortliche will man sich nun ebenfalls ins Benehmen setzen. Das dürften interessante Gespräche werden.

Bei Landrat und Schuldezernent Christian Engelhardt (CDU) kam die Ankündigung aus Mainz erwartungsgemäß nicht gut an. Er stellte sich am Mittwoch auf Nachfrage gegen eine Schließung: „Wir werden alles daransetzen, die Schule in ihrer heutigen Form zu erhalten, denn sie ist als katholische Mädchenschule ein wichtiger Bestandteil unserer Schullandschaft und bereichert die Vielfalt unseres Schul-Portfolios sehr.“

Man werde als Kreis intensive Gespräche mit der Kirche führen und die bestmögliche Lösung suchen. „Unser Ziel als Schulträger ist es, dass die Schülerinnen der Liebfrauenschule an ihrer Schule bleiben können und dort weiterhin beschult werden“, betont der Verwaltungschef. Der Landrat geht davon aus, dass die Überlegungen des Bistums nur langfristig greifen und deshalb mindestens auch das Schuljahr 2021/2022 mit der Einschulung neuer Fünftklässlerinnen des Realschul- und Gymnasialzweigs beginne. Zudem wolle er kurzfristig Kontakt zur Schulleitung wie auch zum Schulelternbeirat aufnehmen.

Auch Bensheims Bürgermeister Rolf Richter ist es wichtig, diese Schule zu erhalten: „Wir werden uns mit allen unseren Möglichkeiten dafür einsetzen, dass die Schule mit möglichst unverändertem Konzept am jetzigen Standort erhalten bleibt“, betonte der Rathauschef.

Schock für Schüler und Lehrer

Ein Abzug der Schülerinnen und Lehrenden wäre ein weiterer heftiger Nackenschlag für die Innenstadt. Einerseits tragen die Jugendlichen durchaus zur Belebung auch der Geschäfte bei, andererseits wäre der Leerstand des Campus, der sich von der Kirche Sankt Georg bis auf die andere Seite der Nibelungenstraße erstreckt, ein fatales Signal. Durchaus ein Horrorszenario, das nicht eintreffen muss, aber aus Sicht der Verantwortlichen im Rathaus und im Landratsamt verhindert werden sollte. Der Rückzug der Kirche vor allem bei der Kinderbetreuung in den vergangenen Jahren hat zuletzt in der Kommunalpolitik immer wieder für Kritik an der Rolle der Kirche in der Gesellschaft gesorgt. Die am Mittwoch verkündeten Sparmaßnahmen werden nicht dazu beitragen, die Wogen zu glätten.

Die Leiterin der Liebfrauenschule, Sabine Nellessen-Kohl, gab sich in einer ersten Stellungnahme kämpferisch. „Wir, das Kollegium der Liebfrauenschule, werden alles tun, um unsere Schule an Ort und Stelle – im Herzen Bensheims – zu erhalten, kontinuierlich weiterzuentwickeln und in eine neue Trägerschaft zu begleiten.“ Sie sei zuversichtlich, dass die Überführung in eine andere Trägerschaft gelingen werde, „da wir eine Schule mit exzellentem Ruf sind“. Gegenüber dem LFS-Kollegium habe Bildungsdezernent Geissler mitgeteilt, die Übergabe der Schule an einen neuen Träger sei als Prozess aufzufassen, der mehrere Jahre in Anspruch nehme.

Die Nachricht sei für alle ein Schock, der mit vielen Fragen und Unsicherheiten einhergehe. Sie appellierte an die Eltern, ihre Töchter weiterhin auf die LFS zu schicken und warb um künftige Viertklässlerinnen.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel